Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 27 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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106) Fülle von Poesie, welche den Herrn ßkabbiner so lieb, so fchatzen-wertk, so hochgeehrt werden ließ. Nach der Ansprache la« Herr Dr. Krankl die Beglückwünschung-adresse der Wiener Zfraeliren, hierauf übergab er em Schreiben vom Freiherrn von Rothschild in Wien und einige hebräische Sonette von dem Dichter M. 2- Stern in Wien. Poetische Spenden in hebräischer Sprache brachten auch Herr Jonas Spitz, Privatlehrer der hebräischen Sprach, und Herr Krev, Inhaber eines PrivarlehnnstimteS; in deurscher Sprache Herr f»r. Moritz Rappaport in Lemberg im Namen der israelitischen Gemeinde Lemberg«. DaS Vre» dicht ist so schwungvoll, und so voll erhabener Gedanken, daß eS verdienen würde, auch einem großem Leserkreise vorgeführt zu werden. Am Vormittage! wurden dem Herrn Rabbiner noch die Beglückwünschungen von der BcerdigungSbrüberschafr mir Uederreichung eines großen, silbernen Pokals, von den Vorstehern der Synagogen Prag« und von Vorständen verschiedener frommer Vereine bargedracht. Nachdem die Mittagszeit im ttauten Familienkreise;ugebrachr wurde, erschienen Nachmittagzuerst Depukirte von den israelitischen Srudirenben an den drei Facultäten, welche dem nunmehrigen ersten Rabbiner Prpg« ihre Glückwünsche im Namen aller israelitischen FacultärShörer Prags barbrachten. Hernach erschienm der erwachsenere Theil der ifrael. Schuljugend und die ifrael. Smdirenden an den Gymnasial- und Realschulen, geehrt von den betteffenden Religi'onSlehrem von welchen Begrüßungsanreden gehalten wurden. Auch die verschiedenen Inhaber ifrael. ErzichungSinstirute erschienen Nachmittags, um ihre Glückwünsche darzudringen. Für den Abend war ein großer Kackelzug vorbereitet, doch der bescheidene GreiS, welcher jeder Ostemation feind, verdat sich denselben und eS blieb nur bei der mit dem Fackelzuge bestimmt gewesenm Serenade. Drei Gesangjlücke wurden unter den Fenstem de« Jubilargesungen, eine hebräische Canrare unb ein deutsche« Choräle, der Text zu deikm ist voN Cr. Ehrwürben Herrn Prof. KÄnpf und die Composirion von Herrn M. PereleS, Odercattor. Unter des Letztem Leitung wurdm die GesangSpiecei, und zwischen den beiden Gesangsstücken wurde Kreuzer'« „ da« ist der Tag de« Herrn" al« Quartett von Herm M. PereleS, Odrrcanror, eingerichtet, von vier Solostimmen vorg,kragen. Eine ungemein große Menschenmenge füllte den Dreibrunnenplatz und die anstoßenden Gassen währen) de« Vorträge« der Serenade, welche« ungestört vorüber ging; nach denselben wurden die vorzüglichem Mitwirkenden won den 4O Sängern, welche auS dem Chorpersonale der Te^ipelgemeinde und der Neusvnagoge und ifrael. Mitgliedem brr hiesigen GesangSvereine bestanden, in die Wohnung >e« Herm Rabbinergeladen, wo er ihnen persönlich feinet Dank abstattere. Nachträglich erfahren wir noch, b iß die Herren Arnold Bodek (ein Enkel de- Jubilar«) und; )avib Rapaport ebmfaUS poetische Spendm zu dieser Tag^eSfeier bargedracht. Möge der Jubelgreis sich noch viele Jahre derselben erinnern! Eiu Stück Glück. Len Ludwig Schragge. In den letzten Tag« de- Mai führte mich eine kleine Angelegenheit in'- Gebirge. Wie meine ganze Seele ein Hallelujah anstimmle, alich die finstern Straßen der alten Stadt, in der mein Wohnsitz, verließ, und in der ersten Morgenstund« den Weg nach dem vor mir liegenden Gebirge einschlug: wie wollt' ich »«, und wie könnt' ich'« beschreiben. Mein Herz war leicht, denn die Angelegenheit war sehr bescheidener Natur — und nun der frisch« Windeshauch, die goldnen Morgensonnenstrahlen, der glitzernde Thau auf den grünen Halmen, der blaue Himmel mit den hier und da wandelnden, weißsn Wölkchen, da« Gezwitscher der Vögelein, der Nebel um die fernen Höhen wie jubelte ich. Nach mehrstündigem Marsch, auf welchem die süßesten Empfindungen in meiner Brust auf, und nieberwogten, überstieg ich die Lorpostenterre der Hügel und bettar den schattigen Forst. Ec war mir sehr willkommen mit seiner Kühlung und seinem würzigen Dufte, denn die Sonne stand schon hoher und brannte. — Ich ging nicht die geebneten Wege, die nach den berühmten Paclieen, nach den rrlese- : nun Punkten des Gebirges führen, wohin die stüchtig Reisenden eilen, um nur — gesehen zu hadm. Auch hier liegt oft da« Schönste und Erhabenste abwärts von der breiten ■ Heerstraße, ungetanrtt, aber desto tiefer empfunden von den Erkorenen, die eS finom. Mein Weg war eia Nebenweg, wenig betreten, der tief in den innerstm Ring der Berge und in den Schoß der Waldung führte. Er war beschwerlich, ging auf und nieder, und oft zwang mich bas Gerolle, den'Schritt noch einmal zu thun. Gegen Mittag lag da- FörsterhauS vor mir, da« Ziel meiner Reise. Wie nett und behaglich eS sich darstellte mitten im Walde! Man trat heraus au« dem dunkeln Schatten, und siehe, in der Milte einer Lichtung, auf grüner Wiese, lag e« da, da« einstöckige, aber breite Wohnhaus, die Stallung, der kleine Garten. Und innen, so wie man die Flur betrat, sah man, welche Reinlichkeit, welch' ungekünstelter Geschmack, welche Ruhe und Ordnung im Hause walteten. Ich traf den Förster nicht zu Hause, wohl aber dessen Gattin, eine ehrbare, vierzigiahrig« Makrone, voll Güte und SanfuNuth, und ihr Töchrerlein. Ihr einziger Sohn studirt in der Residenz die Forstwissenschaft. Welch' ein liebevoller Empfang warb mir, dem wildfremden, zu Theil; in fünfzehn Minuten war ich wir zu Hause, und wir drei in so gemüthlicheS Gespräch gerathen, al« wäc' ich nach kurzer Entfernung al« ein alter Bekannter einmal wieder eingekehrt. Ich ging mir der Tochter im Garten spazieren, al« wir den Förster auS dem Walde ttetea sahen. Rasch ging e« ihm entgegen; mir schüttelte er die Hand, die Tochte küßte er auf die Stirn r und im schnellen Schritt kehrten wir nach dem Wohnhauft zurück. Wie begrüßten sich die Gatten nach wenigen Stunden Trennung! Das Gewehr und die Jagdtasche adwrrfea, die Gattin umarmen und an da« Herz drücken, war da« Werk eines Augenblick«. O, ich sah eine Thräne im- Auge de« Weibe« — eia König konnte ihren Mann darum beneiden. Wir nahmen da« Mahl unter dem traulichsten Birrgespräch eiu. Man hatte mir Etwa«, da« ich nach unseren Speisrgesetzen essen konnte.