Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 29 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvtatt. 3“' JJefeljrung unö llnterQnftuiig ' ' ZeKiete. HerauSgegebev von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. r (vt r»A 4 ,),» a i y<cn tirfcr Zkttschrin crfAriat wöchentlich eine Rummel. Preis des 2»I>r- 1 >l£n. lobU. I gan-» i Stil. Wmtljäbria 7 Rgr. »Ut «uchhanrlun»», Postämter L J unk Zeinrngserrediltonen nehmen Vcstellungrn a». [7. Jahrg, 3. Quartal] 1 Das Gleichniß vom Weinberge. Jesaias 5. 1. Laß mich singen von meinem iLiebhivg, Sang meine» Freundes von feinem. Weinberg: . Ein Weinberg ha.:? mein Liebling An einer fetten Höh?. 2. Er umzäuur' ihn, Er enksteinigt' ihn, Ex bepflanz!' ihn mit Edelrebe, Einen Thurm baut' er in feine Mitte, Auch eine jkelrer hieb er hinein — Da harrt' er, daß er Trauben trüge: . Doch trug er Heerlinge! — So richtet zwischen min und meinem Weinberg! 4. Was war' zu thun an/meinem Weinberg, > Da» ich nicht that an^ihm? Warum harrt' ick. daß er Trauben niüge: Doch trug.er Heerlinge? — 5». So will ich Euch;u wisien thun Da» wa» ich ldue meinem Weinberg: Wegschaff' ich feinen Zaun, daß abgeweidel, Reiß' nieder feine Mau'r. daß er zertreten werte! <>. Za, ich vervd' ihn ganz — Richt beschnitten, nicht behackt, Steig' er herauf in Dorn und Distel, Und den Wollen will ich verbieten Ihn mit Regen zu befeuchten!-*) **) Eine harre Rede schließet diese» herrliche Gleichniß. Sie | klingt nicht wohl in unsere Ohren, sie schneidet ein in unser, Gemüth, sie macht un- Herzklopfen. Warum? warum vergessen wir den süßen Anfang, warum die meisterhafte > Durchfithrung, die vollendete Form — und nur die schwere , Drohung stehet wie ein schwarze» Gewölk an unsrem Him-, melk O, e» fragt sich da ein Jeder: Gehörst Du auch zu den Weinbergen, die Heerlinge tragm statt Trauben t \ E» taucht in Jedem von un» die Frage auf: Bist Du, auch ein vielgepflegter, vieldeschickter Weinberg, und die Erwartung ist unerfüllt, die Hoffnung betrogen worden — *) Heerlinge sind kleine, saure, unbrauchbare Trauben. **) Im Texte der heiligen Schrift wird das Gleichniß durch Andeutung in B. 3. und durch klare Ausleguug in B 7. auf Israel angewend«. Da wir hier aber das herrlich« Gleichniß allgemeiner ausdeuten wollten, so haben wir mir L. 6. geschlossen. Redaction saure, mißliebige Früchte siiid hervvrgegangen, und de» sorgsamen Garrner» Mühen i^aren vergeblich? — —. Aber indem diese gewichtig«, inhaltsschwere.Frage uns in die Seele dringt, habe« wir un» die Lös»ng schon vorweg genommen. Ader der Prophet thut da» selbst schon am Schlüsse. In einem unübertrefflich schönen Uebergaage am Ende, verrath er un», w!er der Liebling, der Freund ist, dessen Lied er singt, wer Idee treue Bearbeiter de» Weinberge», der nun so schmerzlich seiner Pflege Täuschung empfindet — e» ist Der, I' , Der den Wolken verbietet, Mit Regen zu »efeuchtrn. Und wer ist nun der Weinberg, der wohlbesargte, aber trügerische Weinberg, di« Pflanzung Gott»»? Wer ander», al» der Mensch, der hohe, erhabene, und wiederum oft so so schmerzlich entgegen? w hervor? E» ist die Unzuf Geschöpf; r» ist die Hoff« heiter»; <» ist da» zerrissen Sohn — ja, e» wäre der wenn e» eben nicht mehr wäre, al» daß e< ganz un Darum durchdenken w Welche sanfte Accorde vo t kleines gesunkene Erbensohns?! Und ßderliest Du nun, mir diesem Schlüssel in -der Hand, da» Stück, da» wir Dir heute vorgeiegt haben, n> ch einmal — welch' eine riefe, ja schaurige Bedeutung gewinnt es! wa» weht Dir barau» ich« riesig« Klage schrillet daraus ledenheit de» Schöpfer» mit dem ungslosigkeit de» betrogenen Are Dareeherz über den verlorene» Riß zwischen Himmel und Erde, der Wamung wegen hingestelit d gar die.Wirklichkeit iff. ir e» vollständig, schlägt der Dichter — denn da» ist ja der Prophet in einrjm Gleichniß— an, da er beginnt: meinem Liebling, des von feinem Weinberg: e mein Liebling Laß mich, singen Sang meines Freu! Einen Weinberg An einer fetten Ho e Er will un» gewinnen, «r will unser Herz öffne» für den Gegenstand, für den Urh« »er seine» Sange». Der ist fein Liebling, sein Freund: auch wir lieben ihn bereit» selbst, wir halten ihn taffe« auch für «»fern Freund, bevor «ir weiter hören. Er ist so voller Wohllaut, dieser Anfang, voller Innigkeit, Zärtlichkeit: wir erwarte» eine süße Idylle,, ein schmelzende» Lied der iFreundschaft — —. daß auch wir hernach getäuscht, daß w!ir wie »o» Blitze getroffen find, da es so ganz ander» kömmt. End wissen wir nun erst, daß dieser Liebling, diese? Freund — Gott ist: wer yermulher da da» vernichtende Ende, da» nachfolgt? — 92189^