Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 32 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 Geschäft an diesem Tage. Der arme Mann kehrt in Verzweiflung nach Hause zurück, aber er zwingt sich, heiter zu scheinen. Susanne läuft ihm entgegen. „Nun,! was hast Du bei dem Grafen ausgerichtet? Gott segne dmguren Fürsten! Rasch, erzähle mir doch." „Geduld meine lieb« Susanne, nur ein bischen Geduld. Ich habe nichtbei dem Grafen ausgerichtet, aber Gott wird helfen." <3Aiur folgt.) Die Jüdinnen in Marokko. Ein bayer'scher Ofsiciec desckreibl in des „K. 3" eine Fahrt von Tanger nach Magador, «Übei er sich folgendermaßen ausläßt: „Ueber die Frauen läßt sich deshalb wenig sagen, weil sie entweder da- Hauinur selten verlassen , oder in den Straßen mit einem alleverhüllenden Sack angethan erscheinen, so daß oft nur aus' der Richtung der Füße die Gesichrsseire errathen werden dann. Zugänglicher für Beobachtung ist daweibliche Geschlecht nur im Millah, wohin wir bei Durchwanderung de, Stadt gelangtm. In einem abgesonderten Quartier leb, nd, scheidet die Juden zwar keine eigentlich« Mauereinfassunt wie in Tetuan ab, aber die Grenzen ihres Wohnorts find »och sogleich an den Wallen von Unrarh zu erkennen, die dtm-Eintrerenden entgegenstarcrn. Längs der ganzen Küste zahlreich angesiedelt, bedienen sie sich in Tetuan und Tanger fast ausschließlich der spanischen Sprache; von da ad gegen Süden verdrängt allmählig das Arabische und kheilweise b«4 Hebräische die edlr Sprache Castiliens, von der nach Mqgador höchstens die drei berühmten Kraftausdrücke reichen, womit der Halbinsulaner Freude und Leid, Lust und Schmerz so sinnreich zu bezeichnen weiß. Die so hoch gerühmte und gepriesene Schönheit der maurischen Jüdinnen habe sch weder in Tetuan. noch hier oder sonst wo irgendwie bestätigt gefunden; es bilden im Gegentheil unter ihnen die oft stark genäherten Augen und die gefährlich spitzigen Nasen «n geradezu, unschönes Moment. Einzelne fast tadellose Schönheiten fanden «ich allerdings vor, aber auch diese sind rättowirt, und erscheinen dann mehr als ein Gegenstand der Euriosität als clasfischer Erbauung. Die Augenbrauen sind in zwei scharfbegrenzte, fast gerade verlaufende Linien verwandelt, ebenso werben Augenlider an den Rändern schwarz bepinselt, fv daß Form und Glanz des Auges nicht unvorstheilhast gehoben sind; doch die weitern malerischen Eigmtbstmlichkejten sind entschieden verunstaltend. Auf den Schläfen oder wohl auch auf den Wangen, je nach Laune und Gesistmack der schönen Künstlerin, finden sich vier bis fünf kleine runde Flecken angebracht, und schließlich banst mit Antimün oder Bleiglanz ein schwarzblauer kängöstreif der Nase oder dem Kinn aufgesetzt. Dazu kommen noch rorhgefärbte Nägel und günstigen Falls ebenso dis an die Knöchel behandelte Füße, .was fast den Eindruck macht als wären sie in Blut spvzieren gegangen. Oie buntgefärbte Esfifa, welche bei wohlhabenden reichlich mit Edelsteinen besetzt ist, ein breiter Gürtel oberhalb der Hüften, der sich einem golddurchwirkten Mieder anschlleßt, ein doppeltes Ohrgehänge und massive silberne Ringe um Hand- und Fußgelenke vollenden die immerhin pittoreske Ausstattung." Notizen des Tages. Der Prinz-Regent von Preußen hat die Feudalen, den Grafen von Stollberg an der Spitze, welche ihn um die Rücknahme der Rechtsgleichheit der Juden angegangen, in kräftigster Weife zurückgewiesen.;— Der türkische Großvezir macht jetzt eine Rundreise durch die eneopäische Türkei. In allen größeren Städten versammelt er die Notablen der Türken, Christen und Juden und spricht in sehr entschiedener Weise die Gleichheit Aller vor dem Gesetze aus, sowie daß Jeder, der sich in Etwas zu beklagen har. verpflichtet sei, es ihm vorzutragen. — Die neue Verfassung, über welch« jetzt Senat und Bürgerschaft von Hamburg sich vereinbaren, spricht unbedingt die Pflicht und Rechtsgleichheit aller Staatsangehörigen ohne Unterschied der Confession aus. — Der Minister des Innern in der Moldau har an die Rabbinen des Landes ein Circulärsihrriben gesandt, worin er sie auffordert dahin zu wirken, daß die Juden die alte polnische Tracht adlegen und die europäische Kleidung annehmen. Es sei die nothwendige Bedingung, um die Annäherung an Volk und Staat herbeizuführen, welche der Emancipation nochwendig vorangehen müsse. Welche Wirkung dies Rescripr haben, und ob die Rabbinen hierfür oder vielleicht zum Gegentheil ihren Einfluß gebrauchen werden, laßt sich noch nicht abfehen. Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln haben die Höhe von 5358 Thlrn. 22 Ngr. 4 Pf. erreicht. Allgemeine Zeitung des JudenkhumS. No. 31. 1860. Leitende Artikel: Lchelling über den Monotheismus. — Ueber Eonfistvualversassung. — Die israelitische Bibel-Anstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kassel. H-mburg. Preußen: Königsberg, Magdeburg, Berlin, aus Aestphalen, Magdeburg Oesterreichischer Kaiserstaat: Gr. BecSkerek. Ruß laut: Pomveß. Belgien: Paris. Spanien und Portugal: Aus der hibenschen Halbinsel. Frankreich: Pari«. Zn beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich % Thaler. „ perannvonlicher Redakteur: A. Rübe. Verlag ».'« Vaamzärtnfr'S V»chb>»»kl»»z i» kripzjg. — Dnut 9cn <S. in