Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 20 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
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T 78 Michel verfertigt habt, daß Christian E»ch beinahe hundert Procenr Zinsen bezahlt habe, daß Anton gezwungen worden, zweimal zu bezahlen, und daß Peter durch Euch zum Bettler geworden sei. Diese Zeu >en sind alle da. Selbst wenn sie nicht zur-Stelle waren, so genügte Zodek, und auf ein Zeichen von mir, sagt er 2lleS." „Und wahast Dü ihm dafür zum kntgeld gegebent" fragte Jäkel in ironischem Tone; „denn Üodek^hut Nichts für Nichts. Hast Du im Voraus bezahlt „ Eure Beschimpfungen, alter Spitzbube, berühren mich nicht. Ich packe Euch. Wenn vop jetzt dis morgen früh Ihr Eure förmliche Einwilligung\ zu der Heirath Eurer Tochter mit Tony nicht gegeben habt, so werde ich Euch morgen Mittags durch diese vier Bauern oder durch Zodek selbst an;eig«^lassen. Ihr kennü die Strenge des Gesetzes wegen dieser Betrügereien. Ein Jude und ein Katholik au- Colmar sind soeben verurcbeilt, der eine zu hundert Tausend Franc Buße, der andere zu fünfzig Tausend und zur Wiedererstattung der abgelchwindelren Summen. Es handelt sich nicht um Gefangniß, mein alter Pfiffikus, denn daraus macht Ihr Euch nichts. Ihr habt selbst'gesagt, Ihr fürchrer Euch nicht üor der Hölle, denn Ihr würbet Euch an sie gewöhnen. Äs handelt sich üm Euer Vermögen, versteht Ihr wohl^ Ich habe Euch ganz richtig gesagt, daß wir kein Licht brauchen, es ist genug, daß Ihr höret."! „Und wenn ich diese Einwilligung! gebe, . . . ." er- »iedert« Jäkel liach einem langen Stillschweigen.' „Wir wollen Alle nach Paris gehen. Diese Bauern iken nicht an Euch. Sie begnügen.sich mit. dem Unjück, was Euch jetzt eben betroffen, und das Euch zwingt, zuren Töchtem das Gur wieder zu erstatten, was Ihr im entzogen habt. Zodek wird sein« Lage nicht muthverschlimmern. Er ist nur entschlossen das Gute zu thhn, das Böse, das er um Euretwillen gerhan, wieder gut'zu machen, und da er Schuld an Tony's Festnehmung gewesea>«iller^ seinem Glücke beitragen. Er will nur um die/en Preis schweigen." „Und Maringrete, ist sie es, die Dich schickt i" „Ach, sprechet ihren Namen nicht aus, Ihr befleckt ihn mit Eurer unreinen Zunge. Maringrete liebt Euch, als wenn Ihr ein guter Vater, und ein Ehreniüann wäret." Wenn die Lampe gebrannt haben würde, hätte Kella den fahlen Blick Jakel'S sehen können. Sie fuhr lebhaft fort. „Ihr glaubt also, weil ich Jüdin bin, daß ich von Euch eine unwürdige Beleidigung ertragen werde, ohne sie Euch wieder zuxerstairen. Ach! wenn ich «in Mann wäre-!" „Ich hatte Anrecht," sagte Jäkel, „Du bist ein braves Mädchen, und ich^vertraue Deinem Worte." „Und ich, ich'harte zweimal Unrecht; denn ich habe, die unglückliche Mutter Mariens gekannt und geliebt. Sie bitter für Euch dort oben." Jäkel nahm das Papier, zerriß es und saget« zu Kella: „Mein Wort-genügt gleich dem Deinen. Geb, sag' Treten, daß ich mich ihrer Heirath nicht widersetz«." ^,Mein Bater," rief ganz überwalrtzt Maringrete aus, die feit einigen Miauten, Kella'n aachgegangen, an der Thür gelauscht hatte; „mein Barer, hier ist Eure Tochter, und niemals werbe ich Euch verlassen!^" XI. Nach seinem Austritt aus hem Gefängnisse war Tony, den Rathschlägen feiner Geliebten folgend, nachdem er ihr die Versicherung seiner treten Liebe erneuert hatte, nach Straßburg zurückgekehrt, wo er Arbeit fand. Es war zwischen Grete und Tony verabredet, daß letzterer, mit seinem Freunde Kalman nach der Verheirathung Kella's nach Paris gehen sollte, im Falle, daß der Prozeß Jäkels schlimm ausfiele, denn seit der Rückkehr Maringrete's in ihres Vaters Haus, harte dieser sein« Tochter gebeten, ihre Heirath bis nach dem Urtheil zu verschieben. Der Traum Kella's war, sich an demselben Tage als ihre Freundin zu verheirathen, und zusammen nach Paris zu reisen; aber Maringrete war entschlossen, daß Kella sich vor ihr verheirathen, und daß Tony mit Kella und ihrem Manne nach Paris gehen solle, i „Ich will mich nicht in meinem Dorfe verheirathen," sagte sie zu ihrer Freundin. „Ich will nicht, daß man sage, ick benütze das Unglück meines Vaters, um meinen Geliebten zu heirathen. Und dann höre ich sagen, daß mein Vater sich auf Kosten der Armen bereichert habe. Ich will also nicht, daß er mich ausstattet, und ich werde von ihm nur annehmen, was mir von meiner Mutter j zukommt, was nicht viel ausmacht. Ich würde mich I schämen, mich wie eine Arme zu verheirathen und errölhen, j auf Kosten meiner Mitmenschen reich zu sein. Ich will mich in Paris verheirathen mit dem von Tony ehrlich verdienten Gelde, und da Du vochast. Dich ln dieser Stadt! niederzulassen, um eine Restauration dort zu eröffnen, so sollst Du, meine Freundin, mein« Hochzeit ausrlchten." Man feierte demnach die Verbindung Kalman'S mit Kella. Obwohl Kella arm war, wurde ihre Hochzeit wegen ihrer Tugend und ihres fleckenlofm Rufes wie ein Fest für das ganze Dorf angesehen, an dem alle Bewohner mehr oder weniger Anrheil nahmen. Der Brotherr Kella's und dessen Frau waren, außer ihren Eltern, ihre Unterführe^, und als solche übernahmen sie die Hochzeirstosten. Am Vorabend der Hochzeit bringt man der Braut die Geschenke ihres künftigen Gatten, der Zug ist jedesmal von Fackelträgern und einer ' Musikbande angeführt. Es findet ein kleines Fest statt. Die Braut ist bei Tische mit einer silbernen Kette geschmückt, die der Gemeinde gehört, und die der Ehemann in der Hochzrimacht abnehmen muß. Als man von der Trauung in der Synagoge zurückkehrte und während der jüdische Gemeindeschreiber die Hochzeitsgeschenke aufschrieb, zog Maringrete ihre jetzt verheiräkhere Freundin in ein Cabinet, was der Madame Cohen zum Boudoir diente. „Theure Freundin," sagte sie ihr, nachdem sie sie zärtlich umarmt harre, „ich will nicht, baß mein Geschenk in der Liste des Schreibers figurire; aber siehe, dies habe ich für Dich bestimmt." Dann, indem sie eine kleine Börse, in welcher sich dreihundert Francs in Gold befanden, aus ihrer Tasche zog, fügte sie hinzu:' „Dieses Geld, Kella, gab mir meine Mutter eine Stunde vor ihrem Tode. Ich hatte eS an einem sicheren Ort verborgen. Ich wünsche, daß Ihr es zu Eurer Niederlassung bestimmt. ES wird Euch Glück bringen. Und