Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 34 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 faltigst«» Gruppinmg mit einander üb, und verliehen ihr den Reiz vielfachen Farbrowechsels. Ab^r auch da- Städtchen selbst war sauber und nett, wie selten. Es mußte viel Wohlhabenheit dann herrschen, dennj es gab viele stattliche Häuser darin, fast alle aber waren g<t abgeputzt, einige mit sehr hellen Farben bemalt, die zwa^ weniger Zeugniß vom Geschmacke ihrer Besitzer, als von! ihrem Sinn für Reinlichkeit adlegren. Die Straßen waoen gut gepflastert, und an den beiden Häuserreihen zogen sich Trottoirs von rothen Backsteinen hin, welche gar schmuck aüssahen. Der Stolz des Städtchens aber war ein gehäumiger viereckiger Marktplatz, in dessen Mitte von einer Gruppe uralter Lindendaume beschattet ein zierlicher Brucknen stand, dessen Wasser Tag und Nacht in das große steinerne Becken sich ergoß. Es versteht sich von selbst, daß dieser Marktplatz von den stattlichsten Häusern umlagert war, unter welchen das Rath- und das SchulhauS vortheiÜraft hervorstachen. An dem Nachmittage, an welchem wir unsre Leser in B. einführen, herrschte auf dem Markte dpS Städtchens ein eigenthümliches Leben; nicht al» ob d» Bevölkerung sich dort in Massen zusammengeschaart hätte,! höchstens bemerkte man vor einem der Häuser eine Anzahl Kindermädchen und gaffender Kinder versammelt. Aber esfuhren doch alle Augenblicke Köpfe aus den Fenstern, namentlich wenn irgend ein Geräusch auf der Straße entstanden^ bisweilen öffneten sich die Hauslhücen, und die nachbarlichen Frauen trafen auf einander und halten sich gar viel zu erzählen, wobei sie oft auf das Haus hinwiesrn, voo welchem sich die Schaar Kinder versammelt hatte. Hörse man irgend einen Wagen vom Tbore herrasseln, sei ,S in schnellem oder lang- . samem Trabe, so ward die Bewegung eilte allgemeinere, aus allen Fenstern fuhren Köpfe hervor, und aus allen Thüren kamen Leute heraus, die sich dann allmäHlig, wenn das Gefährte sich alS einen gewöhnlichen Karrpn oder Landwagen erwies, wieder zucückzogen. Jenes Haumußte aber allerdings irgend einen ungewöhnlichen Besuch erwarten. Zeichnete es sich so schon als das größte und bestgebaute von allen übrigen ad, harre der Besitzer es tnit dem hier ungewöhnlichen Schmuck« von Oelfarde, von.fein lackirken Thür, und Fensterläden versehen, so prangte eS heute außerdem mit vielfachen Guirlanden, di, vor der Hausthür zu einer wahren Laude von Blumengewinden geworben. So war die Neugierde der. Städter bereit-vielfach getäuscht worben, und dadurch zu einer wahren Leidenschaft herangewachsen. Immer mebr, nun auch erwachsene Leute versammelten sich vor jenem Hause, biselbst die hochlöbtiche Polizei es für nothwendig fand, ihren einzigen Repräsentanten in blauem Rock und mir mächtigem Stabe, auf der Brust ein blinkendes Wappen von Zinn, unter die Schaar zu senden. Siehe, da schwenkte ein Zug oder vielmehr ein Knäuel Männer aus einer Nebenstraße auf den Marktplatz ein, wandte sich nach dem Hause, drängte die Kinder, die Mädchen und die Weiber auseinander und postirte sich zu beiden Seiten der Pforte. Es waren Männer in sehr verschiedenen Anzügen, aber jeder von ihnen trug irgend ein Instrument, aus welchem er mir Hülfe einer gesunden Lunge, wenn auch nicht die lieblichsten und richtigsten, doch die stärksten und schneidendsten Töne herauszuschmettern versprach — also dalöbliche Ehor der Stadtmusikantrn. Die Zeit währte lange, und einige jnnge Leut«, die sich «ingefundcn, baren den Führer der Bande um einige lustige j Weisen zur Kurzweil; aber die Jünger der Muse, im Bewußtsein ihrer Wichtigkeit und ihres Werthes, verharrten im ernsten Schweigen. Begeben wir uns daher lieber dis zum Eintreffen^ der jedenfalls Erwarteten, in eines der dem besprochenen schräg gegenüber liegenden Häuser, von welchem man die bequemste Aussicht auf Allewas hier Vorgehen sollte hatte. Wir treten in ein geräumiges Wohnzimmer, und finden daselbst außer der stattlichen Hausfrau, die in ein hellfarbiges Seidenkleid mit Spitzen und Bändern gehüllt, und mit mannichfachem Goldschmuck behängen war, noch einige weibliche Gäste versammelt. Sie saßen an den drei oder vier Fenstern des Zimmers, hatten gewichtige Kaffeetassen in den Händen und der reich gefüllte Kuchenkorb rursirre oft genug in der Gesellschaft. Dies hinderte aber nicht an einem gemüthlichen Geplauder. „Nun, was sagt Einer dazu," ruft eben eine der Damen aus, „da kommen gar die Stadtmusikanten. Solch' ein Aufhebens wurde nicht einmal vor zehn Jahren gemacht, als der Herr Bürgermeister feine Frau, die doch eine Adlige! war, heimführre. WaS denkt sich denn nur Ihr Herr Detter," wandte sich die Schwägerin zur Hauswirthin,! „daß er so viel Lärmens macht? Wir Juden sollten doch! dergleichen Gepränge vermeiden, da-, doch nur bei den Bürgern der Stadt Rischus hervorbringt, der so schon groß genug ist." „Ja," antwortete die Angeredete, „ich weiß es auch nicht. Mich hat er nicht zu Rache gezogen, als er heirarhen wollte; er hat sein Haus ganz nach eignem Willen zugerüstet, und nun mag er zusehen, wie es ausfällt." „Werden Sie denn nicht hinüber gehen, um die jungen Leute, zu empfangen?" fiel eine Dritte ein. „Sie sind doch di« nächste Verwandle. Geniren Sie sich unsertwegen nicht, wir bleiben hier ruhig sitzen, um Alles mit anzusehen." „Das sollte mir fehlen. Mein Vetter har mich zum 1 Empfang nicht eingeladen, hat überhaupt Niemanden eingeladen, und da kann er mit seinem Püppchen aus der! Residenz allein bleiben, bis si, unzuerst aufgesucht haben." „Sie kennen wohl Ihre neue Verwandte gar nicht?" ■ frug eine Vierte, di« sich eben eines großen Stückes Kuchen > bemächtigt hatte. „Sie wissen wohl kaum ihren Namen?! Das ist doch unerhört. Schämt er sich etwa seiner Ver- I wandten? Meines Mannes Vater erinnert' sich seines Großvaters noch sehr gut, der mit einem Päckchen in di« Stadt eingewanvrrt ist. Wer ist denn die große Unbekannte, die ihn mir ihrer Hand beglückt har?" „Nun, so gar arg ist es nicht. Dort am Spiegel sehen Sie die Verlobungskarte. Zur Hochzeit aber ist Nie, mand eingeladen, worden, um uns nicht in Kosten zu fetzen. Nun, das ist ihr eigner Schade, denn wir hätten ihnen ein werthvolles Hochzeitsgeschenk gemacht. Die jung« Frau ist aus einer sehr angesehenen Familie in der Residenz; ihr Barer war Commerzienrath, ist aber schon lange Zeit verstorben, und auch ihre Mutter hatte sie frühzeitig verloren. Sie hat bei einem Oheim eine sehr feine Erziehung genossen, wie es in der Hauptstadt eben Gebrauch ist. Ob sie etwas von der Wirtschaft versteht, ist eine andere Frage, aber sie wird sich auch gar nicht dämm bekümmern. Mein Detter kann sehen, wie er fertig wird."' „Dafür bringt sie ihm wohl eine große, reiche Mitgift mit? Sind doch gestern zwei große Lastwagen mit Kisten