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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 34 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
34 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Retehrung unk) Anterhattung auf jüdischem HeKlete. HcrauSgcgcben von Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Pso« in Magdeburg. j sNo. 34. 1860.] Von dieser Zntschrilt erjteim «Schrntlich eine Nummer. Preis de« 3«hr<' gang« l Thlr. Vie««lj>ihr>g 7 Jf Rgr. Ave «nchdantlnnge». P«KL»ter> und ZeimugSexpeditiollt» nehme» Bestebungen an. ' [7. jajirg. 3. Quartal,] Die Sünden der Zeit. * Ein Novellencyclus. 1 II. j Der Luxus. Wer die Geschichte der Menschheit auf ihren vielfach verschlungenen Pfaden verfolgt, der weiß, daß jedweder Fortschritt, jedweder Aufschwung bald nebst dem Segen, den er - verbreitet, mannichfache Schäden und Rachtheile mit sich bringt, welche mit Ernst betrachtet, mit Sorgfalt erforscht werden müssen, um sie zu heilen. Es kommt in der Mensch-, heit keine Herrlichkeit auf, die neben dem Glanze, den sie; verbreitet, neben dem goldenen Sonnenschein, den sie au»-' gießt, nicht auch riefe Schalten über die armen Söhn« Adam» wirft, welche «eben bestimmt zu sein scheinen, fort und fort zu kämpfen, und da- Unkraut au-zujäten, da» ihnen die Mutter Erd« um jeden Halm gefunden Kornes aufschießen laßt. Erheb« Deine Stimme nur nicht zu allzu lautem Jubel, denn hinter ihm kommt der Schrei de-; Schmerze», der um so greller tönt, je schneidender er in! den Judelruf hineinfallt. Auch bitte ich Dich, lob« nicht allzusehr, damit der Tadel, der nothwendig darauf folgt, nicht allzu große Flecke auf da» Lob werfe, didiese» ganz; verdunkelt worben. Ein alter Weiser meinte, daß der Mensch sich immerfort von einem Gegensatz zum anderen bewege, um dadurch zur Mitte zu gelangen, in welcher allein da- Rechte und Richtige ruhe. Welche Freude muß e» machen, wenn der Menschenfreund die Fortschritte aller Künste, die Ausbildung aller Gewerbe, die Veredlung de- Geschmackes nicht allein an sich betrachtet, sondern noch mehr, wenn er diese all« Schichten der Gesellschaft ducchdringen, nach und nach in jede Hütte einkehren und einigen Glanz selbst Über die Wände und Geräth« d.r» Tagelöhnerbreiten sieht. Wir muß es ihn erheben, wenn er die Kleidung, die Wohnung, die Nahrung der Aermsten sich bessern, wenn ec mehr Reinlichkeit, mehr Licht und Luft, itzehr Gesundheitspflege in den Häusern gewahrt. Segen ruft er auf die Fortschritte der Cultur herab, und sei» Herz erhebt sich in dem Bewußtsein, daß der Mensch unter der weisen Fügung Gottes immer mehr Elend und Tod bekämpfen, immer mehr die Mühsal« de- Lebenmindern lern»! ... Ader zieht hinter d«m Genius der Cultur nicht auch wieder ein finsteres Gespenst daher, daseine Geißel übe, di« Geschlechter schwingt, von dessen ausgestreckteu Fingern Gifttropfen auf die Häupter und in di« Herzen der Menschen fallen, daeia« Saat in hie Furchen de- Menschenlebenstreut-, welche alcht Mo« in den Dornen und Histel^r, sondern ^aach in Schierling und Fingechut aufschießt? Jenes Gespenst, bas öle Menschenkinder zu unaufhörlichen Aastrengjuagen um eitelsten Tand und Flitter antreidt, die besten Kräfte für Richtigkeiten vergeudet, die niedrigstjm Leidenschaften für leere Aeußerlichkriten weckt, und zuletzt seine Anhänger in den Adgnmd stürzt? . . . Lasset mich Euch in Folgendem diese« Gespenst malen, itz. seine« Umrissen, in seinen Scharren, in seinen scharfen marktrten Zügen Euch vorfiihren — und wenn unter hundert meiner Leser Einer vor diesem Bilde so sehr erschrickt, daß er mit Entfchi,d»aheit sich von ihm abwendet, von dem Pfade des G«si»eake< weicht und der besseren Einsicht folgt — yana haben wir unsren Griffel nicht umsonst geführt. 'I. Ein sonnenheller Nachmittag hatte sich über B., ein nette- Landstädtchen, gelegt. Es war einer jmer entzückenden Augustnachmittage, wo die Warme, sich bereits zur Kühlung neigt, und die Gluth de« Sommett veqgessm macht, wahrend sie noch lange vor dem Froste de- Winterzu schützen verheißt, wo da- Laub der Bäume zwar schon längst seine erste Frische verloren, äder die ln allen Karde» prangenden Früchte durch dasselbe schimmem. Die Scham» begannen sich länger zu strecken, und dem Spiel der goldrnm Sonnenstrahlen Widerpart zu halten. Die Kornfelder waren zumeist schon adgeemtet, so daß überall eine ungewöhnliche Ruhe herrschte. Wie reizend war da- Städtchen gekegen l Ein ziemlich breiter Fluß vom klarsten Wasser schlängelte sich zwischen Hügeln einher, an deren Fstß er bisweilen 1a»m noch Platz genug für die Heerstraße gelassen, die bmd hart an seinem Ufer dahinzog, bald ihn verließ, um ein» seiner vielen Windungen zu vermeidea, immer aber durch! zwei Reihen hoher, schlanker Pappeln bezeichnet war. Der Fluß durchschnirr da- Städtchen, da dessen jöe^ünder efür g»t geftmden hatten, an beiden Ufer« Posta zu fassen, aber zahlreiche Brücken, theilfesterer, thellleichtert^ Konstruktion, ver» danbm die beiden Seiten > zu immerwährendem Verkehr. Die Hügel, welch« um di» Stadt herum znrü^ewlchea und einen fruchtbaren Thalkeffel gebildet hatte», stiegen in der Ferne zu immer größer« Höhen ans die einzeln bizu btauumbufteten Bergen wurden. In der ganzen Landschaft wechselten Kornfelder, Wiesen und Wälder in der mannich»

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