Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 21 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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82'! Famiß« der Entstehungsgeschichte der ersten Famifien Deutschland- . würde der erhalten s Herm Sebastian BfunnerS Prozedur gegen die Juden ist aber nicht im Miad-sten von der des > saubem Herrn Vehse unterschieden. . Sechster Anklagepunkt. Die Stelle: Spekulanten wie Herr Sebastian Brunner ha§ es auch in früheren Jahrhunderten gttzeden. \ Dr. Berger erklärt nun, daß sein Client erbötig sei, den ihm im §. 491 auferlegten Beweis der Wahrheit, und zwar aus dem Inhalte der „Kirchenzeitung" selbst zu führen, und erlegt als sein Beweismittel d« Jahrgang 1859 ' und di- Mai 1860 zu de« TerichtSverhjandlungen. Präsident: „Herr Kuranda, nach Vorschrift des Gesetzes müssen Sie Einiges über Ihre! früheren Lebensverhältnisse angeben." Der Herr Geklagte giebr nun über sein Vorleben folgende Auskunft: Sein Vater ist Antiqparbuchhandler in Prag'und betreibt dasselbe Geschäft, wtlches bereitseit dem Jahre 1784 in einem und demselbin Hause von seinem Großvater betrieben wurde. Herr Kuranda erhielt seine Gymnasial - Vorbildung in Prag bei dfn Piariften. Ec redigirt« bereits im Jahre 1837 bas Journal „Telegraph", ging dann nach Tübingen, von Tübingen nach Brüssel, wo er Vorlesungen über deutsche Literatur und Geschichte hielt, bis er (Anfangals Organ der Vermittlung zwischen Deutschland und Belgien) die „Grenztioken" begründete. Dieses Journal übertrug er später nach! Deutschland und gab es, um seinen Wirkungskreis zu vergrößern, in Leipzig heraus. Es ist dasjenige Blatt, welchfs vor dem Jahre 1848 an allen Kragen, sowohl an de« inneren Fragen Oesterreichs, wie an den einzufchlagenden Reformen sich wesentlich brtheiligtt. 1848 kam er nach Wien, wurde hier in den Fünfziger Ausschuß gewählt,! ward später Mitglied des deutschen Parlamentes, aus svelchem er jedoch nach einigen Monaten austrat, um isn Wien die Ost- Deutsche Post zu begründen. Der Vorsitzende läßt nun zum bessern Verständniß der vorliegenden Frage den der Klage zu Grunde liegenden Artikel, betitelt „Herr Sebastian Brr-met, Wien, 27. Jänne?' verlesen. Herr Kuranda erklärt sich als Verfasser des Artikels. Präs.: Ich muß Sie zuerst fragen, warum Sie den Artikel mit „Herr Sebastian Brunner" überschrirben habend Hr. Kuranda motivirt das insoweit^ daß ec aus einer gewissen Rücksicht für den achtungswürdigen Titel „Kirchenzeitung" es vorzog, "den Schriftsteller Hm. Sebastian Brunner als Denjenigen hinzustellen,!gegen welchen der Artikel zu richtm war, und den Doctor-Ätel habe er wieder, um nicht an den Theologen zu erinnen», hinweggelassen. Hr. Kuranda stellt rücksichtlich des ersten Anklagepunktes in Abrede, baß er durch die Erinnerung an die Abstrafung de- Hm. Rr. Brunner dlenselben schmähen oder überhaupt feiner Ehre zu nahe kretfn wollte. Es sei das norhwendig zur Aufklärung des Publikums, welchenicht gewohnt ist, in der Ost-Deutschen Post den Ton einer schärfen Polemik zu findm. Er müßte daher mittheilen, daß es einem Manne gelte, der den Gegensatz und die Reibung zu seicher Existenz bedarf, und daß er daher ebm wegm dieser Umstände bereits durch die „Presse" sich eine Verurtheilung zugezogen hätte; eine Absicht der Schmähung fei jedenfalls ferne gewefm. Rücksichtlich des zweiten Punkteerklärt Hr. Kuranda, daß er von dem Gesichtspunkt ausging, daß es vor Allem für ihn norhwendig war, die von Hm. vr. Brunner herausgegedene „Kirchenzeitung" ihres kirchlichen Charakterzu mrkleiden, weil er den Titel dieses Blattes als eine Usurpation bezeichnen müsse. Hr. Kuranda erklärt, daß er diesen Umstand sonnenklar zu beweisen in der Lage fei. Präs.: Es gehr somit Ihre Behauptung dahin, daß solche Artikel, wie sie Hr. vr. Brunner gebracht hat, eigentlich nicht in eine Kirchenzeitung gehören und mit dem Charakter eines kirchlichen Blattes in Widerspruch stehen. Hr. Kuranda: Ja, fd ist es. Ich bin überzeugt, wenn Hr. Sebastian Brunner feiner Zeitung einm andern Namen, geben würde, daß das ganze Publikum erstaunt sein würde, wie es möglich sei, daß in Wim ein solches Blatt erscheinen tonne. Die Artikel stehen aber in einer „Kirchenzeitung". und sie haben dadurch den Anschein des Ehrwürdigen, ein Schein, dessen sie entkleidet werden müssen. Präs.: Diese Achtung, die Sie dem Blatt als „Ktrchen- Zeilung" zollen, steht lm Widerspruch mit dem 3. Absätze, der doch unmittelbar gegen die Kirchen-Zeitung gerichtet ist.. Hr. Kuranda: Da- Blatt heißt die „Kirchen-Zeitung"; ich sage wohl, sie usurpkrt diesen Titel, aber ich muß sie dennoch mit dem Namen, unter dem sie bekannt ist, bezeichnen. Wenn ich sage, daß man in der „Kirchen-Zritung" Nachdmck über Nachdruck und Produkte der Skandalsucht findet, so werde ich dieses beweisen. Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, daß die ganze Streitfrage zwischen mir und dem vr. Sebastian Brunner sich darum dreht: Ist da-, was ich gesagt habe, Schmähung oder ist eS Kritik mit lebhafteren Farben gemalt, wie sie der Gegenstand und der Gegner erfordert, welcher Pinsel und Feder in lebhafter Weise führt. Ich habe meine Pflicht erfüllt, ich habe Kritikgeübt und dem Publikum reinen Wein eingeschenkt, das Uebrige geht mich nichtS an. Mit dem Strafgesetz hat die Kritik nichts zu thun. Ich werde nun durch eine Reihe der überzeugendsten Beweise darthun, daß Alles, was ich gesagt habe, nur Urtheil und keine Schmähung ist. vr. Berger: Wa» die Bezeichnung „Harlekinsjacke" und die „ausgeschnittenen Zeirungsfetzen" andelangt, beantragt er, daß der GerichtshosPch durch irgend ein bestimmtes Blatt der „Kirchen-Zeitung" überzeuge, daß der Inhalt desselben meist anderen Blättern entnommen ist und daß selbst dieienigen Artikel, welche gewissermaßen als die eigenen Ardeirm zu betrachten wären, mit anderen Notizen gespickt sind. vr. Brunner erklärt, daß er diesen Anklagepunkt jedenfalls fallen lassen könne. vr. Berger: Wir nehmen Act hievon. ES wird zur vierten incriminirten Stelle übergegangen. Der Geklagte verwahrt sich dagegen, daß er den Herrn Kläger eines unerlaubten Eigennutzes beschuldigen wollte, daß er aber den ^erlaubten Gewinn sucht, verrathen die Pränumerationseinladungen an der Spitze eines jeden Blatte-. Vr. Brunner schaltet hierein, baßer nicht Verleger, sondern nur Redakteur des Journals sei und daß er von Herrn Gceß nur ein Honorar beziehe. Er wollte schon wiedecholt die „Kirchen-Zeitung" aufgeben, wenn ihm nicht höhernOrts der Auftrag geworden wäre, dieselbe weiter erscheinen zu lassen, denn wenn