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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 26 (1860) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
26 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 Glück, untergegangen Dein Licht? Rein, all dergleichen I bleibet dem Gottvertrauenden feen. — Fürwahr! da- Gottvertrauen ist öie schönste Blüthe de« menschlichen Geiste-, denn eS ist die Demuth, sich abhängig zu fühlen von einer höhern Macht, aber auch di« Erhebung, mit Gott verbunden, seiner Beachtung und Leitung gewürdigt, feine- Schutzetheilhaftig zu fein; eist die Freiheit, einem großen sittlichen Wellzwecke anzugehören und für ihn zu wirken i» freier Selbstbestimmung und Tätigkeit, aber auch zugleich die Schrank«, einem höhern Willen unterworfen zu sein, darüber wir nicht hinaus können, es ist die» edelste, lauterste Menschenwürde, denn, indem wir Gottesind, sind wir erhoben über die Natur und ihr Gesetz, ihr Werden, Sein und Vergehen! Darum der immer wiederholte Ruf: '.12 inv2 „auf den Ewigen vertrauet!" „Gesegnet ist der Mann, Heil dem Menschen, der auf Gott vertrauet!"- 2. Je köstlicher, je unentbehrlicher also die Gabe de« Gottvertrauens ist, desto dringender ist die Frag« für uns: woher stammt e«? wie kommen wir dazu? wie stärken wir ein uns? Es ist eine dreifache Quelle, auwelcher da- Gotwertrauen klar und reich für uns herausströmt: da- Herz, der Verstand und die Erfahrung unsre« und Aller Leben-! Ruft undoch immer und immer unser klopfende- Herz zu in der Freude: dahat Dir Dein Vater im Himmel gegeben, im Leid: auch das ist von Gott und Dir zum Heile. Rein I was auch Klügelei und und Seldstüderhebung au-sagen: eS liegt in unferm Herzen ern Band, das hinaufreichet kn die Höhen de- Himmel-, ein unzerreißbare- Band, da-, gerade wenn unser Herz vom Sturm dahin geschleudert wird, sich anspannt und efestunb zurückhält, daß eS nicht in den Abgrund verfiattert, da- Band zwischen Mensch und Gott, zwischen dem Geschöpfe und dem Schöpfer, zwischen dem Kinde und Vater, zwischen dem Geist und dem Gottgeift! — Und wa» da« Herz empfindet, bestärkt unser Verstand, wenn er richtig folgert und schließt. Ist Gott, so ist auch eine göttliche Welkregierung; ist dem Menschen sittlicher Gehalt gegeben, so ist die ganze Welt vom Gesetze der Sittlichkeit regiett und erfüllt, so ist über die ganze Menschheit die Vergeltung, die Gerechtigkeit und die Gnade Gottegebreitet, welcher der Mensch sich freudig in die Arme werfe. Wie? Ihr sagt, der Gott, der dir Welten in feinen Händen hält, ist viel zu groß, um sich um die kleinlichen Angelegenheiten der kleinen Menschen zu kümmem? Ihr Thoren, waist groß, waklein in den Augen Gotte-? Vor Ihm ist nichtgroß, nichtklein, sondern Alle« nur gut oder schlecht, wahr oder falsch. Recht oder Unrecht, Liede oder Haß! Gott ist, wie unfeine Schöpfung zeigt, groß ebenso im Unendlich - Kleinen wie im Unendlich-Großen, seine Große besteht ganz gleich im Wasserttopfen wie im Sonnenball; Ihn für allzugroß für da- Thun und Geschick der Menschen erklären, heißt Ihn verkleinern, nicht verherrlichen! — Und nun unsere Lebenserfahrung. Blicke zurück in Dein Leben, Greis, Mann, Jüngling, Greisin, Weib, Jungfrau — wie har sich Alledarin gemacht und gefügt? In Augenblicken mochtest Du zweifeln, in einzelnen Stunden irr« werden — aber so Du einen Zeitraum, so Du da- Ganze überblickst, kommt Dir da« Derständniß nicht zu? gehr e- Dir nicht auf. warum, wodurch, zu wrlchem' Zwecke Alleso und nicht andergeworden? Und frägst Du Dich ernstlich, prüfst Du genau: möchtest Du Etwa« anderhaben? Du wünschest e» vielleicht, aber siehst Du genau zu, wafür Folgen die Aenderung gehabt oder hätte, wie e- Dich au- Deinem ganzen Wesen und Sein herausreißrn würde —Du sagst sicherlich: wir wollen es nur so lassen! Und sprich: wie viel davon war Fügung Gotte«, wie viel Dein eigen Werk? Ach, daß wie zumeist sagen müssen: Du hattest eS gut mit mir vor — aber was ich gethan, war voller Jttthums! — Und wo finden wir einen unumstößlichem Erweis al« in der Geschichte unsre« Glauben- und unsre- Volke«? Wodurch bestehen wir noch heute, lebenskräftig — lebenskräftig, denn schlaget nur ein Tageblatt auf, ob eS sich nicht mit uni-, unferm Thun und unferm Geschick beschäftige, und un« einen großem und geringem Einfluß, fei e« im guten oder im dösen Sinne, auf da« Lebest der Lölkes zuschreibt ----- noch heute lebenskräftig nach, vier Jahrtausenden auf den Trümmern so vieler Nationen, größer, mächtiger alwir? Un» sece Feinde sagen:'durch unfern Trotz, unsere Hartnäckigkeit. Ader wawill Trotz und Härtigkeit von Menschen gegen den unerbittlichen Gang bjt Geschichte sagen? Aller Trotz, alle Härte «galten nicht ^Inen Tag am Leben, wa« dem Tode anheimgefallea. Unsere Freunde sagen: unsere GlaudenStteue — und fürwahr! unsere Vater haben darod mit Ruhm sich bedecket, daß sie unter den schwierigsten und drückendsten Verhälmissen vom BekmnMiß de« Einig-Einzigen nicht wichen — aber auch die GlaubenStteue allein und für sich vermag den Untergang nicht aufzuhalten, wo er unaufhaltsam hereinbricht. E« war die Fügung Gotte«, die un» im Voraus. Stätten der Zuflucht bereitete, al« wir au« dem Lande der-Väter geworfen, und wenn wir in einer Region der Erde verfolgt und verjagt wurden, die Fügung Gotte«, die endlich da- Licht de« Recht» und der Wahrheit erscheinm ließ, diese -Fügung Gotte« und dafelsenfest« Verträum auf Gcjtk, daS in unferm Vätern lebte, Geschlecht auf Geschlecht, diese waren e«, welche uns am Leben erhielten durch alle Jahrtausende! Wohl) so thut für un« nicht« Noth — alS Zuversicht auf Gott!> In der Höhe wohnt Gott und im Lichte, wir aber in der ^Tiefe und Dunkelheit der Erde. Di« Erde aber ruft nicht empor: gieß mir Licht! fondem sie harret im Schweigen der Nacht, öis er dm Tag sendet, dmn sie weiß, daß dieser kommt, fl) so wollen auch wir nicht rufen: gieb uns Glück, gked! un- Wohlbehagen, gieb un« Lust, sondern zuversichtlich Dessen harren, waS er un« zieht. „Wälz' auf den Ewigen Deinen Weg, Er volldritHk'«!" Diese« unsre ganze Welt durchdringende Vertrauen wird un« fuhren über jede« Gebirge der Hindernisse, durch jeden Jordan de- Geschicke-, vor allem Edom der Hasser und Widersacher vorbei nach dem Lande de- Segen«, fließend von Milch und Honig! Amen. Notizen des Tages. «u In Köln hat eine n Ein sech-zehnjährige- Mädch batten Stadt war hinter Religion abwendig gemacht Auf polizeilichem Wege wu e Aortara- Geschichte gezielt, en au« einer kleinen benach- >em Rücken ihrer Eltem ihrer und zuletzt entführt, worden, sie aufgefunden und den Elr>e

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