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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 32 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
32 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Z" Ketehrung und Unterhaltung auf jüdischem HeKiete. . Heranegegedro von Radbiaer vr. Ludwig Phiii-Pso» m Magdeburg. lNo. 32. 1860.1 «o» fcirt<r Zeittchntl (iMtial »»chraUia <iM Amur. 9ttM tH 3afrr» g*M« 1 ZW». «Hrrtrtjitrift 7*4 9t|r. Uk 0vM*a»Isa«<a. U»A1»ter im «b««» 8c*tBasftta «*. [7. Jahrg. 3. Quartil.] Das Gleichuiß vom Weinberge. Jesaia« 5. (Schlot a»» Se. 31.) Wir haben di< jetzt da« Gleichniß de« Propheten auf die ganze Menschheit, al< di« Pflanzung Gotte«, ange, wendet, aber sehen wir letzt auf den einzelnen Menschen hin. Dem großen Barer droben ist jeder einzelne Sohn so rheuer, wie Alle; feine Liebe umfaßt den Theil wie da- Ganze. Es giebt der Menschen wenige, welch« den Bemühungen entsprechen, die um sie gehabt worden vom ersten Athens» zug« an, die dem Maße der Kräfte und Mittel, das ihnen gegeben, in ihren Erfolgen gleich kommen. Selbst wenn wir sie nur unter dem Gesichl-punkt« der menschlichen Schwäche und Unvollkommenheit betrachten, müssen wir die« von der großen Uederzahl eingestehen. O, es ist kein Mensch so niedrigm Stande«, daß nicht Hoffnungen in ihn gesetzt wurden, die er nicht erfüllt. Da« Mutterherz wußte «enlgstens de« Sohne« Zukunft als Stütze und Stab sich auszumalen, und -sieht zuletzt die Färb« de« Bilde« verbleichen. E« findet keine Erziehung statt, die nicht in ihrem Endresultat vergebliche Anstrengungen und vereitelte Pläne bärge. Allerdings spricht die Weltgeschichte von Men» j schen, die sich durch Mühsal« der Jugend zur Höhe herauf» | arbeiteten, und weit über die Grenzen ging«, die ihnen < ihre Geburt adsteckte, aber deren Zahl ist klein und nicht! zu vergleichen mit der Menge derer, die au« der Fülle her» j ausgeströmt zuletzt im Sande sich verliefen. Und stellen: wir uns erst auf einen höhe« Standpunkt, und sehen, baß! jene wenigen großen Männer mit einer Urkräftigkeit de« Geiste« | doch begabt waren, welche alle Schwierigkeiten der Geburt, und Mittel ausgllch, und daß gerade die Hindernisse die j Schleifsteine ihrer Geisteskraft waren, föt die sie Gott noch! zu danken hatten, so erscheint uns das menschliche Er»! reichen mir dem Vermögen, das Thun mit dem j Können immer ungleicher.! Es giebt aber wohl kein bittereres Gefühl, als das des! getäuschten Vater» und Mutterherzens. Je länger dleses sich sträubt, das Kind aufzugeben, je länger und wiederholter e« sucht, für den verlorenen Sohn, für die verirtte Tochter Entschuldigungen zu finden, zu finden, was ihre Schuld mindert, desto tiefer schneidet endlich das Bewußtsein eia: sie sind verloren! Wie brennen dann die Thränen, wie ergrauen die Haare, wie verödet da« Herz! Wenn die Eltern sich eingestehen müssen: sie ttugen Heerllage! Da durchlaufen sie noch «inmal die ganz« Zeit ihrer Erziehung, all' die Sorgfalt, die sie an ihnen geübt, all' die Mittel, mir denen sie sie ausgerüstet, all' die Opfer, die sie für sie freudig gebracht, sie ftagen sich: was war zu thu» an meinem Weinberg, das ich nicht chat an ihm? Herr, der Du die« Pfand in unsre Arme legtest, tragen wir die Schuld? haben wir geschlafen, wenn wir wachen soll«»? sind wir deß müde geworben? tharen wir nicht, was wir vermochten? Und wenn nun die Stimm« de« Gewiss«« und der Prüfting den Elrem znruft: ihr habet eure Schul» digteir gechan — wie schrecklich ist daun die Empfindung, e« war Alle« vergebens, uns ist gräßlich z«lehnet »erd«! Ja. wenn sich dann die Lippe de« Bakers öffnen muß zur Verwünschung: wär' doch der Lag nie erschienen, an de» es hieß, ein Knabe ist dir geboren, wmn der Mund, der Mutter ihre» eigenen Schoß verwünsch« muß, daß er diese Tochter getragen — wenn sie sich lag« müss«: « wäre unser Kind damals gestorbm, als es in d« Tag« der Unschuld zum Tode siech lag, und nur die um ermüdete Pflege es am Leb« erhielt! — — Mag es immerhin nicht zu häufig sein, daß das Sündenmaß eines Kindes so groß ist, um das Elremheq bis d a h t n zu bring«; aber groß ist. dalehrt leider! die Erfahrung, di« Zahl derer, welche den Eltern viele Gorgen und Aengste schaff«, viele Hoffnungen vereiteln, oft im Aug«blicke, wo sie diese gekrönt zu sehen glaubt«. Man kann es auch nicht läugn«, daß namentlich in unsrer Zeit dies häufiger geschieht. Di« Erziehung hat sehr viel von der früher gewöhnlich« Strenge verlor«, der Jug«d wird zu früh das Gefühl der Selbstständigkeit eiageflößt, zu früh wird ihr bas Thor zu all« Vergnügungen geöffnet, die Verführung ist ihr zugängUcher, die Sucht nach Zerstreuung hat sich durch all« Stände gedrängt, die Stttenlosigteir ist größer worb«, di« Ansicht« von Scham und Zucht loftr — die Jugend fällt um so leichter. W«n es dann so weit getvmm« ist, daß die Eltern ihre Hände abzteh« müssen von d« gefallen« Kinde«, daß sie, im Bewußtsein dessen, was sie der 2ug«d und Gerechtigkeit überhaupt, was sie ihren übrige» Kinde« im Besoade« schuldig sioid, ihre Hülfe für die Folgezeit versag« muff«; ja, »erd« sie nicht, empört über d« erfahren« Undank, über die erlittene Schmach, ausruf« wie d»r Prophet: Degschafs' ich seinen Zanu^ daß abgeweidet. Reiß' nieder seine Man'r, daß er zerrrelev Werve, Ja, ich veröd' ihn ganz — O, sei ruhig, die Elrem werd« das nimmer thun, es ist

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