Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 21 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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83 es ihm Auf lukrativ« Schriftsteller»! ankäme, so könne er zu Haufe fitzen und Predigten schreiben, für welche ihm. Manj ein bedemmdes Honorar (1000 Gulden für einen Jahrgang) angedvtm habe. Dfr Geklagte negirt, daß er von diesem Umstand« Kennt» niß hatte und überhaupt Kennmiß zu haben verpflichtet war. Der Dertheidiger Dr. Berger beantragte, um bar» zuthun, daß die Judenhetze der literarische Industriezweig des Herm Klägers sei, einfach da- Register des Jahrganges ItzLV vorzulesen, woraus.sich ergeben werde, haß mit Ausnahme der einzigen Nummer 34 jedes Blaßt zum Mindestens Einen die Juden betreffenden Artikel vorweis«. Dr. Brunner bittet zu bedenken, daß in Oesterreich und in Deutschland die ganze Presse in den Händen der Juden sei und daß sein Blatt leider bloin 600 Nummern erscheine, während die Jubenblatter in Hunderttausenden von Exemplaren täglich verbreitet werden, so daß es die Pflicht der „Kirchenzeimng" sei, gegen diese überwuchemden Jubenblatter ln steter Polemik aufzutreten. Hr. Kuranda: Ich erlaube mir hier, dm hohen Gerichtshof mit Folgendem aufzuklären: Es ist ein Mißbrauch, der unerhört ist, wenn Herr Brunner die gesammte hie, sige Presse für Judenblätter erklärt; die Redaction der hiefigen Blätter sei zumeist in Händen von Ehristen, z. B. Zangs „Presse" gehört einem Christm an und hat keinen einzigm jüdischen Mitarbeiter. Der „Wanderer" hat keinen einzigen, der ein Jude ist; die Ost-Deutsche Post hat mich zum Redaeteur und ich glaube, sie ist in gebildeten Kreisen geachtet, sowie ich ferner glaube, daß das Publikum mir da- Zeugniß geben wird, daß man das jüdische Parfüm, welches in dem Worte „Judenblatt"" liegt, darin sicher nicht sinder. Es ist ein Kunstgriff des Herm Dr. Sebastian Brunner, wenn er von einem andem Blatte als von denen feines Gleichen spricht, zu sagen: die hiesigen Juden- und Heidenblätter, und es werden dann im weitem Verlaufe die HeidenblLtter vergessen und aller Schimpf wird auf die Judenblätter geworfen. Präs.: Ich muß die Parteien aufmerksam machen, daß da- Landesgericht in seiner Eigenschaft als Strafbehörbe nicht berufen ist, zu entscheiden, wer von beiden Parteien in diesem Streite Recht habe, und daß es sich heute bloS darum handelt, den Beweis der Wahrheit der von Hm. Kuranda angeführten Beschuldigung zu führen. Dr. Brunner macht darauf aufmerksam, daß ri* unter die Judenblätter nicht blos di, von Juden redigirttn Blätter, sondern alle, welche die Israeliten überhaupt vertreten, zähle. Dr. Berger erbittet sich nun die Erlaubniß, dem hohen Gerichtshof eine Blumenlese derjenigen Ausdrücke vorzutragen zu dürfen, welche in der „Kicchenzeitung" zur Bezeichnung der hiesigen von Herrn Brunner angegriffenen jüdischen Schriftsteller gebraucht werden: „Das jüdische Ritterthum'", „die. spezifisch neujütischekk Blätter", die Wiener Juden", „die Herren aus Israel", „im Judenblatt« Morgenpost", „die Theaterjuden", „die Schreibjuden", „dafreche Juden- Literatenthum", „die schmähsiichtigen Schreibjuden", „die Herren der jüdischen Joumalistit", „Wiener Judenblätter", „die jüdischen Literaten Kosak und Fabius", „in einem von dem Juden Moriz HartmanN geschriebenen Artikel", „in einem leidenschaftlichen Juden-Organe", „der jüdische Eigenrhümer und Redakteur, Ritter der Ehrenlegion, Ignaz Kuranda"re. Es wird hierauf der Ankkagepunkt fünf in Erönenmg gezogen. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam. daß die Beleidigung hier in. der Vergleichung des Vorgehendes vr. Brunner mit der Methode des „ßuideru" Vehs« liege. Der Geklagte, bemerkt, dieser Absatz bestehe aus zwei Theilm; in der einen Hälfte ist des Grbahrms des Vehse gedacht, eines Mannes, der mit sechsmonatliche» Gefäagniß adge» straft wurde; in der andem das Gebühren des Herm vr. Brunner geschildert (wobei natürlich das „Sauber" auf Herm Vehse und nicht auf Herm Brunner zu beziehm fei). Vehse sei es gttvohnr, aus Büchern, wie er fi« sinder, gegen trgmd ein Fürstengeschlecht, sei es gegm die Habsburger oder Hohenzollern, oder /gegm ei« anderes brutsche- Haus, hervor zu holen, «a-/ ein schlechtes und geheimnisvolles Licht über dasselbe z» werfm geeignet fei. Dieses sei die Prozedur des Herm Vehse und ähnlich sei das Vorgehen de« Dr. Bruirnrr. Aus die von Herm Kuranda vorgebrachte Beweisanerbietung bemerkter. Brunner, daß sich hier eine grlehtte Disputation zu enrspinnm scheine, die besser in dm Blärlem abgedruckt, als vor Gericht verhandelt werdm könnte. Der Geklagte bittet hierauf, daß es ihm gestattet sei, dm Beweis der Wahrheit zu führen, worauf der Präfidmt erklärt, daß ihm die Durchführung des Beweises durch das Gesetz gestattet sei. Es wird hierauf vorzüglich aus Gmndlage der „Kirchmzeirung" aus dm Beweis der Wahrheit eingegangm. Don den vielfach vorgelefenm Stellm hidm wir nur wenige Punkte heraus. Es wird «in Artikel der „Kirchmzeitung"' vorgelesm, welcher allerdings unter einer allgemeinen Derwahmng gegm dessen scheinbare Richtigkeit in die „Kirchmzeitung"" aufgmommm w»rdm war. Unter Anderm wird darin darauf hmgewiesm, daß die Juden nicht aus dm in der heiligen Schrift angegebmm Gründm in Egyptm unterdrückt wurden, sondem weitste krätzig und unrein warm. Als Gewährsmann wird in dem Artikel auf Manrtho hingewiesen. Manetho nun sei ein Heide und werde ttotzdem von einem katholischen Pribster der Bibel mtgegmgestellr. In gleicher Weise demft sich derselbe Artikel auf Friedrich Daumer, denselben Friedrich Daumer^. welcher wohl tief gelehrt, aber mit feiner Gelehrsamkeit jn Monomanie und auf Abwege gerathm war. Daumer habe nun zwei Bücher, daeine über das Judenthum, das ander« über da« Ehristmrhum, herausgegebm. In jenem wird behauptet, der Jehova der Bibel sei eigmtlich der Moloch und der Opferbimst der Judm der Molochdienst. Christu« hat nun dm durch die Zeiten gemilderrm Molochdienst auf seine urflerüngliche Form zurückführm wollen, und die Apostel Christi hatten keine andere Aufgabe, als diesen Molochdienst wieder einzuführm und über die Erd« zu verbreiten. Derselbe Daumer legte der erhabenen Stelle des neuen Testamentes: „Lasset die Kleinen ^u mir kommen", die schreckliche Deutung unter, daß Christus die Kleinm nur deshalb zu stch kommen ließ, um diese Kinder zu morden. Nun berufe sich De. B run n e r aof'vmselden Daumer, der bezüglich des Christeuthums sich geäußert hat, wie oben angeführt worden ist. Herr Kuranda geht dann über auf die Charakteristrunz zweier Artikel der „Kirchmzeitung", welch« unter der Bezeichnung „Merkwürdige Sittm-Lehre" Aussprüche