Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 20 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt. Zur > -Netehrung und Unterhaltung aus ' ' Heinete HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. rm 4 0/*A 1 Bon rielcr ZnisLnü ersLriM wöckcniliL riae Stunmcr. Preis de» Sahr- I ^10. <i(/. loOUJ gang» l Tdlr. Bieneljährig 7 y2 Rgr. Alle Buchdavriun^cn. Postämter I. J und Zeiiuogtexpedinouea nehmen Bestellungen an. [7. Jahrg. 2. Quartal.] Kella. Eine eliaisitcke Dorfgeschichte, nach dem Französischen von Alexan-der Wein. istnrN'eyung und Liblust.' X. Kella hatte sich zu Jäkel begeben. Dieser harre sich seit der Festnahme Zodek's nur mit zwei Dingen beschäftigt: die Versicherungsgesellschaft über die Höhe seine- Verlustebei der Feuersbrunst zu täuschen, und die Richter in dem Prozesse mit seinen Töchtern zu überlisten. Er hatte seine Scheune noch nicht verlassen, obgleich man sich schon dem Winter näherte. Er hatte dort all' fein baares Geld vergraben und schon daran gedacht, Scheinverkäufe seine- Grundbesitzes vorzunehmen, um sich den Forderungen zu entziehen, und nur dem Gefängnisse auSgesetzt zu fein; aber bizu diesem Augenblicke waren alle seine Pläne gescheitert, obwohl der Notar ganz bereit war, wie wenigstens Jäkel sagte. Es war schon vollständig Nacht, als Kella in die nur von einer schlechten tönernen Küchenlampe erhellte Scheune trat. Jäkel, der sich seil einiger Zeit immer unterwegs, befand und eben eingetcelen war, war beschäftigt, sein Lager zu ordnen; er stand mit dem Rücken dem jungen Mädchen zugewandr. „"Es verlangt mich . . . sagt« laut Kella. „Wer ist da," rief Jäkel, sich gegen sie umwendend; „was willst Du bei mir?" „ Es verlangt mich," »rwiederte diese, „so viel Elend mir so vielem Stolz gepaart zu sehen, wozu nützt da- Geld i" „Um von Dir und Deinesgleichen gestohlen zu werden," antwortete Jäkel schnell. „Marsch, fort, kleine Jüpin; ich bin nicht aufgelegt. Deine Predigten anzuhören, die sind gut für meine Tochter." „Ihr müßt die Juden verabscheuen, Jäkel," sagte Kella mir neckischem Tone. „Ich verwünsche, verfluche sie." 1 „Daist natürlich, Ihr seid ein unehrenhafter Mann." „Was sagst Du mir da, Unverschämtes" Aber Kella, Jäkel kennend, der eher auf Beleidigungen, alauf Schmeicheleien antwortete, fuhr, ohne sich irren zu lassen, fort: „Ja, Ihr seid unehrenhaft, und beurtheilt die Menschen nach Euren eigenen Gefühlen» in Eurem Inneren glaubt Ihr alle Menschen jeder Art von—Schlechtigkeit fähig, immer wie Ihr selber; nur getraut Ihr Euch'nicht, es auszusprechen, denn ^hr würdet die Antwort bereit finden. Ader da "die Jude», an Verleumdungen gewöhnt, schweigen, so laßt Ihr Euch gegen sie aus vollem Herzen gehen. Geduld, der Tag!)e- Gerichtes nahet." „Du langweilst mich. j Was willst Du von mhr?" „Ihr habt hier Fede: und Hinte. Ich bringe Euch da ein kleines Papier, das Ihr unterschreiben sollt. Fürchtet nicht-, ich bin Marin;rete's Freundin." „Du . sprichst in Räthfe n", erwiederte Jäkel. „Forderst Du etwa von mir Enrst ädigung und Zinsen, weil ich Deinen Liebhaber habe festnehmen lassen?" „Wenn Ihr sie mir mdieten wolltet, alter Schurke, würde ich sie nicht nehmm- Euer Geld muß Unglück bringen. Ich will, ich ve:lange, baß Ihr Eure Einwilligung zu der Heirath Eurer Tochter mit Tonp unterzeichnet." „Damit er mir ihre Mitgift abverlangt. Geh, es ist genug", sagte Jäkel.. fcfo will mich schlafen legenT^lch habe keine Zeit, Deine Alfa rzereien anzuhören. Sage meiner Tochter, sie möge zu« Dufel gehen; oder vielmehr nein, denn sie ist schon dort!" „Ich habe cs gesagt", erwiederte Kella, indem sie gegen Jäkel vortral; „ich bestehe darauf.... kürz, ich gehe nicht von hier fort, ohne diese. Unterschrift." „DaS wollen wir dos» sehen." Und die Lampe ausblrsend, rief er: „Wenn Du. nicht gehst, so rufe ich Diebe, Diebe!" „Ah so!" sagte Kella, „Ihr hattet Angst, daß ich das Loch entdeckte, wohin Ihr Euer Geld versteckt habt. Thut nichts, brauche lein Licht zu dem, was ich von Euch begehre. p<t) habe Zodek im Gefängniß gesehen. Er hat ckich^ütttuftragt, Such zu sagen." „Du hast Zodek gesehen k" fragt« Jäkel im gemilderten Tone. „Ja, ich habe mich e ne ganze Stunde lang mit ihm unterhalten, und was er nie sagte. Ist von großer Wichtigkeit für Euch." „Soll ich die Lampe vieder anzünden?" fragte Jäkel. „Nein," erwiderte Kela; „das ist zu viel Verschwendung für Euch." „Zodek" fuhr sie fort, „hat mir von Michel Klotz, Christian Bach, Anton Schlosser und Peter Grumbach gesprochen." Jäkel war wie vom Blitz getroffen. l'~- „Zodek bereuet, und! kehrt zur Besserung, er bittet Euch, seinem Beispiele zu folgen. Der Tag der „großen Versöhnung" besteht nur für die Juden. Zodek hat mir gestanden, daß Ihr rhm einen falschen Pfandbrief für > 1890