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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 32 (1860) · p. Seite 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
32 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 i Srrffrn kaufen, nun so mußt Du Dich an alle Militärwenden, die kennen Dir solch« verkaufen; komm mir mir. „Meine Damen, ich bitte, mich zu enrschuldizen, eist heute mein NamcnStag, und ich will ein gute- Ge» sthäfr machen." ' Der Graf entfernte sich mit Ephraim. Unser Händler kehrt nach Hause zurück, beladen mit Kleidern von allen Farben und mir einer Schachtel unter dem Arm. „Susanne," rief er au-, aio *o 'nb rvn. non ob'*? -2. „Du hast also ein gure- Geschäft gemacht, Ephraims" „Ein goldene- Geschäft, eine Metziah. Denk' Dir, Susanne, ich gehe vor dem Pallast de- Gouverneurvor» bei; am großen Thor zwingt mich ein Engel, in den Hof zu treten." „Ein Engel 1 hast Du ihn gesehen?" „Ich habe ihn nicht gesehen, aber di« Wache hat ihn sicher gesehen und davor Furcht gehabt, weil sie mich ungehindert einrreten ließ. Wie ich in die Mitte de- Hofe« gekommen, rufe ich, wie gewöhnlich: Nichtzu handeln da oben? — Die Bedienten de- Grafen wollten mich hinau-iagea, aber der Fürst winkte ihnen, und sie entfernten sich mit den Zeichen detiefsten Respekt-. „Ich wollte mich indeß zurückziehen, alein anderer Diener kam, mir zu sagen, baß sein Herr mich zu sprechen wünsch«. Ich folgte ihm nicht, ohne daß da- Herz mir schlug. Ich kam durch mehrere Säle, immer einer schöner alder andere und ich konnte mir eine Idee machen, wie der Pallast unsre- König- Salomon in Jerusalem beschaffen gewesen. Endlich kam ich in den Saal, wo der Fürst war. „Der ganze Adel von Prag war da. Ich zitterte wie ein Espenlaub. Ader neben dem Arnster stand eia Engel, ein wirklicher Engel, ein lebender Eng?!, welcher mich mit soviel Güte ansah, daß mein ganzer Much zurückkehrte. „Der Graf kam mir entgegen und nachdem er einige wohlwollende Worte an mich gerichtet, führte er mich in fein Zimmer und ließ hecheibringen alle-, wa- Du hier siehst und die ganze Schachtel voll Epoulert- und Treffen; und weißt Du, wamir die- Allekostet? Dreißig Gulden und nicht einen Kreuzer mehr. Der Fürst selbst bestimmte den Preis; da ich mich nicht enthalten konnte, ihm zu sagen, daß emehr werth wäre, antwortete er mir, daß er doch wohl Herr wäre, den Preis der Maare zu bestimmen, die er verkaufen wolle. „Ich sah deutlich, baß die Hand Gottein dieser Sache wäre, und ich beugte mich vor Seinem heiligen Willen. „Der Fürst frug mich nach meiner Familie und indem er mich verabschiedete, forderte er mich auf, alle Dienstage zu ihm zu komme«. „Der Diener, der mich eingefihrt, brachte mich zurück, und am Thore de- Schlöffesagte er dem Schweizer leise einige Worte, der mich darauf sehr freundlich grüßte. „Sagen wir Gorr noch einmal Dank, der Tag war gut und zu Ehren de- Sabbathwerben wir Fleisch, Fisch und ein wenig Wein haben. Verstehst Du, mein Weib?"' Einige Monate gingen so vorüber. Ephraim ging alle Dienstage in da- Schloß und da gab e< immer ein gule- Geschäfrchen für ihn, und er hatte o«n *pna immer ein wenig Fleisch, ein wenig Fisch und ein wenig Wein für den Sobbakb. Ewar im ^onatl Riffan. wenige Tage vor dem Osterfest. Jedermann weiß, daß diese- Fest mit seinen Osterkuchen, seinem neuen Geschirr, seinen befferea Speisen und Kleidern dem armen Juden z^i einer Menge besonderer Ausgaben verhllft. Der rechtschaffen, Familienvater hat viel Sorge davon, aber er vertraut auf Gott, und spricht: Gott wird helfen. Auch unser Ephraim entging diesen Sorgen nicht, er bedurfte einer ziemlichen Summe um Jrnn tow machen zu können. „Gott wird helfen," sagte er und richtete seine Schritte nach dem Schlosse de- Grafen von .... Der Graf sieht ihn kommen und hat einen Gedanken.- „Eist sonderbar," sagt« er, „ich reiche diesem Israeliten so viele Hülfe, und wenn ich ihn frage, wie ebei ihm gehr, wie er eanfängk, um bei der Krankheit seines Frau au-zutvmmen, seine Miethe zu bezahlen, antwortet kr mir unveränderlich: Gott har geholfen. Ich weiß, daß er mir sehr ergeben ist, daß er sein Leben für mich und die Gräfin lassen würde, ader ich mag ihn noch so sehr mit Wohlrhaten überhäufe«, eist immer Gott, der geholfen hat. Escheint mir jedoch, daß ich auch etwadabei im Spiele bin. Ich will die Börse ein wenig zuhalten und sehen, nie der Gott Israelsich benehmen wird, um unsrem Freunde da- Geld zu geben, dessen er zu seinem Fest« bedarf." Der Graf hatte die- Selbstgespräch vollendet, alman Herrn Ephraim meldete. Die Auftrahme war herzlich, wohlwollend wie immer, aber dabei verblieb e<. „Mein lieber Ephraim^."' sagte der Graf, „egiebt heute hier nichtzu handeln." „Dathut mir leid, Herr Graf, ich muß nothwendig Etwaverdienen; eist die Zeit, wo „Ich weiß, ich weiß, Zeit habt Ihr Egypten rsind Eure Ostern. Zu dieser au-geräumr. Die Zeiten haben sich verändert, der Egyptier hat nicht-, der Krieg hat meine Einkünfte vermindert, bi« Ernte vorigen Jahrewar schlecht, meine Pächter bezahlen nicht." „So könnten Sie mir nicht etwaleihen . . ." „Unmöglich. Siehst. Du, ethut mir leid, ader. . ." „Nun wohl!" in« I bWs 110V*, murmelte Ephraim. „Wasagst Du?" ,Lch sage, Gott wird helfen." „Ja, mein Braver, Gott wird helfen. Leb' wohl, Ephraim, nach dem Feste! komm.« wieder." _ „Eist ein wenig hakt," sagte btt Graf, aler seinen Juden fortgehen sah. „Armer Ephraim l Wenn die Gräfin dawüßte! Doch ich bin ln meinem Rechte. Wenn Gott den Armen Gutethun warum soll ich eimmer thun? Egiebt mehr Reich« in Prag; ich helfe gem, ader ich will nicht Allechun." Der KleiderhLudler ging ttaurig und niedergeschlagen fort. Aler den Hof durchschritt, grüßten ihn die Diener wie gewöhnlich; nur Christoph, der Stallknecht, machte eine Nase hinter ihm drein. Der Knecht hatte die Juden nicht gem; wenn man ihn fmg, warum, antworttte er: „Meine Mutter hat mir gesagt, alle Juden ferm Ehristenfrrffer." Ephraim läuft durch die ganze Stabt. Nicht dakleinste

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