Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 26 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
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104 t<m zurückgegebeu, worauf sie zu ihrer eignen großen Be- | fnedigung zu ihrer väterlichen Religion zurücktrat. — , . Der Kaiser von Rußland hat den jüdischen Soldaten; den Eintritt in die kaiserliche Garde gestattet. j Die Akademie der Wissenschaften in erlin hat aber- > malS einenZfraÄiren zu ihremMikgliedekewählt, Or.Prinz«- heim, der an die Stelle Humboldts getreten. Diese höchste wissenschaftliche Instanz schließt also gegenwärtig zwei Israeliten ein. AuS dem Justizfache hingegen sind abermals mehrfache Hintenan- und Zurücksetzungen gegen Assessoren jüdischen Glaubens vorgekommen. — Der Vorstand der Berliner Gemeinde hat in Vertretung von fast 400 Gemeinden um A »anderung des Eides mors judairn beim StaarSminisierium peritionirt. — AuS Galizien werden fortwährend Berichte über Deralionen und Unannehmlichkeiten, LeschrLnkungen und Ausschließungen, welche untere Beamte und der Pöbel gegen die Juden verüben, gebracht. — H,rr Albert Cohn begiebt sich n diesen Tagen über Madrid nach Tanger und Leruanj, um die Lage der Juden dort durch Augenschein kennen lernen, und die Bedingungen für eine bessere Zukunft pufzufinden. Mögen seine Bemühungen mit einem glücklichen Erfolg gekrönt werden! — Die städtischen B/Herden vonE r 24 gegen 2 Stimmen beschlossen, da in ihren Ringmauern niederlassen könr Fortwährend erkalten Israeliten in len Staaten Vict o r EmanuelS Anstellungen und Lerwendung zn allen Gravon ihren christlichen werden. — Sen deS Staatsdienstes, sowie sie auch Mitgliedern mit Ehrenämtern betraut Herr Joseph Wertkeimer in Wieü. Vorsteher der dortigen Cult»?gemeinde, hgr denFranz-Joeph-Orbrn erkalten. C u r i o s a. Atberti - ^rsa im Mär; 1860. Auch in Czeglöd, einer Stadt ema 3 Wegstunden von hier entfernt, bildete sich seit wenigen Zähren eine israelitische Gemeinde, die nun aus etwa 60 größtentkeilS wohlhabenden Familien bestehet, «ine eigne Schule (zweiclassig) und Synagoge Kat, die aber noch iiimer jeder Seelsorge entbehren, ein Abgang, den sie üdr genS nicht sehr vermissen. Am 1. dieses ereignete sich dafelb« ein besonderer Vorfall: am “”n 't, dem Sterbetage ur sereS allverehrten-Gesetzgeber« MofeS begab sich nämlich «in gewählter Ausschuß der- 'ü-ip '-an auf den Gvtre acker, um dort wie alljährlich die üblichen Gebete zu verrich en. Nun waren diese Männer nicht wenig erstaunt, daselbst zwei frisch aufgeworfene Gräber zu finden, wahrend man Einen Mann dahin begraben halte. Verbrechen, und machte sogleich die Bcrtag von «ungS in jüngster Zeit nur Man vermuthete ein behördliche Anzeige, worauf zur Untersuchung de« falschen Grabes geschritten ward. ES enthielt einen ganzen ungarischen Anzug, eine Bunda lPelzmantel), 3 Unterbetten, 10 Polster und 3 Bettdecken, fammtlich Ueberzug, Einschütt und mit Flaumen gefüllt. Diese Gegenstände waren einem dasigm Bürger zwei Tage früher nebst 700 fl. ö. W. gestohlen worben. BloS daS Geld fehlte. Bon den Dieben ist keine Spur. Trotz der allgemeinen Entrüstung, welche die GrabeSfchändung allgemein Kervorrief, dürfte es doch als ein gutes Omen betrachtet werden. Denn da daS liebe Ungarland den freilich nicht sehr erfreulichen Ruf genießt, daß daselbst die Diedeshehlerei eine solche Ausbreitung erlangt, wie sie wohl jeder guten Sache zu wünschen ist; würde eS gewiß jedem rechtschaffenen Menschen lieb sein, wenn hinfuhro die Ritter mit langen Fingern, von den lebenden Menschen zucückgewiesen, dloS zu den Tobten ihre Zuflucht nehmen müßten. langen haben mit fortan sich Juden en. — Vor einiger Zeit zog man Graden -bei Dittocia in Spanien und fand dabei Srelene, die sonderbar gelegt warm, und da sie Alle ein Zeichen in der Mitte der Stirn und Spuren von Binden um die Arme hatten, so waren die AltertkumSforscher und Antiquare überzeugt, baß über diesen menschlichen Gebeinen ein Geheimniß walle. Herr Silva, ein in St. Sebastian ansässiger jüdischer Kaufmann, erkannte bald an diesen Zeichm, daß diese Reste den Juden deS fünfzehnten Jahrhunderts angehörren, man harre sie mit den Tephilin begraben. Nachiüchungen in den Archiven ergaben denn auch, baß in der That im Jahre 1485, als die Israeliten, auö Spanien verbannt, genöthigl waren, die Gräber ihrer Vorfahren zu verlassen, sie die Geistesgegenwart hatten, diesen Gottesacker, der ihnen eigen gehörte, der Anuntamiento (Srabtrath) von Viktoria zu schenken, unter der Bedingung, niemals Gebäude auf diesem Terrain aufzuführen. Herr Silva reclamirte mit Nachdruck bei den Behörden von Viktoria um die Erfüllung dieser alten Zusage, und-jetzt umgiebt eine Mauer den alten Gyttesackec der Juden, mit dem Verbote, auf demselben zu bauen. (Narb der v^rite Israel.) Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln haben die Höhe von 5001 Thlrn. II^Rgr. erreicht. Allgemeine Zeitung de« JudentbumS. No. 25. 1860. Leitende Artikel: Ein Versuch;u einer neuen Mortara» Geschichte. — Wochenschau: Rußland- — Preußen. — Oesterreich. — Frankreich. — (Schluß.) — Rechnungsabschluß des fünften Jabres. — Die israelüischc Bibelanstali. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Hamburg. Preußen: Eöln, Breslau, von der Oder, Warburg. Oesterreichischer Kaiserstaak: Aus Böhmen, Pestd, Wien, Wien, Waiden. Rußland: Riga, Minsk. Italien: Aus Mittelilalien. Großdritannien: London Frankreich: Paris. Schweden: Slockbolm. Asien: Alepp«. Türkei: Damaskus. ftjT Zu bezirken durch jedes Postamt und jede Buchbandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich %, Tbaler. P.-77>7"?er:'.:cher Redacteur: St. Nabe. rlncr'* c1:;«. j»::.«a in <ri»;iz. — Druck »en G. «repfing in Leipzig.