Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 26 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Und die Anderen, harren sie etwas Anderes hinter und vor sich als jene? Nicht dieselbe Wüste, dasselbe Land, dassellx Volk? Aber wer harte die Kesseln Aegyptens gebrochen und den hartnäckigen Stolz Hharao's gestürzt und die Heere Mizrajim'S vernichtet? wer hatte Israel Sieg verliehen über Amalek? wer hatte Wasser aus dem Felsen und Speise in der Wüste geschafft? Wer hatte auf Sinai gesprochen? wer alle Schrecken der Wüste sie überwinden lassen? Und Der sollte sein Werk nicht vollenden? WaS war vor ihm das Gewühl der kleinen Völkerstamme Canaan'S? Wie konnten diese Denen wvderstehen, welchen Er Sieg verleihen wollte t — WaS war die unmittelbare Folge dieses GottvrcttauenS? Zuerst: die Vergrößerung der eigenen Kraft nV Vsq: Vis* *s „wir vermögen eS allerdings Ivider sie!" ',Ziehen wir'nur hinauf", kämpfen wir muthig und zuversichtlich! Dann: die Verkleinerung deS GegnerS: Fürchtet dar Volk des Landes nicht, an isanV *s „ sie sind unsre Speise", wir vernichten und reiben sie auf" — denn, baS ist die Hauptsache: omVjö Drx "0 „es wich ihr Schirm von ihnen i:r» 'm aber der Ewige äst mit UNS"! Und daraus - nun die Gewißheit des Sieges, die Siegesfreube im Voraus nri<* „wir werden eS in Besitz nehmen, das Land, fließend von Milch und Honig!" Und nun lasset mich es schon hier hinzufügen: wer von Beiden hatte gelogen? wer die Wahrheit gesagt? wer behielt Recht? Jene wollten Israel in die Wüste und nach Aegypten zurückführen — diese führten sie durch die Wüste in dah. Land und eroberten e« zu einem anderthalbjahctau» sendlangen Besitze! Ja, mit diesem^ Vertrauen auf Gott stürzten die Söhne dieses Geschlechts-, Joschua und Caled an der Spitze, auf Sichon und Og^ auf fünf und auf 31 Könige und besiegten sie und räumten von ihnen das Land, daS sie entweiht hatten durch ihre Verbrechen und Sirrenlosigkeir — aber Jene im Verzagen und Empören, ihre Gebeine bleichten alle im Sand« der Wüste. Und. wie eS das heilige Wort »nS in diesem großen Gemälde darstellt, so ist es noch Herste, ist eS immerdar, ist es in großen und kleinen Verhältnissen, in Völkern und -in dem Einzelnen. DaS Vertrauen lauf Gott, in der geistigen und wirklichen Welt des Menschen ist kein bloßer Glaubenssatz, kein bloßer Gedanke, eS ist mehr, es ist die Kraft und daS eigentliche SiegeSschwect deS Menschen, es ist daS, was dem Menschen die größt« und bleibendste Kraft verleiht, die niemals versagt und selbst im äußern Unterliegen einen innern Sieg verschafft. Es ist ein seichtes Manoeuver Derer, welche die Erhenwelt des Menschen von der böhecn trennen, und dieses ^weltliche Leben selbstständig, für sich bestehend, ohne Goss, ohne Vertrauen auf die göttliche Lenkung machen wollers — denn mit dieser Zuversicht verliert der Mensch überhaupt Zuversicht und den besten Muth;'er schadet sich selbst am meisten, er schwächt sich selbst am ehesten, indem er daS Gottvertrauen aus dem Marke seines Denkens, FühlenS und sWollens hinausschafft f— bald wird er nichts Höheres mehf vermögen, und bald -auch nicht mehr wollen. Der Mensch ist für dm Kampf bestimmt. Von seiner Geburt an hat er zu kämpfen, mit der Schwache,.die er zur Starke entfalten, mit den Verhältnissen,- die ec sich günstig machen, mit irgend einem Ziele, das er erstreben soll, mit den Menschen, die sich ihüi enlgegrnstellen, mit den Hindernissen und Schwierigkeiten, die zu überwinden sind. Seine Geburt ist Kampf, sein Leben ist Kampf, sein Tod ein Kampf. Nun, welche sind da seine Hülfsmittel? Ja, der Eine glaubt, er habe an sich und in sich genug — und es giebt einzelne Menschen, die allerdings in einem gewaltigen Geiste, in der Fülle und Gewandtheit ihrer Gedanken, in der Mannichfaltigkeit und Nachhaltigkeit ihrer Gefühle und in der Zähigkeit ihres Willens viel besitzen, waS eine Zeit lang auSreichl — aber gerade dadurch lassen! sie sich hinreißen, gerade darum gehen sie desto eher über 1 das Maß hinaus, und mitten innen versiegt ihre Kraft, die sie vergeudet, sie sind auf die Spitze gelangt, aber nur um in den Abgrund zu stürzen, je höher jene, desto tiefer dieser — nun werden sie inne, daß sie ohne Gott gestritten, daß sie darum am Ende ihrer Kraft ganz ohne Kraft — da sie Ihn verlassen, sind sie verlassen. Zweifelt Einer?! Seher doch, warum in den letzten Jahren die Zahl der Selbstmorde so gewachsen, so gewöhnlich selbst in den höchsten Schichten der menschlichen Gesellschaft geworden — solche Thar ist nichts weiter als das Ende eines ohne Gott begonnenen und ohne Gott durchkämpften Lebens. Ja, ihr könnt lange gewinnen ohne Gott, aber nur um nachher Alles zu verlieren, Euer Gut, Eure Ekre, Euer Gewissen und zuletzt Euch ganz und gar! Wie anders, wenn bas Vertrauen auf Gott von Kindheit an, von frommen Ellern, von gotterfüllten Lehrern, von einem frommen Gemüthe in das innerste Leben gepflanzt worden. Auch Joschua und Caleb sagen nicht: wartet nur, leget die Hand in den Schooß, der Herr schafft ' Euch schon hinüber, im Schlafe über das Gebirge, in die , reiche Landschaft — sondern sie sollen rüstig zum Kampfe i fein, hinaufziehen, streiten irrix ’m, aber der Ewige ist i mit uns, und dadurch vermögen wir es. Also: das Deri trauen auf Gott ist nicht jener Fatalismus der Mohame- I daner, der sagt: was Gott steigen lassen will, steigt von j selbst, waS fallen, fällt von selbst. Du brauchst nichts dazu! zu thun. Das Vertrauen auf Gort sagt: nichts ist Zufall j in der Welt GotteS,' wie in der Natur Alles nach dem j Gesetze, so in der sittlichen Welt geschieht Alles nach dem j Gedanken Gottes. Darum har Gott Dir eine Aufgabe i gestellt. hat Dir sie zu lösen Kraft verliehen, und ordnet Deine Verhältnisse und Ereignisse, daß Du Deine Kraft innerhalb dieser anwenbest jene zu lösen. So lange Du mit Gott arbeitest, Gott vor Augen, Gott im Herzen — lösest Du Deine Aufgabe wirklich; ob Du äußere Erfolge erlangst, oder nicht, sichtliche Ziele erreichest, oder nicht, Du lösest jedenfalls Deine Aufgabe. Dazu wächst Deine Kraft bis zum Tode, und Dein Muth bleibt und Dein freudiges Bewußtsein erhebt Dich. Sorgen kommen, aber sie schwinden wieder, Schrecken und Aengste, aber sie gehen wieder, Verluste, aber sie ersetzen sich, und was Du an Irdischem verlierst, das gewinnst Du an Göttlichem, Höherm — wie sollte Furcht, wie Verzagtheit, wie Verzweiflung Dir nahen? Du zählest der Jahre siebenzig, Greis, Du fünfzig, Mann, Du zwanzig, Jüngling, solltest Du zittern, wie groß Deiner Tage Zahl würde? Also lang hat er Dich gespeiset, hat er Dich gekleidet, hat er Dich gewärmt, solltest Du fürchten, Du kämest nun um? Also lang hat er Dir Freuden geschenkt, und nach den Leiden Glück, und nach der Krankheit Genesung, und in der Dürftigkeit Unterstützung, und in der Noth Hülfe und in der Verirrung Licht, solltest Du meinen, er verleih' eS Dir nicht ferner, vorüber sei alles