Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 32 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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126 nur der Schrei ihre- Unwillens, nur der Ausruf ihrer Erbitterung -di« Wellen beruhigen sich, der Sturm legt sich, aUmäkliz schleichen sich sanftere Gefühle, ruhigere Ge, danken wieder eia, und — dem RückkeKrenben werben die Arme abermals geöffnet! — — I Aber sehen wir auch auf unser eigenes Lebens .Gehet in eure Vergangenheit zurück. Hast Du j den Landm.mn nicht im Frühjahr den Acker bestellen sehen? Rastlos zog er hinter dem Pfluge her, feine Hand strebte mühsam den | Samen jius, er düngte und bedeckte ihn^ die Saar schoß auch lustig empor, er'jätete das Unkraut aufs. Schon reifte das Gewächs, undversprach ihm reichlichen Lahn. Ader ein Unwetter ist gekommen, ein Hagelschlag traf die wallenden Aehren; und als der Landmann zu seiner Flur kam, war Alles vernichtet, Alles zerschlagen, LUeS verloren, feine; Müh' und>sein Lohn. Und ist es Dir jemals ergangen j wie dem Landmann- Siehe, Du faßtest einen schönen' Plan, und mit Kraft griffest Du ihn ast, mit aller Anstrengung suchtest Du ihn auszuführen. Deine Tage füllte die Bemühung darum. Deine Nachte de^ Gedanke daran. Du sähest da» Weck gedeihen, wachsen, das Gelingen stellte sich Dir in schmeichlerischer Nahe dar. Desto eifriger ward Dein Fleiß, Deine Sorgfalt, desto williger opfertest Du dafür, was Du vermochtest. Da griffen ^feinMitt^e Gewalten ein, und ^rstörten Dein Werk. Gegner stießen eS um, Widersacher zertrümmerten es. Du stehest an den Trümmern. Ach, nicht einmal Deine vergeblich«! SchweißtroKfez» zählest Du, sondern die Wünsche und Hoffnungen, die Du darauf gesetzt, und die mm vereitelt sind. Wehe, Du müh» test Dich, aber um Wind. Du vpfertest, aber um Nichts. Es ist fehlgeschlagen. Es ist zu nicht« ßeworden. Wie? zerschlägst Du in Deinem Grimme nicht das noch, was übrig geblieben, den Rest willst Du auch nicht haben. Du glichst in Deiner Erbitterung, wie der Prophet: Ja, ich veröd' es nun ganz — Nicht beschnitten, nicbl behackt, > -steig' es herauf in Dora und Distel, Und den Welten will ich verbitten,; Es mit Kegen zu befeuchten. — — | O wohl dem Menschen, wenn feine verlorene Arbeit nur die Arbeit einer Zeit gewesen, er kapn umkehren, sein Werk noch einmal von vorn angreifen,i oder ein anderes i -aber wehe, wenn er sein ganzes ^eden als ein vergebliche», eireler, verlorenes beweinen rquß! wenn er am Abend« seiner Tage sich sagen muß: Dst hast Nichts geschafft! der Inhalt Deines Lebens ist mckttg, um Luft hast; Du gerungen! Dann ist die Abendnth^ nicht jene selige,' wo die Sonne die Gipfel der Berge röthend und die Wipfel1 der Bäume bestrahlend, langsam, wie befriedigt, niebersinkt, wo am Rande des Himmels vergoldete und verfildertt Wölkchen einen sanften Schleier dreiton, wo die Luft so still, die Flur so ruhig, die Welt so lau und wohlig ist -es ist dann ein rauher, abschüssiges: Niedergang, mit feuchten Dünsten, dunkel,n Nebeln, graunü Gewölk, -Aechzen! des Windes, schaurig, fröstelnd, eisig -f- — es stehet da! der untergehenbe Mensch auf einem wüstes verödeten Weinberg, medergerisseu die Mauer, weggeschafft der Zaun, ab- ^eweidet bas Laub, zertreten die Reben, zerwühlt der Boden, Dorn und Disteln find heraofgestiegen, «und -darüber tönet der Ruf des Propheten: Warum Harn' ich, daß er Trauten trüge: Doch trug er Heerlinge?- Ja. ich rerod' ibn ganz. — — Ephraim.*) Vor hundert und einigen Jahren gab es in Prag einen armen Juden, Namens Ephraim: er gewann kärglich feinen Lebensunterhalt und erhielt feine zahlreiche Familie vermittels eines kleinen Trödelhandel«. Jedm Morgen, nach dem Gebete, giüg er durch die Straßen, rufend: „Nicht» zu handeln hie^? Alte Hüte, alte Tressen!" Alles war ihm recht. Die groß« Ehrlichkeit Ephraims und sein schönes, wenn auch durch Entbehrung abgemagertes Gesicht, hatten ihm alle Thüren geöffnet. Eines Tages wagte er sich in den Hof des Grafen von . . ., und ohne sich von der glänzenden Gesellschaft, die sich dort gerade auf einem Balkon befand, beirren zu lassen, begann er zu schreien: „Nicht» zu handeln da oben? alte Hüte, alte Tressen!" Ein ungeheurer Schweizer und zwei große Lakaien liefen auf den Juden ^u und sagten ihm, er solle sich schnell davon machen, oder .... Ader der Graf harre sie gesehen und ihre Absichten errathend, winkte ec ihnen bedeutungsvoll zu; und die Diener blieben wie an ihrem Platz genagelt. Es waren viele Diplomaten und ein Kranz von sehr hübschen Bohminnen bei dem Grafen versammelt, und er fand den Ruf des Juden: „Nichts zu handeln da oben!" sehr ergötzlich. „Gräfin," sagte er, „wenn wir diesen Juden heraufkommen ließen, würden wir uns an ihm. ein wenig amüsiren." „Lieber Graf, man soll sich auf Kosten seines Nebenmenschen nicht belustigen; dieser Jude ist ein Mensch wie Sie." „Sittenpredigerin, theure Gräfin! In der That, Sie haben Recht, immer Recht. Nun gut, ich will diesen Mann heraufkommen lassen, um ihm Etwazu verkaufen, denn dazu ist er gekommen." „Wohlan, mein Freund, gieb dem Armen Arbeit. Es ist mehr Verdienst, einen Unglücklichen zwei Gulden durch seine Arbeit verdienen zu geben, als ihm zwanzig al« Almosen zu schenken." „Sie werden befriedigt sein, Gräfin. Dann sich an einen Diener wendend, sagte er: „Laß' diesen Händler heraufkommrn und sei artig gegen ihn, verstehst Du." Franz verbeugte sich tief und verschwand. Ephraim wurde in einen prächtigen Saal eingeführt. Der arme Mann fühlte sich nicht behaglich; der Graf bemerkte dies, und beruhigte ihn. „Sohn Abrahams, Du hast gefragt, ob es hier'Nichts zu handeln gäbe." . „Gnädiger Herr, ich war zerstreut und bin in da- Palais eingetteten, ohne eszu wissen." „Ader Du hast wohl daran gethan. Du willst alte *) Au« bnn Französischen in dem eben erschienenen Annuaire parisien pour 5621 par A. Ben Baruch Crehange.