Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 21 (1860) · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
21 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026359--1634-4910151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

84 mittheilen, die der Moral der Juden angeblich zur Pasis dienen sollen. Diese Sitten-Lehren sind derart, daß, waren sie in Wirtlichkeit das, wofür sie in der „Kircheozeitung" ausgegeben werden, das Fortbestehen einer geordneten.bürgerlichen Gesellschaft mit der Duldung der Juden unvereinbar wäre. Diese Artikel führen bei Besprechung der Quelle, aus der sie geschöpft sind, auf Eisenmenger. Herr Kuran da wirst dem vr. Brunner, der in einer singeschobenen Bemerkung eiagesteht, daß er die betreffende Stelle einsehe, daß die Dienstboten bei den Juden vielleicht besser gehalten werden als bei den Christen, sowie daß es israelitifche Dienstherren gebe, die ihre christlichen Dienstboten bereitwilliger in die Kirche gehen lassen als manche christliche Dienstherren, und daß es der Dienerschaft bei Herrn Kuranda wahrscheinlich viel besser gehe alS anderswo (ba«' Publikum wird unruhig); trotzdem aber hätten diese Gesetze wie die Judengesetze ihre Berechtigung und diese wären nicht plötzlich wie ein Blitz aus heiterm Himmel , sondem von unten herauf gekommen. Was das von dem russischen nicht selbst aus dem Hebräischen übersetzt habe, weil er - Aufklärungsministerium herausgeg,bene Buch anbelangt, so kein Hebräer fei, vor, daß er von allen den vielfachen Widerlegungen, die Eisenmenger gefunden, keine Notiz genommen, daß e^ die Arbeit des Eisenmenger in der Art benutzt habe, daß das Publikum nicht unterscheiden könne, ob diese angeblichen Sittenlehren das Ergebniß einer i» der Gegenwart äußert er auch sein Mißtrauen gegen die Autorität des russischen Ministeriums für Aufklärung. (Da nach dieser Aeußerung im Publikum eine bedeutende Heiterkeit sich bemerkbar machte, so sah sich der Vorsitzende veranlaßt, die Zuhörer zur Ruhe aufzufördern, weil er sonst von der ihm angestellten Forschung oder längst verschollene Tradition alter (iw der der St.-P.-O. eingeräumten Gewalt Gebrauch ma» Bosheit seien. Es wird das Werk Michaeli's, welches sich über Eisenmenger auSfpricht, das Werk von Molitore vorgelegt, als eines Gewährsmannes, den vr. Brunner unbedingt anerkennen müsse und der sich höchst verwerfend über Eisenmenger ausspricht. Dem entgegen -beruft sich chen müßte.) vr. Brunner verwahrt sich übrigens ausdrücklich dagegen, als sei er persönlich ein Feind der Juden überhaupt; er kenne so manchen Juden, welcher aller Achtung würdig sei; er habe mit Juden bereits gelebt und gespeist, und sicher seien nicht alle Juden Anhänger der wieder Vr. Brunner auf die Schrift des Deroski, auf Grundsätze, wie sie der Talmud entwickle. Auf den Strafvielfache Schriften des heiligen Paulus, des Chrysostomus, des Hieronymus und vieler anderer Kirchenvater, welche es immer für nothwendig gehalten hätten, gegen die Juden zu schreiben. Nach einigen weiteren Erörterungen erhält der Derlheidiger Vr. Berger das Wort. Auch er läßt eine große Anzahl Stellen aus der „Kircheazeitung" constatiren, zum Theile verlesen. Vr. Berger erlegt zu einigen vorgeliegten Stellen als Gegenbeweis für den in der „Kirchen;,ituag" angeführten Umstand, daß der Berliner Schriftsteller Kossak eia Jude sei, ' einen Brief'des Kossak, worin er dies negirt, und einen Taufschein desselben, wodurch bestätigt wird, daß er von christlichen Eltem geboren wurde. In gleicher Weise weist vr. Berger nach, daß der von der „Kiöchenzeituag" wiederholt erwähnte Oberrabdiner vr. Fabiusi gar nicht existire.. Herr Kuranda giebc Noch zum Schlüsse ein von dem' russischen Aufklämngs-Miaistrrium herauSgegedrne» Buch zu * GerichtShanden, aus welchem nachgewiestn wird daß die vom vr. Brunner in der „Kirchenzeirung" auf Christen angewandte Bezeichnung „Gojim" nicht auf Christen, sondern auf Götzendiener Bezug habe, und was alS der beste Beweis bienen könne, daß die russische Staatsbehörde'de- ’ züglich jüdischer Grundsätze nicht die Ansicht des Vr. Brun- : ner theile. Hierauf wird das Beweisverfahren als geschlossen erklärt' und die Sitzung auf einige Minuten aysgesetzt. vr. Brunner erhält bei Wiederaufnahme der Sitzung das Wort zur Stellung des Schlußantrages. Er richtet' feine Ausführung zunächst gegen die vorßelesenen, die Halj tung und Richtung der „Kirchenzeilung" kennzeichnenden | Belege. Auch in diesem Schußworte lverkheidigt er die! Richtigkeit aller Behauptungen des Eisenmenger und erklärt,! ,haß man ihm trotz alledem einen Beweis des Gegentheils noch nicht gebracht habe. Er berührte Dienstboten-Gesetzes in letzter Zeit und b« neckt, däß er wohl die Aufhebung des antrag übergehend, erklärt Vr. Brunner, daß er, weder von einem Gefühle der Rache noch von dem des Hasse« geleitet, dem Geklagten gegenüberstehe. Ec verlange keine Strafe, sondern nur daß die Schmähungen wider ihn in der Ost-Deutschen Post nicht weiter fortgesetzt werden; weil jedoch in unserm Strafgesetze eia Strafausmaß als Bedingung hingestellt fei, so möge di« allermindeste Strafe über Herrn Kuranda verhängt werden; „denn ich will," schließt der Kläger, „keinem Menschen einen Tag von dem kostbaren Sonnenlichte nehmen." Auf Befragen des Vorsitzenden dehnt er auch sein Verlangen auf Veröffentlichung des zu fällenden Urtheils in der Ost-Deurschen Post auS. (Echinj folgt.) Anekdote. Ein Jude trat in B. in eine jüdische Wirthschaft und ließ sich einen Schoppen Wein geben. Am selben Tisch saßen noch mehrere Juden und einige Bauern vom Lande. Der Jude verkostete nun den ihm gebrachten Wein und sagte: Das^st eine ächte «ns. Die Bauern standen auf und sagten, was ist das- Bauern-Brüh hat der Wirth in seinem Keller i Endlich erschien der Wirlh und die andem Juden erklärten denselben, daß dies einen andem Sinn habe. Das-ns re-,12 heiße nicht Bauern-Brüh, sondem sei Hebräisch und bedeute so viel als: Der Wein fei sehr gut und verdiene, daß man den Segensspruch darüber spreche. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 20. 1860. Leitende Artikel: Wochenschau: Italien. — Preußen. — Oesterreich. — Wochenschau aus Rr. 19. «Fortsetzung) — Ein jüdisches Jubelfest. — Die israelitiftbe Bidelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Oesterrerckischer Kaiserstaat: Krakau. ÄÜ~ Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich h Thaler. A. Verantwortlicher Redacrevr: K. Nabe. «ertsg von B«»»g»rsaer'« Vnchsanstnng in r«i»jig. — Druck von s. jtrtefing in «äp»ig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.