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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 34 (1860) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
34 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 Ja diesem Augenblicke meldet man Pas Milkagsessen. ,,^ie werden mit uns speisen, mein Heck, sagte der Rabbiner zu dem Fremden; darnach wollen wir uns mit Ihrer Lagelegenheir^befassen." > Während der Mahlzeit, dachte der Rtadbiner, werde ich! mir ihm von der h. Schrift sprechen; in^der ist er gewiß sehr stark. In der Thar fange ich an!zu glauben, daß Derjenige, der sich mit dem Studium des geschriebenen Gesetzes beschäftigt, Ansprüche auf das künftige Leben haben kann, selvst wenn er bas traditionelle Gesetz nicht ergründet hätte. b Der Fremde hatte den Bitten des Rabbiners, denen sich die freundliche Einladung der Krack Raddinecin zugesellte, nachgegeben. ■ Man setzt sich zu Tische. Die Suppe ist die Frnmdin des Stillschweigens. Aber der Rabbiner kann nicht lange dem Wunsche, von der Thorah zu reden, widerstehen, und sich an seinen Gast wendend, sagt er: Sie sind ohne Zweifel ein pichv . Können Sie mir die Namen der MeudleS und Geräthschaftea nen- . nen, welche Moses für dasStifkszelt hat Unfertigen lasten?*, , „Mein Herr Rabbiner, Sie sehen ist mir eineq »Mann, ' der in Verzweiflung ist, Ihre Frage nicht beantworten zu können, ich weiß Ihnen von diesim Zelte nichts zu sagen, und bin in den Schriften MosiS nicht! bewandert. Der Rabbiner war wie versteinert; er hatte von solcher Unwissenheit keinen Begriff. Aber der Fremde saß an sei-; nem Tische, er mußte sich bezwingen tznd sturen Verdruß verbergen. Die vortreffliche Frau Rabbinecin hatte Mitleid mit ' dem Fremden. Joseph, «in Kmd von sieden Jahckn, das in einem kleinen Buch« las, sagte darauf: Väter, was ist ein nv i:'»2J? Ich glaube, Do Haft wohl schon eich Haggadah in Händen. Ah, da« ist eichtlg; wir sind aml ersten des Monat» Nissan, nun, mein Junge, ein ViwtE?!»iv is'ähj ist «in sehr unwissender Mann. Er versteht nicht einmal zu fragen. Mit einem Solchen muß man anfangs, ihn mit Sanftmulb unterweisen, Geduld mir ihm Hatzen und ihm niemal« Verdruß zeigen. Die Raddinerin. — Mein Freund, in dem was Du da sagst liegt eine kehre für Jedermann. Der Rabbiner (ärgerlich). — Blümchen, schweige. m;p *(n?T a't» „Das weibliche Geschlecht ist leichtfertig." Die Rabbinerin. Das war nicht die Ansicht jenes großen Heerführers, der sich nicht schlagen wollte, so lange Debora nicht an der Spitz« der Arm« stände. Ueberdies har die Frau Rabbi Meir's gegen diese Abgeschmacktheit protestirt.! Oer Rabbiner. — Adgrfchmackthejt! Blümchen, Du > mußt nichts für abgeschmackt halten^ was die Rabbiner: gesagt haben. ( *) Die Kleinlichkeit vieler Frage wird Diejenigen nicht in Erstaunen setzen, die sich erinnern, mit welcher Verachtung die alten Rabbiner Diejenigen behandelten, die sich vor allein mit dem Studium des geschriebenen (besetze« heschastigtea. Die Raddinerin. — Du hast Recht, mein Freund, vergieb. (Sie reicht ihm die Hand.) Oer Rabbiner (sich zu dem Fremden wendend). — „Mein Herr, ich ersuche Sie, den Segen zu sprechen." „Herr Rabbiner, ich bitte, mich zu entschuldigen, aber ich kann nicht« auswendig hecsagea." Der Rabbiner, sich «icht mehr haltend, ruft: Ah! ich habe mein Brot einem Hund, gegeben! Die Raddinerin (bestürzt). — Ach! mein Freund, wie kannst Du so Etwas sagen! Einen Mann beleidigen, der an unsrem Tische sitzt! . (Und eine Thräne perlt unter der langen schwarzen Wimper dieser vortrefflichen Frau hervor.) Oer Fremde (sich erhedelrd). — Wie, Rabbi, könnt Ihr sagen, Ihr habt Euer Brot einem Hunde gegeben? Weshalb behandelt Ihr mich so? Wa« habe ich Euch Böses gekhaa? Etwa weil ich unwissend bin? Aber ist dies mein Fehler, wenn Gott meinen Eltern die Mittel zu meinem Unterricht versagt hat? Ist es meine Schuld, wenn ich feit meiner zartesten Kmdhett genöthigr war, mich mit den härtesten Arbeiten zu befassen, um Vater und Mutter zu ernähren? Sie haben wenig Mitleib, Herr Rabbiner. Erkundigen Sie sich in meinem Viertel, fragen Sie nach Rarvan Hayophi. Ich Hab« gearbeitet, und Gott hat meine Arbeit gesegnet, weil ich immer meinen Ueverfluß mit noch Unglücklicheren als ich bin, gerheilt habe. Und, sehen Sie, als ich zu Ihnen gekommen bin, geschah dies, um Ihnen diese hundert Gulden zu dringen, und Sie zu ersuchen, diese unter arme Studirende zu vertheilen; aber Sie haben mir nicht die Zeit gelassen. Ihnen dies zu sagen; Sie haben gleich von meiner Ankunft an von Sachen gesprochen, die ich nicht versteh«. Ich rühme mich n,cht des wenigen Guten, was ich thun kann; ich erwähne es nur, um Ihnen zu sagen, daß ich kein Hund bin. Der Rabbiner senkt den Kopf, schlagt sich an die Brust und sagt: „Mein Freund, ich habe gesündigt, verzeihet mir. Ihr seid mehr werth als ich. Ich Hab« ohne Ueberlegung geurtheilt, ohne Gerechtigkeit verdammt, verzeihet mir. Ihr habt mich die Vorschrift eines unserer Weisen verstehen gelehrt «r«, ]p:pa *3ntor 12 tcvd .1122! „Halter Euch nicht an den zugleich eitlen und unnützen Kenntnissen eines Menschen, fondem beachtet die Tugenden, durch d«e ein Mann sich auSzeichnet und deurlheilr ihn nach dem Guten, was er seinen Brüdern thur." Der Fremde übergibt dem Rabbiner das mitgebrachte Geld und entfernt sich. Allgemeine Zeitung de» Judenthums. No. 33. 1860. Leite nde Artikel: Eine laute Warnung. — Die Zukunft Palästina«. — Die Sammlungen für die Maroniten. — Die israelitische Bibelanstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Au« dem Braunschweigischen. Leipzig, au« Bichern. Preußen: Eonbu«, Seehausen, Berlin. Oeflerreichifcher Kaiserstaat: Krakau. Lien. Frankreich: Mühlhausen. Holland: Amsterdam. Dänemark: Kopenhagen. Kopenhagen. Rußland: Peterrburg, Friebrichstadt. J&ST Zn beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redaewnr: L. Reibe. Wertag M* «dimglf tnct't BuchdaRvUmg i» sechzig. — Dnl« »00 9. «reoii», ia sei»»«,.

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