Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 22 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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88 steht das Recht und den Handel und kennt die Amster-1 damer Koeäel Kammer W.: Meinethalben, aber was wollen >8ie jetzt bei ihm- K.: Geld borgen, wie gesagt, dreihundert Thaler. W.: Brauchen Sie das Geld gleich? K.: Es ist nicht für mich, es ist für meinen Bruder. Nur bis vierzehn Tage nach btt Leimiger Oster-Mcsse.! W.: Wollen Sie es von mir habgn? K.: Warum nicht?! W.: Ich kann es gerade bis zu dieser Zeit entbehren. Schreiben Sie es ihm, ich bin in Kurzem wieder in Ham« bürg und mochte gem einen Brief von ihm haben. K.: Wenn er Ihnen aber nicht schreibt, so bekömmt er kein Geld? > W.: Ich werde es ihm dann schicken und den Empfang wird er mir doch melden? Erkennt man aus dieser witzigen Wendung sofort den alten, guten Freund, so wirb aus den Worten, mit denen Karl den Brief schließt: „Auf das Gelt kannst Du Dich verlassen", klar, welches Vertrauen er ln Wesselv's Versprechen setzte._j Schon nach drei Tagen fragte Karl bpi dem Bruder an, ob er das Geld empfangen habe? „Er i bat mir und Dir von Hamburg aus schreiben wollen, «der ich habe von ihm noch keinen Brief gesehen.." Leasing zögert, nicht, seinen Moses mit einigen Zeilen zu er«eue». Zn einem Briefe an Karl vom 18. December heiir es : „Ich habe an MoseS Wessely geschrieben, und gebe Gott, daß eS nicht bloßer Wille mag gtwesen sein. ^Sollte er aber der positiven Aeußerungen ungeachtet dennoch verhindert werden, Wort zu halten, so bin ich ganz unglaublich übel daran." Wessely führte seinen guten Willen aui und am 30. Deremder konnte der bedrängte Freund Anzeige von dem Empfang des Darlehn» machen; erhallt ihm einen Wechsel auf vier Monate und darüber aosgestelt. Wie oft mag der große Lessiag seines Hamburger jüdische« Freundes gedacht haben, wahrend er die letzte Zeile an den „Nathan" legte! Die Verfallszeit des Wechsels rückte immer näher heran, das Honsrar für bas Werk lief nicht nach Erwarten ein, und er',Datte auch nicht die geringste Anstalt getroffen, den Wechsel zu decken, der ihm auf den Hais kam." „Du glaubst nicht"', schreibt er dem Bruder am 16. März 1779, „wie n ich daS bekümmert, und es wäre ein Wunder, wenn man meiner Arbeit nicht anmerkre, unter welcher Unruhe ich sie zusamnttnschreibe." „Moses Wessely ist bezahlt", belichtet Karl dem in Sorge versunkenen Verfasser am 17. Juli 1779. diguag gegen die Juden vorgebracht har: „Daß der Talmud dem Juden verbiete, einen Christen aus Lebensgefahr zu retten. Der in dem, dicht an der Przemsa (ein in die Weichsel sich ergießender Fluß) liegenden Dorfe Brzenskowitz — V« Meilevon Myslowitz — stattgehabte Vorfall ist folgender: Am frühen Morgen des 7. Januar d. I. sah man am Ufer der Przemsa eine Menge Menschen versammelt, deren wildes Geschrei und aufgeregte Geberden auf ein Unglück schließen ließen. Ein Mann, in den dreißiger Jahren, von Profession ein Schuhmacher und der preußischen Armee angehörend, der in diesem Augenblick, mir einem Päckchen unter dem Arm, aus der Thür seiner nicht weit vom Wasser delegenen Hütte tritt, um nach dem nahen Dorf« Lrzezinka zu gehen und diesen Lärm hört, eilte in seine Stube zurück und, das Päckchen hinwerfend, sagt er zur Frau: „ich muß laufen, dort ist Unglück"! „Ich springe durchs Fenster, wenn Du nicht von der Thür gehst", sagte er zu seiner Frau, die ihm ängstlich den Weg versperren wollte und — schon ist er am Ufer. Als er nun gehört und gesehen, daß ein 15jähriges Mädchen mir den Wellen — mit dem Tode kämpfte, stürzte Niedzwieski — so hieß der wackre Mann — in daS nicht blos „sehr kalte" sondern, zu dieser Zeit auch ziemlich tiefe Wasser und nicht ohne Gefahr — denn die Ertrinkend«, die er bei den Kleidern zu fassen bekam, rauchte ihn einmal mit unter — bringt ,r es ans Land.; Das Mädchen lebt und ist bis auf den heutigen Tag ' gesund; Niedzwieski hingegen war auf diese Thar drei Tage krank. (Die Auslassung des Königl. Landraths-! AmlS über dies, Sache, ist im Kreisblatt sNr. 34] zu lesen.) ] Und wer war die Ertrinkende, wer die theilnahmloS . zusehenben Personen und wer der Retter? Es waren Alle! dis auf den letztem, Christen; Joseph Niedzwieski allein ist — Jude und — Herr von Blanckenburg kann sich dessen versichert halten — sogar ein noch auf talmudischem Boden stehender Jude. Ein Jude, der, ob er > gleich noch nie Schweinefleisch gegessen, dennoch weiß, was ' das Wort „Nächstenliebe" eigentlich zu bedeuten hat. Notiz des Tages. Da bei der Eröffnung de«'n ordam er i kani schen Congresses stets ein Geistlicher ein Geber adhalten muß und hierbei mir den Confelsionen adg,wechselt wird, so wurde diesmal «in jüdischer Geistlicher Dr. Raphael au« New-Hork hierzu berufen. Die israelitische Bibelaastalt. In den letzten Jahren seines Leben l wurde Wessely von harren Schlagen getroffen und zuletzt war er noch erblindet. 6c starb am 15. März 1792, |5& Jahre alt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler Bibeln betragen bereits die Höh, von 4712 Thalern 12Ngr. Allgemeine Zeitung de« Iudenthum«. Ro. 21. 1860. Leitende Artikel: Wochenschau — Wochenschau au« Rr .19. und 20. — Die israelitische Bibelanstalt. Zeitungsnachrichten: Preußen.: Paderborn. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchbandlung Jährlich 3 Thaler, viertrljabrlich % Thaler. Oberschlefien im April 1860* * Ich finde mich veranlaßt, Jhae^ theilea, die verdient, jetzt veröffentlich! Herr v. Blanckenburg im Adgeordae eine Scene mitzuzu werden, nachdem ldnhause die Anschul- Lerantwonlicher Redakteur: Ä. Nabe. * Vertat »ob rlin'l Vmdha»»!»«- i» Leipzig. — Druck v»u L. 0(«»fiBg in Lelpj'g-