Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 28 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
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112 Dem Könige vorgeführt, hielt Rabhi Levi eine kurze lateinische Rede, in welcher er daS Elendiseiner Glaudensgenoffen in Germanien schilderte, und pm Erlösung aus diesem Elende 'durch eine huldreiche Auft»abme im polnischen Lande flehentlich bat.! Ermuthigt durch den Eindruck, den cheser Bortrag auf Leszek machte, setzten die Fremden ihr Gesuch vollständiger auseinander und baren: 1. um Erlaubniß der Niederlassung im Polenreiche stberhaupr. 2. Den Einwandemden geräumige Ländereien anzuweisen, die sie debaum und urbar mach« könnten. 3. Ihnen zu gestatten, Künste uod Handwerke nach Verlangen auSzuüden. Nachdem Leszek die Abgeordneten übfr das Wesen und die Gesetze der jüdischen Religion befragt! hatte, entließ er sie mit dem Bescheide, er werde noch üb« diese Angelegenheit mit feinen Priestern im Tempel seinem Götter zu Rathe gehen, und ihnen dann seinen bestimmten Entschluß mittheilen. Drei Tage darauf wurde die Depu ation wieder zum König gerufen, der ihr nun eröffne», daß er mit Vergnügen dje Juden in fein Reich aufnehmen werde; w'aS jedoch den Punkt der Eolonifanon betrifft, so könne er auS gewissen Gründen ihnen keine abgesonderte Ländereien einräumen. Es sei den Juden aber gestartet überall, wo sie sich niederlassen wollen, den Acker zu tzedauen, Viehzucht zu treiben, oder ihre Künste und Gewerbe auszuühen. Ein Jahr darauf, also £94, zog eine große Schaar Israeliten aus Deutschland in Polen eia. Um das Jahr 905 wurde den Juden ein Privilegium ertheilt, worin ihnen 1. freie Ansiedlung. 2. -freie EulruSüdung, 3. eine eigene Gerichtsbarkeit,; . Xch. urchcschrankter Genuß des Verkehres und der GewerbSZw^ige,'^'' 5. btt^Ünabhängigkeit von den Magnaten, 6. ein kräftiger Schutz gegen feindliche Anfälle eingeraumr wurde. * Diese Urkunde ist zur Zeit des Krieges der Polen mir dem fränkischen Kaiser im Jahre 1049 verloren gegangen. polnischen Juden übliche Tracht ausartete. (So späten Ursprungs ist erst die heutige polnische Tracht der Juden, welche diese dennoch als einen Theil de» Judenthums, d. h. der „Jüdischkat" betrachten.) Die Juden verbreiteten sich um 1000 über das ganze Land, pflegten den Handel, beschäftigten sich mir dem Ackerbau und betrieben Handwerke, als die eigentlichen Urheber des Handels in Polen betrachtet werden *). ikie können daher ind der Handwerke Im Anfang des vierzehnten Jahrh Juden in Polen bi, Landestracht an, Edelleute, und trugen gleich diesen Kelten. ' Spätere Regenten verboten düng zu ändern, wodurch selbige in die tl- Bi letz e *) Jekel, Hantctsgeschich» Polens. Verlag von Bau« gärt PNderl nahmen die ideten sich wie die del und goldene re» und die Kleiivch heu» bei den Ein jüdischer Soldat. Aus Württemberg im Mai 1860. Erst dieser Tage kam mir ein Büchlein unter die Hände „der deutsch« Soldat," wahre und schöne Geschichten von ruhmwürdigen Tharen deutscher Krieger von Fr. Bernhard, aus welchem ich das Kapitel 42 heraushebe, überschrieben „Ein Soldat deckt seinen Officier und die Ehre seines Corps." Am Abend des 31 Mai 1849 war in dem am Fuße der Wilhelmsdurg in Ulm liegenden Biergarlen eine Versammlung, in der viele Mitglieder durch Rohheit und Wüstthun sich auszeichneten. Eben wurde eine Rede gehalten, die end- und maßloser Beschimpfungen des Adels, der Beamten und der Officiere voll war, als zwei Ofsiciere vorübergingen und außerhalb des Gartens einige Augen- > blicke stille standen, um zuzuhören. Bei dem Anhören der Schimpfworte außer» einer gegen den andern sein Miß- ' fallen halblaut, doch so, daß es von einem Nahestehenden gehört wurde. Da brach plötzlich ein ungeheurer Sturm [ mit Wurhgeschrei, Steinwürfen und Waffen über die Beiden los. Eben als Oberlieutenank v. Baldinger, der sogar mir Stoßdegen lebensgefährlich angefallen worden war, sich in großem Gedränge befand, stürzte ein wackrrv Soldat herbei, umfaß» ihn und rief, er werde nie zugeben, daß feinem Officier was Leides geschehe. Er hielt fern Wort, bis eine Patrouille unter der Führung des Obermann Spohr ihn aus den Händen feiner Bedränger befreite. Der brave Soldat, der seinen Ofncrer mit seinem Leide deckte und schützte, ist Soldat Weil im zweiten würl- »mbergischen Infanterieregiment, undist seine Aufopferung um so mehr anzufchlagen in einer Zeit, wo man Kopf und Herz des Soldaten nicht nur durch Bestechung in Gestalt von unentgeltlichem Saufen und Fressen, sondern auch durch lügenhaftes Borhalten der edelsten Triebfedern der deutschen Ehre und Freiheit zu vergiften dichtet und trachtet." Der Soldat, der auf solche ehrenhafte Weise seinen Officier und die Ehre feines Corps deck», ist der jüdische Soldat Elias Weil aus Laupheim. - -- Allgemeine Zeitung des JudeutbnmS. No. 27. 1860. Leitende Artikel: Das Extemporircn bei Predigren. — Die israelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. _ Historische Rorizen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Erlangen, Lännbeün, aus Bayern, aus Bavern, Württemberg, aus Baden. Preußen: Rakel. esterrerchi'chcr sianerstaat: Pcftb, Prag, aus Ungarn. Rußland: Poniveß. i &3T Zu besiedelt durch jedes Postamt unhjede Buchhandlung, j ^äbrlich 3 Tbaler, vierteljährlich % Tbaler. Beranttvonlicher Rekacteur: K. Nabe. er'« i» ¥ripjifl. — Druck »ca G. Kre »siag in veipzig.