Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 31 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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123 Schalen bis zu jenen kaum bemerkbaren Anfängen herum rergebracht hat. Sei dem wie ihm wolle, der Bernhard!- neckrebs lebt nicht lange außerhalb einer gestohlenen Muschel. Zwischen zweien, die ich aus ihrem Gehäuse nahm, erlebte ich eine sehr lächerlich« Scene. Ich nahm sie möglichst von gleicher Größe und steckte sie dann nackt, wie ihre Mutter sie geboren, in ein GlaSgefäß mir Seewaffer. Sie schienen sich nicht behaglich zu fühlen und vermieden einander sorgfältig. Dann legte ich eine leere Muschel, der ich zuvor die Spitze abgebrochen, zwischen sie, und sofort ging der Streit los. Einer ging munter auf die Muschel zu, steckte erst prüfend seine Scheere hinein und nachdem er sich so vorsichtig überzeugt harte, daß alles in Ordnung sei, schlüpfte er mit seinem Schwanz in lächerlicher Hast hinein, klammerte sich mit den Haün an und suchte lustig das Weite. Er sollte nicht lange im ungestörten Besitz bleiben. Sein Nebenbuhler nahte sich ihm mir entschieden unredlichen Absichten und beide wandert,n nun in dem Gefäße herum und warfen sich gegenseitig Blicke der ausgemachtesten Bosheit zu. Keine Worte können unser lautes Gelächter schildern über diesen lächerlichen Kampf, — der eine Kämpfer besorgt um seinen ungedeckten Rücken, und der andere wundervoll ungeschickt in seiner geborgten Rüstung. Der schwärzere, größere und stärkere von beiden war im Rachtheil, weil er kein Gehäuse hatte, und scheute sich, offenbar, Brust an Brust zu kämpfen; endlich'nach vielen Bedenken, Anläufen und Rückzügen, fiel er dem Gegner in den Rücken, packte die Muschel mit einem mächtigen Griff, riß mit seiner starken Kralle den anderen heraus, warf ihn.elend bei Seile und steckte seinen Schwanz in die Muschel. Der andere sah einen Augenblick kläglich drein, aber bald stürzte er wieder kampfesmuthig auf den Feind, und nun begann das Krebsduell. Der stärkere saß zu fest, er konnte nicht vertrieben werden; ich stitß ihn an seinen empfindlichen Schwanz, der durch die Oeffnung hinten in der Muschel exponirl war; da endlich räumte er den. Platz und ließ den kleineren wieder im Besitz. Aber nicht flu lange. Wieder packle der große den kleinen in derselben Ärr wie vorher und warf ihn hinaus. Nun legte ich eine kleinere aber ganz unverletzte Muschel in das Gefäß; sofort verließ der große fein Haus mir dem zerfallenen Dach und nistete sich in der bescheidenen. Hütte ein, so daß der kleine sich nun in der größeren Behausung einnisten konnte. Damit war der Spaß indeß noch nicht zu Ende. Ich brachte einen dritten Bernbacdinerkrebs in das Gefäß; er war viel kleiner, als die beiden anderen, aber seine Muschel war geräumiger, als die Behausung, worin der große sich niedergelassen hatte. Die gewissenlose Bestie erkannte das rasch; denn sofort fing sie an, den Fremdling zu belästigen, der sich übrigens seinerseits, da seine Muschel groß genug war, den ganzen Leid einzulassen, in diese zurückzog. Es war drollig, zu sehen, wie der große die Muschel packte und vergeblich darauf wartete, daß der Fremdling seinen Leid so weit vorschieben sollte, um ihn tüchtig packen und herausstehen zu können, aber dieser war klug genug, das zu lassen. Zndeß muß er es zuletzt doch müde geworden sein; obgleich ich es selbst nicht mit ansah, fand ich eine Stunde nachher, als ich einmal wieder hinblickte, den großen behaglich im Hause des Fremdlings. Ich ließ sie von neuem wechseln, aber wieder setzte der Usurpator seinen Willen durch. Am dritten Tage finde lch in meinem Tagebuche bemerkt: „die Krebse haben fortwährend mit einander gekämpft und ihre Wohnung gewechselt; der große ist de: .Schrecken der beiden anderen, und der zweite ist durch die steten Niederlagen so kleinmüthig geworden,, daß er ganz verblüfft wird, wenn auch nur eine leere Muschel ihr, nahe kommt, und obgleich er selbst ohne Behausung ist, wobei eS ihm an den Extremitäten sehr kalt und unbe^ «glich sein mag, , fürchtet er sich doch, eine leere Muschel, u betreten; die schrecklichen Ereignisse der letzten beiden Tage sind zu viel gewesen str seine Nerven; man muß »einahe zweifeln, ob er völlig bei Sinnen ist, er scheine w rklich in doppeltem Sinne ganz aus dem Häuschen." Ich ging noch «eitet in meinen Versuchen. Ich warf ein ansehnliches Wellhorn ^kuociinun undalum) in das Gefäß und dachte, jener groß würde die Molluske-verschlingen, um sich ihre Schäle auzüeignen, denn das zuletzt gestohlene Gehäuse war zwar besser als diefrüheren, paßte ihm aber keineswegs. Bell in seimr Geschichte der britischen Crustaceen spricht di« Dermuthang aus, der Bernhardinerkrebs fresse oft die Molluske, i, deren Muschel man ihn finde, und obgleich er gesteht, d< ß er die Thatsache selbst niemals gesehen habe, sind doch nachfolgende Schriftsteller dieser Bermuthung beigetrelen. Mcjye Beobachtungen stehen derselben schnurstracks gegenü »er. Der Große packte sofort die Muschel und steckte forstend seine Kralle hinein^ als er der Molluske auf den L ib kam,i zog sie sich zurück und ließ einen leeren Platz, in den nun der Krebs seinen Schwan; steckte. Zn wenig Minutn aber hatte die Molluske diesen Belagerungszustand m ihr:m eigenen Haufe satt, dräügte allmählig vorwärts und d. mit den großen sanft vor sich her. Vergebens klammerte sich der Eindcingende, da er sich rutschen fühlte, grimmig an idie Schale; langsamen aber unwiderstehlichen Druckes watf ihn die Molluske weg. Dies wiederholte sich mehrmals, bis endlich der Große an der Sache verzweifelte und sich mir feinem früheren Gehäuse begnügte. So, statt die Molluske zu fressen — was im Vorbeigehen gesagt,, der Krebs selbst in der Gefangenschaft bei spärlicher Nahrung nie thut — vermochte er nicht einmal sie aus ihrer Schale zu vertreiben, und die,Vermuthung rforscherS muß aus allen HandunsereS vortrefflichen Natt büchern entfernt Werden (Aus Lewes Fürst mnb Beamte». Lobst Du den Fürst n Nur Glück und Wqh 'Auch den Beamten Daß sie daS Reich Doch stimmst entzür kt Daß Er die Welt s Dann gilt Dein g a. Denn Ihm — ste» Naturstudien am Seestrande.) so m feinem Reich .lstand sich entfalten, zilt Drin Lob zugleich, so gut verwalten! in Gottes Lob Du ein, glorreich leite, > nzes Lob nur Äott allein, <’t Keiner mehr zur Seite! '7» ro o-no