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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 29 (1860) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
29 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 O, und es ist doch so wahr: Gott ist rmstr Freund, unser Kktlich treuster Freund, und Gott sollte der Liebling, sollte die ganze Lied« unsres Herzens fein! Der uns seine Herrlichsten Gaden giebt, bevor wir sie noch verdienen tonnen durch ein Wert, danken können für sie dürch einen Gedanken, und der un« noch so viele herrliche Gaben giebt, wenn wir uns ihrer auch unwürdig gemacht,-und an Dank nicht denken im Gewühl« unsres eitlen Treibens. . . . Dieser „Liebling, Freund hätte einen Weinberg." Warum vergleicht der'Prophet den Menschen mit einem Weinberge i Eden nicht mir dem bloßen Ackerfeld, weil der Mensch mehr soll als das Mehl des Brotes, oder nicht, mit dem Fruchtdaum, weil der Mensch mehr soll, als die Erquickung des Obstes schaffen: der starke, edle Geist, der im Saft der Rede wohnt, der belebende, erregende unb> erquickende, der macht alleinden Weinberg würdig, de- Menschen Gleichniß zu sein. Und so schaffet auch der Weinberg viel mehr Mühe, er heischt viel mehr Bedingungen des WohlgedeiKen-, als das Ackerfeld, der Fruchtbaum. Darrm heißt eS weiter: „an einer fetten Höhe." Fruchtbaren Boden und sonnige Höhe: diese bedarf der Weinberg. Und i so hat der Herr den Menschen bereiter. Einen fruchtbaren Boden har er ihm gegeben, einen Geist voller Anlagen, voller Keime, voller Befähigung; und den Blick hat er ihm gewendet nach oben, die Sehnsucht nach Licht, nach Erkennrniß, nach Ueberzeugung har er in ihm aufgerichtet. Sv war der Mensch angelegt. Nun aber begann erst die Mühewaltung, die Sorgfalt, die Pfleg?, die Führung. Er mnzaunt ihn,! Er entsteinigt' ihn, ' Er bepflanzt.' ihn mit Ebelrebe, Einen Tburm baut' er in «eine Mint, Luck eine Leiter hieb er hinein — v Ist es wahr, daß der Herr all' dies seinem Weinberge, seinem Menschen gethan? Lasser uns Nachsehen, was der Prophet meiner. Einen Zaun hat Gijtt um den Menschen gezogen? Allerdings. Ec hat dem Menschen gewisse Grenzen gesetzet, wodurch er abgegrenzt worden. Die Anlagen, die Kraft der Entwickelung, die in dem Menschen liegen, sie sollten nicht hinaus in bas Blaue, in die Ferne, in das Ungewisse reichen, daß sie zu großen, vielgestaltigen, aber leeren Früchten würden, sondern nach bestimmten Maßen, innerhalb gewisser Grenzen sollten diese Antage« und Kräfte hervorsprießen, wachsen, zu regelmäßigen Gestalten, zu inhaltsreichen Schöpfungen werden. Ja, die Grenzen des Menschen sollten enge sein, aber desto größer die inn.ere Fülle, di« darin.sich entfalten konnte; überall stößt der Mensch an jene, er hat seinen Raum bald ducchmessen, aber wie viel kann er in ihm hervordcinqen und leisten? Denn wo sollt« es denn hin, wenn der Mensch mit der ihm gewordenen Kraft über alles Maß hinaus grifft! Er würde ein Schmetterling, der überall kostete, aber keine Biene, die sammelt und baut und producitt. Und die Grenze, dieser Aaun halt die dunkele« Dämonen ad, in das Gebiet des Menschen sich zu drängen und seinen Boden zu zerwühlen und zu zertrete«, die schwarzen Geister 'btt Uamäßigkeir, Aes Zenvürftusses, der Planlosigkeit, der Zwecklosigkeit. Diese dürfen das Heiligthum, das der Mensth -sich erbaut, nicht berühren, nicht stören, nicht verwüste«. — — O, wohl dem Menschen, der also seine Umzäunung gefunden im Leben, seine sicher«, bestimmte Begrenzung, in der er wirket und schaffet, die er beherrscht mit feiner Kraft, darin er Meister und mit Bewußtsein und Weisheit thätig ist. Wehe dem, den Ehrgeiz, Selbstverkennung und BerhLlmisse geworfen, getrieben haben in Kreise, die er nicht durchschreiten kann, in maßlose, in denen er sich und Anderen nichts zu genügen vermag, darin er zu keinem Resultate jemal» gelangt. Entlausung, Beschämung warten seiner, Selbstanklage, ein verlorenes Leben, Leere und Vernichtung.... ,,E« ist dafür gesorgt, baß die Bäume nicht in den Himmel wachsen" — ist ein alter Spruch: denn was sollten sie auch, die Baume, im Himmel? Hier unten ist ihre Wurzel, gegen den nieder« Boden nur sind sie hoch und schlank, und ihre Krone so majestätisch. Wohl erzählt die Sage von großen, gnvalrige« Measchengeistern, denen die Grenzen, die Zäune, die Gott der Menschenkraft gesetzt, nicht genügten, die mit Macht ^yinüberwollten in das verdeckte, überirdische Reich, die die Tiefen der Schöpfung durchschauen und die der Menschenhand entzogenen Gewalten beherrschen wollten: ihr Ziel war Untergang, sie haben nur Verwirrung gebracht unter die Menschen, Irrlehren, die «uszurotten vieler Tüchtigen Anstrengung norhwendig machte: Wohlrharen haben sie niemals der Menschheit hinterlaffen. Ader auch im gewöhnlichen Leben, selbst im bürgerlichen Geschäft und Gewerbe sehen wir untergehen, die über ihr« Kräfte hinausgreifen, und, ohne diese adzumessen, nach Dingen trachten, die ihnen zu fern liegen. Wer aber seine Kraft wirft auf einen Gegenstand, den er ganz durchdrungen hat, seine Mühen und Anstrengungen allein auf diesen sammelt: dem kann eS nicht mißlingen, er m u ß zum Ziele kommen. Das laflet-unS festhalten, Jünglinge und Männer. Wer zuviel unternimmt, vollendet Nichts. Wer zu viel will, erhält Nichts. Lieder Bescheidenes, aber ganz. Das volle Maß unsrer Kräfte angeflcengt, aber nicht mehr, alS wir wirüich besitzen. Mancher hat weitere Grenzen, aber Grenzen hat Jedweder. Ja, Er umzäunte ihn — und zu seinem Segen! <ftctric«an3 iolgt. i Gabriel Quevedo. . l Nach der Venlv israelito.) In der israelitischen Gemeinde zu B.. ^Nbte vor einigen Jahren ein Mann, dessen Frömmigkeit Gegenstand der Verehrung seitens seiner Glaubensgenossen war. Obgleich Joseph Quevedo niemals priesterliche Functionen ausgeüdt, so war doch seine Anhänglichkeit an den Glauben seiner Vorfahren, sein« Beharrlichkeit bei den religiösen Zeremonien, feine Mildthätigkeit, sein festes und gerade- Unheil so wohl bekannt und gewürdigt, daß er Allen die größte Achtung einflößtt und die ganz« Gemeinde niemals verfehlte sich jedesmal ehrerbittig zu erheben, wenn Joseph Quevedo zur Thora aufgerufen ward. Als ich ihn kenne« gelernt, war er schon im vorgerückttn Alter, und seine größte Freud« bestand daNn, die Stellung der heutigen Israeliten mit der der Israelin« von ehemals zu vergleichen und daraus die Hoffnung einer vollständigen allgemeinen und nahen Emancipation zu ziehen-

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