Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 28 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
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111 *T Schafft, daß nicht mehr durch sie sein Streben wird gehemmt. Bekehret Jeden, der sich gegen Fortschritt stemmt! Sorgt, daß dem Lehrer sie, dem jüngern wie dem greisen. In Zukunft mehr vertrau'n und Achtung ihm beweisen. Und macht empfänglicher der Jugend leichten Sinn; Sie gebe willig sich ganz seiner Leitung hin. Verhelfet ihm dann auch zu immer großer'm Lohne, Und reicht mit eigüer Hand ihm des Verdienstes Krone! I Einiges aus der Geschichte der Juden in > Polen. Soeben erschien von Herrn Herrmann Sternderg in Wien der erste Theil von „Versuch einer Geschichte der Juden in Polen" (Wien 1860). Wir entnehmen demselben Folgendes. Ueder die Gelangung der PLasten auf den polnischen Thron (860) berichtet der Verfasser folgende im Mundes, des Volkes lebende Sage, die von den Chronisten verschieb deutlich entstellt worden. Mit dem Tode des Königs Popiel — welcher, durch Schaaren von Mäusen, die ihn biS in feine am Goplo» See befindliche Burg verfolgten, umkam — wurde der Thron Polens erledigt. j Auf der Versammlung zu KruSzwica tonnten die Wahl- ( Herren über die Wahl eines neuen Herrschers nicht einig werden, und auf den Antrag beS Aeltesten unter ihnen. wurde defchloffen, denjenigen, welcher am nächsten Morgen; mit Tagesanbrüche zuerst in die Stadt kommen wird, als König zu begrüßen. Vier Wachen wurden a^t den Ecken der zur Stadt führenden Brücke aufgestellr, um zu berichten, wer zuerst in die Stadt kommen wird.! ~ Da ereignete sich, baß der Jude Abraham, welcher Pulver nach der Stadt einführte, und daher der Pulvermeister (Prochownik) benannt war, mit Tagesanbrüche der Stadt! zueilte. Mit Jubel begrüßten ihn die Wachen, und begleiteten ihn nach der Stabt, wo er zum Könige auSgerufen wurde. Doch Abraham schlug die ihm angebotene Krone auS. Als er aber sah, daß die Wahlherren bei ihrem Beschlüsse beharrten, erbat er sich einen Tag als Bedenkzeit, um im Gebete Gott zu Rathe ziehen zu können. Er verbot aber streng, ihn in seiner Andacht zu stören. Zwei Tage und zwei Nächte waren bereits verflossen, und Abraham erschien nicht. AlS er auch am Morgen des dritten TageS ni.cht erschienen war, und die Ungeduld der harrenden Menge laut zu werden anfing, erhob der Landmann Piast seine Stimme und sprach: Brüder! so darf eS nicht bleiben; das Land kann ohne Haupt nicht fein, und da Abraham nicht herauskommt, so will ich ihn herausführen. Und die Axr schwingend, stürzte er auf daS Haus, in welchem Abraham verschlossen war. Polen, sprach Abraham hecauStretend, sehet ihr den, Landmann Piast i ihn wählet zu euerem König. Er besitzt j Verstand, denn er sah ein, daß ein Land lange ohne König nicht bleiben kann; und muthig ist Piast, denn um daS, Vaterland zu retten, widersetzte' er sich meinem Gebote. Diesem setzet die Krone auf,' i nd ihr werdet Gott unb^dem Pulvermeister Abrahamdafür danken. So weit die Boltsfage. Die numismatischen Dentvaler, die in neuerer Zeit — zum Theile durch zufällige Ausgrabungen — zum V»rscheine gekommen sind, und dirm Echtheit und,zweifelt ist, vermögen dieser Ueberlieferun^ auch eine historische Kraft zu verleihen. ES sind vorzugsweise polnische Münzen mit hebräischen Umschriften. Die Prägung flllt in den Zeitraum der Regierung MieezySlawS IN., wihrend welcher die Juden die Münze gepachtet hatten. Die von den Numismatik folgmde: In einem geperlten Krei Hände empochebenb; in der l m gekannten Bractearen sind « ein si-«nder Fürst, beide nken Hand hält er ein sichel» ähnliches Instrument. Hebräische Umschrift: 0211 BttiaN (Abram Dux). Abraham deriFürst. In einem geperlten Kreis« ein sitzender Fürst mir dem Scepter in der Rechten. Hebräische Umschrift: 0N*,3«i nai (Sacriticitim et Abram). DaS Opfer und Abraham. Zwischen zwei Perlenstreifen ein Brustbild, in der rechten Hand eine Fahne haltend^ Oder- und unterhalb deS Brustbildes hebräische Umschriften. Die Obere lautet: «vp (pnmus), die untere nnv (piivoepr), der erst« Fürst. Dv Uebersiedlung deutscher Juden nach Polen reicht bis in'S letzte Derennium d«S v. Jahrhundertn. Ehr» / Der Krieg, welcher damatt zwischen den Christen Germanien- und den Bekenner» >Wodan's währte, hatte Verfolgungen der Juden zur Fotze. Don beiden Parteien al-, Erzfeind« angesehen, waren sie ihres Lebennicht mehr sicher. Sie mußten sich nach neuen Wohnsitzen umfehtsi, und «andren ihre Blicke nach Polen, welcheden verfolgten Christen — obwohl dessen Bewohner noch Heiden waren!— zur Zufluchtftätte diente*). Sie sandten daher eine Deputation an LeSzek, Herzog von Polen — den zweiten Herzog aus dem piastp'schen Stamme um bei demselben «ine Zufluchtsstätte für eine Anzahl in Deutschland hart bedrängter Juden zu suchen. Die Gesandtschaft bestand aus dem Rabbi Chi-kija Sefardi, Rabbi Atiba Est^emaduci, dem Mathematiker Rabbi Immanuel AKaloni. dem Rhetoriker Rabbi Levi Baecari und endlich dem Rabbi Natanel Barcelloni, die 893 n. Chr. in Gnesen, bet damalige» Residenz der polnischen Regenten, eintraf. *) A4 oakonlec zumi» polska poczela sie sta-wac przytulkiem przesladowauych'Chrzc eian. L"e 1 e we 1 Oswieceme i nauki. Die polnische Ration beiaß^Eigenschafren. die dem Drucke der Geistlichkeit und der Jnrole anz,ganz entgegen find: Hang zur Freiheit und HoSpi alitat. Als die Polen noch Heiden waren, hatten die Christ n freien Zutritt sogar beim Hofe, und Riemand verfolgte sie. Nachdem sie Christen geworden waren, behielten Ke diesen liberalen Charakterbei, und selbst die Geistlichkeit zeichnete sich dadurS auS- Daher flohen auch nachher alle wegen der Religion Verfolgten nach Polen- Schon im 12- Jahrhunden kamen viele Anha> ger des Peter Waldu» au« Böhmen nach Polen, ohne daß mai sie hier bedrückte. Eben so fand die Lehre WiklesS und Huß' sihx, viele Freunde in Polen. S. Polen- Untergang. Cola 1808.