Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 22 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
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87 Sr erblickte zwölf Iah« später als sein Bruder Raphrali, 1737, in Kopenhagen da« Licht der Welt und empfing den Namen seine« Großvater«, welcher in den Dänischer» Staaten die erst« Gewehrfabrik angelegt, später als General- Provediteur de« König« von Dänemark und Peter de« Großen in Hamburg gelebt hat. Sei« Eltern ließen ihm eine ibren BermögenSumständen angemessene Erziehung angedeihen und bestimmten ihn für den Kaufmannsstand. Mose« verbrachte den größten Lheil feine« Leben« in Hamburg. Al« Mose« M,ndel«sohn seiner dort wohnenden Braur 1761 einen Besuch abstattete, machte er auch die Bekanntschaft de« vierundzwanzigjährigen Mose« und wurde bald mit ihm befreundet. „Ich hätte Herrn Mose« Wessely auch ein Exemplar geschickt, schrieb er seiner geliebten Fromet am 16. Oktober 1761 bei Uedersendung seiner damal« erschienenen „philosophischen Schriften", „aber der soll mir Ihnen zugleich lesen, damit er Ihnen gewisse Stellen erklärt.') Mit diesem, seine Mußestunden wissenschaftlichen Forschungen widmenden Kaufmann, welcher sowohl durch Welt- und Äeschäftökennmiß, al« auch durch vielseitige Bildung ausgezeichnet war, wurde durch Mendelssohn auch Lesfing bekannt und befreundet. E« ist kein Wunder, daß der Kämpfer für Wahrheit und Licht, daß der entschiedene Gegner aller Borurtheiie, einen Mann lieb gewann, her in mehr al« einer Beziehung ihn interessirte. War er ja der Freund seine« „besten Mos,«"! Zn der Thar verdiente e« Wessely, der Freund ein,« Lefsing zu werden. Seine Gespräche waren so lehrreich al« unterhaltend, er war «in ungemein ideenreicher Kopf, sein Witz war mit seltenem Scharfsinn gepaart und zeigte sich in treffenden, feinen Bemerkungen. Er war nicht eigentlicher Schriftsteller, e« fehlte ihm, bei seinem großen verstand«, feinem feinen Witz und den mannigfachen Kenntnissen doch die Uedung de« schnftstell,rischen Bortrag«, um so gehaltreicher waren seine Gespräche. ') Manche angenehme Stunde verbrachte Lessing während sein,« ihm durch Geschäftsverbindung verleiderm Aufenthalt» in der Eldstadt mit seinem jüdischen Freunde, welcher ihm auch hin und wieder Vorschub in seinen Studien leistet,. So bemerkte der Fragmeatist bei ^dem Artikel „Eamee" in dem ungedruckten Theile der Eollecraneen, daß er sich mir Wessely in Hamburg über d,e Etymologie dies,« fälschlich au« dem Hebräischen abgeleiteten Worte« unterhalten habe und nicht ohne Einfluß blieben für ihn die Briefe, welch« Mose« über di« „Emilia Galorri" in dem Altonaer Reichspostreutec vom Jahre 1772 und 73 veröffentlichte, von denen der Herausgeber seiner hinterlassenen Schriften sagt: Sie sind nicht ohne Geist und Laune geschrieben, aber cheil« ist der Inhalt zu entfernt und abstehend. theil« har seit der Zeit die Kritik der schönen Wissenschaften bei un« so große Fortschritte gemacht, daß jene Briefe jetzt kein allzu große« Interesse mehr erregen würden. Lesung und Wessely blieben, auch getrennt, "treue Freunde. Wer ander« al« er war e«, der dem großen Lessing au« peinlicher Verlegenheit" half, am Abende 1) Mole« Mendelssohn'« gej^nmette Schriften Leipzig 1*44) V. 420. 2) Guhrauer. Leising'« Leben und Werke (Leipzig 1851) II. 1. 285. seine« Leben«, al« er den Narha», diese« National- und Meisterwerk der deutschen Literatur bearbeite». E« ist bekannt, daß keffmg währen» seine« ganzen Leben« nicht au« Norh und drückende« Sorgen herau«kam. Bel Mose« Mendelssohn fand e^ immer offen« Hand, selbst in elnrr Zeit, wo auch dieser noch ein armer Buchhalter, von feinem spärlichen Gehal« sich nähren mußte. Al« Lessing 1757 feinen Mendelssohn um sechSzig Thaler bittet, zeigt dieser nicht ohne Wehmurh an, daß er da« „Verlangte" nicht auf einmal schicken kann. „Ich kann Ihnen jetzt ohne die geringste Beschwerlichkeit dreißig Thaler, und irgend in vier Wochen noch dreißig Thaler schicken, wenn e« Ihnen so gefällt . . . Sie sehen, b«ß ich kein Bedenken trage. Ihnen dasjenige abzufchtagen, wa« mir beschwerlich fällt." *) Bride Freunde waren damals noch jung und blickten voller Hoffnung in die ihnen lachende Zukunft. Doch wie verschieden gestalteten sich ihre änßerlichen, häuslichen Verhältnisse! Während der Eine einen glücklichen Hausstand begründete, hoffnungsvolle Kitzder heranwachsen sah «nb au« einem armen verlassenen „Bechur" «in begüterter, geachteter Mann geworden war, verbrach» der Andere ohne Familienglück und Familiknsegen da« Leben leer und freudenlos und empfand noch gmen Ende feiner Tage die bittersten RahrungSsorgea. Da^rschien ihm Most« Wessely, fein alter Freund, al« rettender Engel, al«Helfte in der Noth. Lessing hatte nämlich im Decemder 1778 al« „Nathan der Weise" fast vollständig zum Drucke vorbereitet war, seinem fh Berlin lebenden Bruder Karl den Aufttag gegeben, ihm dreihunbert Thaler al« Darleh» zu verschaffen, durch da« fiir Nathan eingehend« Honorar sollt« die Summe_ wieder gedeckt werden. Mose«I Wessely befand sich damals zufällig in Berlin und harre Karl Lessing getroffen, al« ft eben von einem H.. . kam, welcher ihm da« für seinen Bruder nöthige Gelb nicht verschieße woll«. Sie ließen sich in ein Gespräch mC welche« Karl wörtlich mlttheilt:') Wessely: .... Wa« haben Sie bei dem zu suchen? Karl: Geld. W.: Siek Siek K.: Denken Sie, daß ich da« nicht brauche i ' W.: Da« denke ich nun «den nicht. K.: Also —! W.: Ader bei ihm, der Si, — wie lange ist e«? K.: Ein Paar Jahre gewiß. W.: Um sechshundert Thaler ungefähr prellen wollte, für die Sie sich mit mir verbürgen mußten! K.: Wa« Sie da rederf! Konnte man mich um sechshundert Thaler prellen, du ich nicht sechs harre? Er wollte mir ja nur zeigen, wit sehr er meine Freundschaft zu schätzen wisse, so sehr, daß er sogar meine Bürgschaft anzunehmen kein Bedenken trüge. W.: Die D . . . siden Wechsel, die man ihm zum Unrerpfanbe und zur Einkassirnng bei der Kamm« de desolate Boedels zu Amsterdam mit verpfändete, vergessen Sie? K.: Lied« Gott? Sich« muß doch ei» Mann gehen, der mir die weise Bemerkung macht, daß man sich am besten hüte, nicht zu betrügen, wenn m«n sich nicht selbst betrügen lasse. Ich lasse auf ihn nicht« kommen, er very Mos« Mendelssohn'« gesi Schr. V. 128 ff. 2) Leffioa's iämmrliche Schttflrv (Lachmaaniche Ausgabe) XIU,_616.