Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 34 (1860) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
34 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026373--1698-4910202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 und Kästen angekommm, die alle wohl verschlossen in da- Haus geschafft wurden." „Unsir Jakob hat zugefeh«," fiel eine Dame ein, „wie sie adgepackt wurden, die Kisten waren alle, biauf zwei oder drei, sehr leicht; H muß nichts weiter als Lallstaat oder dergleichen darin stecken.'1 „Run ja, das wird wohl! das Beste von der Mitgift sein. Der Vater hat vor seinem Tob« einen großm Ban» querott gemacht, und die Mitgift soll nur in einem paar lumpigen tausend Thalern bestehen. Wie ist Nur Ihr Detter zu dieser Heirath gekommen?" „Sie wissen," erwiderte die Hauswirthin, und unwill» kürllch erhob sie ihr Haupt ungleich höher, daß die rothen Bänder an ihren Touppees knitterten, und ihr Goldge» schmeide klirrte, „Sie wissen, daß mein Vetter sehr großartige Geschäfte macht; er hat bei meinem Manne gelemt, und mit großem Glück die Handlung seines Vaters erweitert. Dies führte ihn oft nach der Residenz; der Oheim seiner jetzigen Frau, von dem er viele Waaren bezog, lud ihn oft zu Tische ein; da hat er sie kennen gelemt." „Aber," unterbrach rasch eine andere Dame die Hausfrau, „sie soll ja schon.über die erste Jugend hinaus sein; man munkelt viel von Verbindungen, die sie früher gehabt;, sonst hätte sie sich wohl auch nicht entschlossm, nach unsrem kleinen B. zu gehen." „Run, daist wohl Verleumdung, replicirte die An» geredete, und obgleich mich mein Detter nicht behandelt hat, wie ich es um ihn verdient, > so muß ich doch seine Frau vertheidigen. Wir werden Alle sehen-" In diesem Augenblicke ließ sich auf der Straße das Rollen einer rasch daherfahrende» Karosse vemehmm, die Jünger der Tonkunst erhobm eiligst ihre Jnstmmmre, und begannen einen schmettemden Tusch, eine ohrenzerreißmde Fanfare, welche die versammelte Kinderschaar zu einem ge» wattigen Hurrahruf begeisterte, alle Fenster flogen auf, alle Köpfe fuhren hinaus, alle Thüren öffneten sich, und spieen Haufm von Männem und Frauen aus, die Kutsche hielt vor dem laubumwundenen Portal. <F«nfetz»ng folgt.)! rd« der Rabbiner von ihn zu siiner Ankunft Rabbi R... sah evn, daß er!einm Fehler begangen habe. Er brachte E«tfchuld1g«ngm vor, aber Menubel wollte nichts hörm, und verfolgte dm Rabbiner, indem er seine Phrase: „Gehr, ünd fragt Oenjmigm, der mich gefchaffm," wiederholt». " An den Thvrm dek, Stadt wur den Dorstehem der Gemeinde, die beglückwünschten, empfangen. Menubel fuhr fort, dm guten Rabbiner zu plagm, indem er immer wiederholte: „Geht, und fragt Denjenigen, der mich geifchaffm hat." Die Vorsteher vvNiO... verstanden nichts von diesen Worten, sie wurden Aufgebracht' über die Zudringlichkeit dieses Häßliche« und schlugen dem Rabbiner vor, ihn für feine Unverschämtheit zu züchtigen. „Hütet Euch wohl, meine Freunde, ich habe diesen Mann durch ein unbedachtes. Wort beleidigt, er läßt ihm Entschuldigungen mich dies fühlen; indessen habe ich gemacht. Ich wiederhole dies« in Eurer Gegenwart, er söll mir verzeihen; wenn er sich dessen weigert, nun wohl! so! wird mir Gott verzeihen." Mmudel, der glaubte, di« Lehre sei bereits stark genug, nähert sich dem Rabbiner, verbeugt sich vor ihm, und sagt: „Meister, Ihr habt die Wahrheit gesagt, ich bin sehr häßlich, aber Ihr sehet, dßß es nicht gus ist, alle Wahrheiten auszusprechen. Wisset! Rabbi, daß ich ein Schüler des berühmten Rabbi Meir hin, der Etwas gesagt -har, das Ihr vielleicht nicht wißt, fdaist — 7£^p3 bsruvri se» 12 w-W 7iS2 m:m. >„Sleh nicht auf das Gefäß, sondern auf das, was es enthalt." Rabbi R... reich« dem Schüler de- Rabbi Meir die Hand und sagte: „Dü bist mein Master, und ich segne den Tag, an dem ich Dir begegn«." Die beiden Freunde tratm in die Stadt ein. Mmudel lehrt an der Seit» des Rabbi 8ß... und alle. Welt bewundert sein Wissen ünd seine gtoßen Fähigkeiten. Die Häßlichkeit war verschwunden. Niemand nahm Anstoß an dem Gefäß, sondem Jedermann w» begierig, sich an feinem Inhalt zu ergötzen. , 2'. Die SchöilhekL Die beiden Gegensätze.*) 1. Di« Häßlichkeit. Rabbi R... war auf einer Amtsreise begriffm und richtete seine Schritte der Stadt O... zu, um dort das ' Wort Gottes zu sprechen. Unterweges begegnete er einem Mann« von außerordentlicher Häßlichkeit. Menubel, so ist der Rame dieses Manne-, redet den Rabdinen mit der üblichen Begrüßung an: Schaloni Alcchem. Ader der Rabbi fährt beim Anblick dieses schrecklichen Gesichtes zurück und ruft aus: „Wie kann man so häßlich sein l" „Geht und ftagt Denjenigen, der mich geschaffen hat," erwledert trocken Mmudel. *) Rach dem Midrasch. Aus dem Xoomüre paräien Bon Crehange. Ein Mann von außerordmtlicher Schönheit kommt eines Tagezu einem, wegen seine« umfangreichen Wissensehr bekannten Rabbiner und bittet ihnj um eine besondere Unterredung. Der Rabbiner, betroffen von der außerordentlichen Schönheit dieses Mannes, stgr sich: Doist »in schöne« Gefäß, ich möchte-wohl wissm, ob es gum Wein enthält. Ader str unsren Tvlmudlstm ««r der beste Wein, der das Herz de- MmfchM am meisten erftmt, die göttlich« Wissenschaft, u»d dm Grund zu dvm Besuche de- Fremden vergessmd, spricht er zu ihm Gsmara, theilt ihm feine Meinung über eine sthr ernste F^age mis, die ln diesem Augmbiicke die Schulen beschäftigte. Ader der Fremde, ganz erstaunt, sagt ganz offen, daß er durchaus gar Nichtvon diesen Gegenständen verstünde Der Rabbi wurde ein wmig «^uder Fassung gebracht. Wie kann man nichts vom Talmud wissm! Aber, dachte gc, dieser Mann! ist ohne Zweifel in der Mischna bewandert, und leitet die Unterhaltung auf diese Seit« hin. Der arme Fremde bleibt stumm; er kannte edm so wenig dö Mischna als di« Gemara.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.