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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 27 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
27 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volkslilatt. Zur Retehrung und Anterhaltung aus HerauSgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippso« in Magdeburg jüdisch em Heöl'ete. lRo. 27. 1860.] Bo« bi eier Ztilichriil -ertörint »öchenllich eise Nummer. Preis bei 2ahr» ü»ugs 1 Tb«r. Bicnelj-Hng 7 Rgr. Alle Buchtzanvluugcu. Postämter und .äeitunftiervebitiontn nehmen Bestellungen an. [7. Jahrs* 3. Quartal.] Die Jubelfeier Rapaport's in Prag. Prag, 15. Juni. In dem Buche der Bücher, in welchem die ewige Wahrheit verzeichnet ist, heißt es: „Bor einem Greise sollst Du aufstehen und sollst ehrm das Antlitz eines Alten, auf baß Du Ehrfurcht bezeugest Deinem Gotte! Unsere Weisen bemerken dazu, baß sich das Gleiche auch auf unsere Gotteslehrer bezieht. Die Gemeind« Praghatte nun Gelegenheit, in diesem Doppelsinne ihre Ehrfurcht vor Gott zu bezeugen. Der Erste deS hiesigen Raddinakscollegiums, das sonst ein Triumvirat bildete, und von denen jeder den Titel eine- Oberjuristen inne hatte, Herr S. 8. Rapaport feierte am 8. Juni seinen 70. GedurtStag nicht nur unter allgemeiner Theilnahme der hiesigen Gemeindemirglieder, auch außer derselben fand da- Geburt-fest dieses ehrwürdigen Greises eine rege Theilnahme, die sich in vielen Schichten der bestem Gesellschaft und in der gesammten hiesigen Tagespresse kund gab;, endlich aber erstreckte sich diese Theilnahme weit über Oesterreichs und Deutschland- Gauen hinaus. Aus den fernsten Landern kamen Glückwünsche zu diesem Feste, aus Amsterdam und Stockholm, au- Paris und London, di« vielen und vielen Städte Deutschlands, Ungarn« und Galiziens §icht gerechnet, kamen Briefe an den Gefeierten (am Geburt-feste allein 32), Beglückwünschungsadressen kamen au« Hannover begleitet von einem großen silbernen Pokale, aus Leipzig, Krakau, Lemberg, begleitet von einem silbernen Waschbecken und einer silbemen Kanne (Rapaport ist bekanntlich ein?N2), und aus Wien. Die Bekehrung für dm Jubilar ließ auch den Telegraphen nicht unbenutzt und eine Beglückwünschungsdrpesche langte auch am Morgen deS Geburt-festes aus Breslau an. Die eigentliche Festfeier wurde nach folgendem Programm begangen. Am Borabende war die Synagoge außergewöhnlich festlich beleuchtet und alle Räume während der Gebetszeit überfüllt und Aller Augen waren auf den Mann gerichtet, dem der Allvater daü Glück gewährtes eine solche Feier unter solcher Theilnahme zu begehen. Am Festtage ward der Gottesdienst besonderfeierlich begangen und unter den Anwesenden in der Synagoge fand man distinguicle Fremde, welche eigends zur Begehung des Festes nach Prag gekommen. Nach dem Gottesdienste wurde der Jubilar auf dem Wege auder Alraeusynagoge in seine Wohnung von allen Anwesenden auf den Straßen, die seiner harrten und spalierartig sich aufstellten, um seiner ansichtig zu werben, mir Glückwünschen begrüßt. In feiner Wohnung begrüßte ihn zuerst der-Rabbiner der Tempelgemeinde, Se. Ehrwürden Herr Prdf. Kampf mit einer hedräischm Ansprache, dieser folgten Glückwünsche von den vielen Anwesenden, die persönlich ihre.Huldigung dardringm wollten, viele thaten dieschon Tags ^vorher und brachten zu ihrm Glückwünschen Geschenke, die Ibald mehr sinnvoll, bald mehr werthvoll waren, bald beide Higenschaftea mir einander vereinten, in jedem Falle aber ajs Zeichen besonderer Achtung und Verehrung angesehen wjrrden müssm. Um 11 Uhr erschien die Eultusrepräsenlanz in corpore und der Borsitzmde derselben Herr Ernst- Wehli hielt an den Gefeierten eine längere Ansprache, in welcher seine Leistungen als Rabbiner, als Volkslehrer, al« Forscher und Denker, als Schriftsteller überhaupt und al- Archäologe insbesondere Hervorgehoden wurden. Anknüpfenb an diese Anrede übergab Herr Emst Wehli zugleich eine hebräische Beglückwünschungsadresse und 1 im Namen der Gemeinde werden ein Paar prachtvoll gearbeitete silberne Candelaber überreicht, endlich wurde dem bis zu dieser Stunde gewesenen Obprjuristen ein Deere! der hohen k. t. Starrhalterei von Herrn Ernst Wehli übergeben, vermöge welche- Herr Salomön L. Rapaport den Titel „Erster Rabbiner Prags" erhielt. Anlehnend an den 80. Psalm beantwortete der Jubelgreis die Ansprache de- Vorsitzenden der Gemeinberepräsentanz mi^ einem Dankgebete zu Gott, dann hielt er. einen kurzen religiösen Dortrag mit einer Gedankenfülle und einer Kraft de- Ausdruckes, wie sie die Weihe de- Momentnur eingeden kann, an diesen Dortrag knüpfte er einen Dank an Die Gemeinde, über welche er seinen Segen aussprach. Huhdertstimmige Dankesworte für denselben folgten demfelbm von den Anwesenden, unter welchen sich der anwesende. fJ k Finanzrarh Herr Guth an der Seite seine- Söhnchens tzervvrdrängte, um dem Jubilar seine Glückwünsche barzubringen, wa» er alalter Bekannter und Verehrer desselben nicht ^unterlassen könne. Nun trat im Namen der Wiener Jfrslitengemekabe deren Abgeordneter Herr Dr. Ludwig August Frankl hervor und hielt eine Ansprache, in welcher man den Träger der Wünsche der Israeliten Wiens sowohl al- Dichter wie al- Jude von der liebenswürdigsten Seite krnneif lernte. In seiner An- I spräche erinnerte Hett Dr. Frankl an feine Sendung nach Jerusalem, um dort eine Schule zu gründen, an welche sich das schönste Moment seines Lebens anschließt, als er nämlich auf den Trümmern von Zion stand; ein nicht minder schönes Mommt fei,dajetzige, wo er abermals mit einer Mission betraut sei, bei welcher er aber keine Trümmer, sondern eine noch I starke Säule sehe, welche nach Jahrhunderten noch hinausragen in die literarische Welt und Zeugniß geben wird von der Stärke des Geistes und Der

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