Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 24 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. i Zur .Lesehrung und Unlerhaslung aus jüdischem Zebiete. Herau-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lNo. 24. 1860.1 Bon dirsor LnlschrUl eri»k>m rctorntlub ri»r Nummrr. Prci« do< 2a-rü^ngs i Tl-ir. Virneljä^rig 7 '/£ W>|i. Allc VnchtzantUmgo». Posrämicr - unk Zoiin»g«txp<riiion«o n«^>»e» BeftellunAk» u. [7[ lahrg. 2. Quartal] David Bernhard Frankl in Prag. ^orNryung u. 3<Mhr au» Ro. 17. Wahrend eine wilde czechische Rotte in dem Juniaufstände da» Haus Bondi'S, wo auch Frankl wohnte, zu demoliren sucht« und fremdes Eigenrhum zerstört« und plündert«, wurden die Ereignisse auch dem jungen .Kaufmanne l verderblich. Er verlor den größten Theil feines Vermögens, aber nicht feinen Ehrennamen, im Gegernheile tauchte dieser durch Erfüllung der größten diS zu den kleinsten Verpflichtungen nur noch glänzender empor und da» allgemeine Vertrauen hob bald feinen äußeren Glücksstand auf eine noch höhere Stufe, als dieser früher eingenommen hatte.! Die Gestnnung Frantl'S war mitten im Sturme eine' streng gemäßigte, konservative. Es war dies nicht aus einer j gereiften politischen Bildung in ihm hervorgegangen, die daS Ende auS einem Beginne vorauSzufehen im Stande j ist, sondern aus der ihm eigenen Ruhe und dem strengen 1 Rechtssinne, der sich um so mehr stählte, als er ihn ringsum! vielfach verletzt sah und ihm der Kampf zwischen den bis ' dahin friedlich neben einander wohnenden Deutschen und > Czechen alS ein unglücklicher, fegenlosec erschien. j Und nun begann neben seiner Igeschäftlichen eine Thä- , rigkeir, die fortan ununterbrochen dem allgemeinen, öffentlichen Leben gewidmet war und ihn alle Erfolge auf einem Gebiete erringen ließ, auf dem eS den jüdischen EllaudenSgenossen zu wirken nicht verwehrt ist. Im Jahre 1848 wurde er durch das Vertrauen der jüdischen Gemeinde, die damals noch selbstständig war, in den Vorstand derselben, im Jahre 1848 zum Stadtverordneten, im Jahre I8öO zum Sladtcarhe gewählt. Wir können nicht im Einzelnen die Thätigkeit Frantl'S verfolgen, nur mittheilen, daß sie eine ruhelose, auf daS materielle und geistige Gemeinwohl unablässig hinwirkenbe war. Doch müssen wir besonders hervorheden, daß feinem eifrigsten Mitwirken die Sonntags-Gremiaffchule und die erste höhere Handels-Lehranstalt in Oesterreich ihr« Gründüng zu danken hat. Ader nicht in den angedeuteten Sphären allein, er üble und bewährte, kein Zeuopfer scheuend, nicht selten bis zur Hintansetzung seiner eigenen Familien - und materiellen Verhältnisse, seine geistigen Kräfte nach allen Richtungen hin. Sie wurden von seinen Mitbürgern fast rücksichtslos in Anspruch genommen, aber auch in Privatangelegenheiten wurde häizsig, von ihm völlig Frtmden Vertrauen entgegen getragen. Er war bald nicht allein Stadt-, sondern auch Familienrakh, sein feiner Takt, sein vermittelnde» Wesen versöhnte Jahre lang andauernde Feindschaften, verhütete manch« leidenschaftliche Uede^ilustg , rirlh und half, wo er konnte. Frantl'S Erscheinung war eine imposante durch leichte Bewegung gemilderte, wie denn auch «ine breit gewölbt Denkerstim und der lebhafte schwarze Glanz scharfblickender Augen durch blondes Haar einen sanften Gegensatz fand. Nicht» mahnte in der chevaleceSlken Haltung, in der maßvollen Bewegung, in den GesickftSzügen an die israelitische Abkunft. Der deutschen und epischen Sprache von Kindheit auf gleich mächtig, sprach ft sie rein und ohne jenen Accent, der oft am gebildetsten Huden unangenehm berührt. Sein« Rebe war klar fließend und wurde niemal« frafenhaft, wiewohl der frühere-Hang für! poetische HchSpftingen ihr Schwung verlieh. Sein nätürtiche» Rednertalent riß ihn nie zu einer unbescheidenen herastSfordernden Arußerung hin, die den Gegner verletzt und des Sache nicht nützt. Dieser feine angeborene Takt, der in brt Darlegung von Ansichten den Schein der geistigen Uederlegenheit vermeidet und demjenigen, den man zu seiner Ueb!erzeugung herüber gewinnen will, nicht demüthigt, war vor, Allem die Eigenschaft, die einen Redner oft bedeutende Erfolge in einer Versammlung erringen ließ, die aus zwei elstander entgegengesetzten Parteien, der deutschen und czechisthen bestand. In einer Deputation an Sse. Majestät den Kaiser Franz Josef zum Sprecher gewählt, fragte derselbe: „Sind Sie, meine Herren! alle Bewohner her Josefstadt l" Frankl faßte rasch den Sinn der Frag« und erwiederre: „Wir wohnen nicht alle in der Josefstadt, aber, wir sind Glaubensgenossen." Der Kaiser, der feinen Gedanken «rratheu sah, lächelte. Auf den Hradschin zu den Hüfballen de» Kaiser» Ferdinand geladen, gehörte Frankl mir zu den elegantesten Tänzern, zu den ritterlichsten Dienern her Damen. Seine Erscheinung war die eine» eleganten I Staatsmannes, die Jedem aufsiel und ihm Sympathien iweck^, ehe er noch sprach. Frankl'» Ansehen wuchs Zimmer mehr und mehr, gehoben noch durch strenge Unkigennützigkeit, die Alle» für di« eigene Ehre und das Gemeinwohl rhut und durch unbegrenzte Wohlthätigkeit, welche jedem Armen und allen Vereinen zu Statten kam. Zuweilen verfügte er sich, wenn kleinere Angelegenheiten, persönliche Wünsche seiner Glaubensgenossen zum Vortrage gelangen sollten, mir dem festen Borsatze, nicht zu sprechen, in die Sitzung. Seine Gegenwart genügte, um eine viel-