Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 26 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Anterhaltung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps!,« in Magdeburg-. j sNo. 26. 1860.J iWen bitter ZnrsLrifl erfcbriat wochrvUich eiae Rümmer. PrnI de» Dahrga,g« > Tbtr. ^ienrlj-yrig 1 # Ngr. Alle BttchbaaNaaxca. Poftü«rrr und Zei:u»g»crvrditt«»rn «ebmeo «rftellungen an. [7. Jahrs. 2. Quartal] Das Gottvertrauen Betrachtung zu L che lach.lech a. Das Volk Israel war vom Sinai hinweggezogen und in die Wüste Paran bei Kadefch an der Südgrenze Eanaan's gelangt. Von da aus sandte Moscheh zwölf Kundschafter, für jeden Stamm Einen, Fürsten der Stämme. Sie sollten das Land erkunden, ob es fett und fruchtbar, oder dürre und wüst, und die Städte, ob offen oder befestigt, und das Volt, ob e» stark, tapfer, kriegsbereit oder da- Gegentheil. Vierzig Tage waren diese abwesend, dann kehrten sie zurück in die Wüste zum Volke, beladen mit Früchten des Lande-. Wie aber lautete ihr Bericht? Zehn von den Zwölf riefen: wir können nicht hinaufziehen, das Land in Besitz zu nehmen — da- Land zwar ist fruchtbar und schön, fließend von Milch und Honig — aber die Bewohner sind Riesen, und die Städte groß und befestigt dis in den Himmel (5 Mos. 1, 25.), wir vermögen nichts wider sie! Vergebens warfen sich ihnen die zween Andern, Joschua und Caled, entgegen, und erinnerten das Volk an die wunderbare Rettung, die Gott zehnmal ihm hatte widerfahren laffen, daß Gott für Israel streite, während von den Eanaanitern ihr Schirm gewichen — das Volk empörte sich in wildem Grimme, wollte Moscheh und Ahron ab - und sich neue Führer einsetzen, welche es nach Mizrajim zurückführen sollten. Bleiben wir heute hierbei stehen. Nichts von den großartigen Scenen, die darauf folgen, wie die Flurh der Empörung immer höher schwillt, dann aber plötzlich vor dem Worte de- Herrn zusammenbrichr, wie der Vernichtung werth dem Volke doch Verzeihung durch Moscheh'- Fürbitte wirb, und wie das Urtheil dahin fällt, daß das Volk in die Wüste zurückkehren und vierzig Jahre umherziehen solle, bis daß das alte Geschlecht ausgestorden, und ein frische-, gotterfülltes, freiheitliedendes, kampfesmulhiges an die Stelle des verstockten, sklavisch niedrigen getreten. Männer von gleichem Ansehn und 'Rang also, mit drrsflben Aufgabe betraut, von derselben Lehre erfüllt, mit gleichen Erlebnissen, seit Pharao in Aegypten das Knechresjoch auferlegt hatte, ziehen die zwölf Kundschafter aus, durchstreifen dasselbe Land in dergleichen Zeit mit einander, gewahren dieselben Gegenstände, und — dennoch den ganz verschiedenen Bericht, die entgegengesetzten Aeußerungen, die widersprechendsten Folgerungen! Die Einen, die Mehrzahl: Ihr vermögt es nicht, das Land wirb Euch verzehren, Ihr könnet es nicht erobern — die Anderen, die Minderzahl, nur zwei: Ihr vermöget es wohl, da- Land ist Euer, Ihr werbet es besitzen! Und röoher nun dieser Widerspruch? Waren sie doch Alle von gleichem Wunsche beseelt, aus dieser schreckenvollen Wüst, herauszukommen in das schöne, gesegnete Laad, und bemerken wir wohl: die Einen läugnen nicht, daß bas Land fließend von Milch und Honig, die Anderen hinwiederum läugnen nicht, daß die Volker stark und tapfer und die Städite groß und befestigt feien — woher also dieser vollständige Gegensatz? Sehr einfach: weil die Einen ööllig entkleidet waren voyr Vertrauen ajif Gott^ und die Anderen, die Zween, ganz erfüllt von der Zuversicht auf Gott! Das ist der ganze Unterschied — aber das ist eben ein ganzer Unterschied, einann die Himmelsweite großer! Vertrauen auf Gott, Gotte« Fügung, Gottes Hülfe in der Gefahr, Gorces Beistand für den Gerechten — das war der Angelpunkt für Israels als es an der Grenze stand zwischen der Wüste und dem Land« der Verheißung—has i st aber auch der Angelpunkt für jeden Menschen, für jeden Streiter im Leben, für jeden Kämpfer nach einem Ziele, sei es das einfachste oder das höchste, da« gewöhnlichste ober bas außerordentlichste. Mit dem Maße seine« Vertrauens auf Gott steigt seine Kraft und sein Sieg, seine Schwäche und sein Unterliegen. Lasset uns dies näher ins Auge fassen. . - 1. Den Einen also mangelte jeder Hinblick, jedes Vertrauen auf Gott. Sie sahen die Wüste hinter sich,.'dafruchtbar« Land, das Ziel d?r Wünsche vor sich, sie blickten auf das, so eben der Knechtschaft entronnene Volk,,und auf die zahlreichen, auf wohl btfestigte Sitze gestützten Bölkerstämme in Eanaan — and ihr Urtheil war: wir müssen unterliegen! Denn was war die unmittelbare Folge jene- Mangels an Gottvertrauen? Zuerst: di« Verkleinerung der eigenen Kraft; nicht allein daß sie des großm Bundesgenossen in der Höhe ganz vergaßen, ihre Seele in ihrem Kleinmuth schlug die eigefle Kraft so gering an: -toi D'aaro irrra „'wir wayen in unseren Augen gegen ^e wie Heuschrecken" st» klein, so wehrlo«! Dann: die Vergrößerung des Gegner-, sie wurden zu Riesen, diese Canaaniter, in ihren Augen lauter Riefe», und ihre Städte diin den Himmel befestigt- — wie sollten sie gegen ste kämpfen? Da wurde der Kleinmuth zur Furcht, und die Furcht zur Verzweiflung,' Und wie Kleinmuth und Furcht und Verzweiflung gleich der Seuche ansteckend sind, so war bald daganze Volkhtvoa ergriffen eormni^a o»n iaa^ und das Volk weinkt die ganze Nacht hindurch!" — Sie wollten ihr Ziel aufgeben «ad nach Ägypten zurück! —