Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 24 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 leicht schon auf btt Zunge liegende chillebsame Bemerkung, oder eine verletzende Aeußerung — deqn nicht Alle im Rarhe waren den Bewohnern der Josefstadt! hold — unterdrücken zu machen, weil sie den allgemein geachteten Stadtrath, unangenehm berühren oder gar beleidigen könnte. Frankl wurde Dank und Auszeiä)nung vollauf: Schon im Jahre 1851 richtete die jüdische Eultusgemeinde in Prag -eine glanzende Dankadresse an ihn und ließ ihm dieselbe in kostbarer Form durch eine feierliche Deputation überreichen. Im Iah» 1854 belohnte der Kaiser von Oesterreich sein Wirken ünt dem goldenen Verdienstkreuze. Im Jahre 1855 wurve ihm, welche Ehr« er! zumeist dankbar fühlte, das Bürgerrecht der Stadt Prag; zu Theil, und im Jahre 1856 das Diplom 'eines Ehren-- hauptmanns der Bürgergarde zuges mdet. Und in diesem Momente wurde vom Vorstande teS HandelsstandrS in I Prag sein Porträt in dem Sitzung-aale Denen angereiht, die sich um die große Körperschaft Ver rienste erworben haben. Das äußere Leben eines Mannes laßt sich schwer beurtheilen und noch weniger begreifen, wenn man sein privates, ja selbst sein körperliches nicht mit Ins Auge faßt. Während derunbarmherzig sich sndrängeaden Arbeiten, j durch tausend Aufregungen de- Geiers und des Gemüthes,! bis mit einer vielseitigen öffentlichen Wirksamkeit, zumal in j einer stürmischen Leit verbunden sind^ erzeugte sich der Keim eines UebelS in Frankl, der sich langsam entwickelte und. fein früher Tod wurde. Eia Herzleiden fing an, seine Tätigkeit zu beunruhigen,1 ihm den Schlaf der Nächte zu rauben. Jahre lang! Die' Aerzte riechen vielfache Entbehrung«^, ein strenges Enthalten von all«r geistigen Arbeit und! Aufregung. Er fügte sich gewissenhaft der ersteren Verordnung und fetzte die anstrengendst« Thatigkeit ununterbrochen, ja in ^rhöhlerem Maße noch fort. Er kannte die Äefahr, über die ihn der gelehrte Professor Skoda nicht in Zfveifel ließ. „Ich habe nicht lange Zeit," äußerte er einmvl, „und muß um so fleißiger sein! " j Ein? Reise an die See nach Ostende, eine andere in die Gedirgswelt Oberösterreichs und, Gastrins übten einen wohlthärigen Einfluß, weil sie eben einige Rübe von Geschäften gewährten. Vor Allem abef der Ankauf einer Villa in der Nähe Prag-, im Dorfe Pcldol. Harr am vier der hier zwischen Hügeln dreilhin fließenden Moldau liegt diese Villa von ^haltigen Bäumen umgrenzt, hinter denen sich ein mit Alleen und Obstbäumen terrassenhafl sanft aufsteigender Garten emporlehnr, der durch die riesigen Mauern der Marienschanze eingefrkeder wird, und den sagenhaften Felsen Libussir» als Grenze hat. Hier konnte di, künstlerisch angeüegte Phantasie Frankl's, wie sie sich schon durch den Ankauf gerade dieser poetisch schönsten Villa in der Nähe Prags äußerte, die lebhafteste Nahrung finden. Hier baute er eir^e kleine Arena und ließ, alter Neigung huldigend, kleine Lustspiele und heiter entworfene'Scenen dacstellen; hier pflanzte er Baume, zog er erotische Blumen, baute er kühle Bader und tummelte er sein schöne-TKossegespann. Es überkam ihn wie neue Gestmdheit, zumal wenn er «inen zahlreichen Kreis von Freunden, gastfrei wie er war, um sich versammelte und durch feint stets heitere, oft witzige Laune unterhielt. Ader der Mahner!an seinem Herzen klopfte immer lauter, und wenn man tbtit von seinem jugendlich frischen Aussehen, von seinem rosigen Humor sprach, pflegte er zu erwiedern: „Ich bin wie ein Borstorfer Apfel, dessen Schale frisch rotd gefärbt ist, dem aber doch ein Wurm lief im Herzen sitzt." Es war um das neue Jahr 1859, da gesellte sich zu dem organischen Leiden ein zufälliges Magenübel, das in feinem bedenklichen Zusammenhänge von einem geistvollen Arzte erst dann diagnostisch erkannt wurde, als eS zu spät war. Um diese Zeit bereitete sich das blutige Drama in Italien vor. Eines Tages wurde Frankl vom österreichischen Krieg-Ministerium auf telegraphischem Wege nach Wien de, rufen, um dringende Lieferungen für bas Militär zu übernehmen. Einem solchen, ihm auch schon sonst entgegenkommenden Vertrauen konnte der patriotisch gesinnte Mann nicht widerstehen. Vom Fieder geschüttelt, in kranker Stimmung eilte er, wiederholt Nächte opfernd, nach Wien, wo er die Aage in anstrengenden Gesprächen und (Kombinationen hinbrachte und endlich einx Verantwortlichkeit übernahm, wie sich der gesunde kräftige Mann niemals eine gleich große aufgebürdet halte. Solche Anstrengungen und Sorgen des Geistes waren todfördernd für ihn, aber sie halfen dem Staate in Treue einen großen letzten Dienst erweisen. DaS Leiden, die Aufregungen warfen endlich Frankl aufs Krankenlager. Er hoffre Genesung in frischer Wald- und Gebirgslufr und brachte einige Zeit des Sommers im Johannesbade in Böhmen, dann in Ischl zu, um endlich in Wien völlig zusammen zu brechen. Ec ertrug die empfindlichsten Schmerzen mit beifpielvoller Ruhe und Ergebenheir, er hoffte auf Genesung und fühlte die aufopfernden Liebesdienste seiner beiden in Wien lebenden Brüder Ludwig August und Wilhelm in getröstetem Gemüthe. Sie aber waren um so schmerzlicher bewegt, da sie seit lange schon es wußten, daß der Kranke verloren fei. Eine schwerste Sorge drückte sein Herz: die Erziehung seines zwölfjährigen einzigen Sohnes, deren er sich, — stets Arbeiten und Sorgen für- Allgemeine hingegeben — nicht, wie er gewünscht hätte, annehmen konnte. Diese Sorge wurde ihm von seinen Brüdern abgenommen. Auf ihren Rath reifte in ihm der Entschluß, den geistig befähigten Knaben, dem bisher ein mannigfaltiges, aber zerstreutes Wissen beigedrachr worden war, den lateinischen Studien zu widmen, damit er einst, wenn keine Bahn irgend einem Glaubensbekenner in Oesterreich verschlossen fein wird, sich dem Dienste des Staates widme, dem der Vater in Treue anhing, und für den er die letzten Kräfte feines Lebens geopfert hatte. Frankl übergab seinen Sohn Ludwig dem cenommirten Erziehungs-Institute des Herrn 1>r. Adolf Pick st» Wien und sprach die hoffnuNZsvolle Ueberzeugung aus, daß feine beiden Brüder den Knaben .geistig und sittlich mir überwachen werden. Er schien nicht zu ahnen, daß er ihnen mit diesem unbedingten Vertrauen ein kostbares — Erbe hinreriasse. Ein Moment der Erleichterung wurde ergriffen, um ihn. nach Prag, in seine eigentliche Heimarh, auf den Boden feines StrebenS und erfolgreichen Wirkens, in fein Haus zu dringen. Seine lief betrübte Gattin holte ihn im Oktober 1859 von Wien ad und nachdem ec durch die rapid abnehmenden Kräfte;um Bewußtsein, daß er