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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 19 (1860) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
19 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 allein Koscher-Essen haben, sondern Kalman und ich werden Dir auch von Zeit zu Zeit Geld schicken; aber versprich mir, auf dem Wege de- Guten zu verharren, und gieb mir sogleich einen Beweis davon." „Sprich Kella; befiehl, ich bin bereit zu Allem." „Du mußt das Böse, da- Du Tony zugefügt, wieder gut machen." „Ich will die-. Aber wie?" „Erzähle mir Alle-, wa- Du fiir Zakel gethan hast. Ich vermuthe, daß ec alle Spuren, di« ihn verdächtigen könnten, vertilgt hat. Du allein kannst gegen ihn zeugen. Wirst Du e« thun?" „Zu welchem Zwecke? Dahieße mich vollständig in- Verderben stürzen. Ich habe schon genug Geständnisse gejmachk^ Diesen Geständnissen verdanke ich die Erlaubniß mit Euch sprechen zu dürfen." „Fürchte nicht-, Zodek," antwortete Kella. „Du sollst diese» ganz allein mir erzählen. Ich werde davon Gebrauch machen, um diesen Herzlosen zu zwingen, seine Tochter an Tony zu geben. Jäkel bebt nicht vor dem Gefängnisse zurück; aber wenn e» sich um eine Rückerstattung von Geld handelt, so überlegt er zweimal." „Und wenn er widersteht?" fragte Aodek. „So verspreche ich Dir da» strengste Geheimniß." Nach einigen Augmblicken de» Zögerntheilte Zodek Kella'n die flagrantesten Wucherstückchen, deren er sich zu Gunsten Jäkel'» schuldig gemacht, mir. „Wir wollen nach Pari-," sagte Kella zu Zodek; „Tony und Maringrete werden un» folgen. Mit Gotte» Hülfe «erden wir dort unser Glück machen. Wenn Du Deine Strafe abgedüßt hast, und im Guten beharrest, so werde ich Dich kommen lassen und Dir die Schwester meine» Mannezur Frau geben." Zodek küßte Kella'» Hand. „Ah, rief er au-, Du bist mein rettender Engel." Und auf die Knie fallend, sagte er mit leiser Stimme: „Gelobt feist Du, o Gott, der Du da- Weib geschaffen!" IX. Die Freilassung Kalman'» fiel gerade in die Zeit de» Laubhüttenfeste». Kella'» Brotherr hatte auf seiner Wiese hinter dem Haufe eine wunderschöne Laubhütte errichtet. Obgleich Kella öffentlich mit Kalman verlobt war, hätte sie doch noch nicht Muße gebadt, ihre Verlobung zu feiern. Und bei den Juden ohne Verlodung-feier keine Hochzeit! Als man, der Sitte gemäß, die Tasse zerbrochen,j de-> merkte man die Abwesenheit Kella'». Kalman luchelke. „Wo ist Kella?" rief man von allen Seiten. „O, wenn Kella nicht bei ihrer DerlodungSfeier ist," sagte ein noch ganz junge- Mädchen, „so giebt eirgendwo ein gute» Werk zu verrichten." Man rief und suckte vergeben» nach ihr. Die versammelte Jugend war genöthigt, auf sie zu warten. Man holte den Schuhflicker de- Dorfe», der die Clari« nette blie», um die Nacht tanzend unter den Obstbäumen der Wiese zuzudringen. | Aber wo war Kella? I t-onseyun» folgt.» J Warnung. Unsere Glaubensgenossen, im Geschäfr-lebm so eifrig und vorsichtig, dezeigen oft in den wichtigsten religiöse« Angelegenheiten eine Lauheit und Sorglosigkeit, di« strengen Tadel verdienen. Hier ein Erempel, dagewiß durchschlagen wird. Vor kurzer Zeit habe ich «inen 7Ü jährigen Juden vertheidigt, dessen frühere» Hauptgeschäft im Handel mit obscönen Gegenständen bestand«» hat. Obwohl da» allgemein bekannt war, hat diese» Männlein nicht dlo» al» Schächter und Vorleser der Thora fungirt, er har namentlich auch an den hohen Festtagen verschiedene Gemeinden mir dem Amte eine» Vorbeter» beglückt Eiw solcher alter Heuchler durfte beten: „Sei Du mtt dem Munde der Beter Deine» Volke»," „Im Lichte Deine» Angesicht mögen sie wallen" u. f. w.! Doch daist nu» die Ouvertüre seiner Wirksamkeit. Derselbe Mankt ist wegeil Unzucht mit christlichen Kindem in Untersuchung genommen, geflohen, steckbrieflich verfolgt — und har vom Jqhre 1855.bi- 1858 al- Religion-lehrer und Chaßm in jüdischen Gemeinden de» südlichen Deutschlands fun^iri. Ohne Examen, ohne LrgitimationSpapiere hat er eist Unterkommen gefunden. Er ist so zu sagen vom Almemor weg verhaftet, hierher transportier und zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt worben. Ich habe ihn, wie gesagt, verrheidigr und lege meine moralische Ueberzeugung dahin ab^ der fromme Mann hat seine schamlosen Gememh iren, deren Detail» selbst den Gerichtshof frappirten, auch an Kindem feiner jüdischen Religionsschulen versucht uüd verübt. Kinder haltm solche Uubill oft Jahre lang geheim. Ist e» nicht schändlich, baß der erste beste Vagabond al» Religionslehrer und C ha fast ausgenommen wird, «enn er nur billig und ein Heuchler ist? Ich will die Gemeinde^ sticht nennm und den Namm de« Verbrecher», der in chnea gewirkt und nach meiner festen Ueberzeugung die Schamhaftigkeit der «etblichm Kinder feiner Schulm in frechster Weise angetastet hat. Meine Acren stehen aber Jedem zu Gebote, dm diese Sache interessirt. Vertuschen darf man solche Krebsschäden unser» Schul- und Gemeindelebens nicht. Von Jcrthum, Betrug ist im vorliegmden Falle keine Rfde.' Man har dm Mann ohne Wettere» hier und da angSstellt, man hat nicht mit einer Sylve sich über ihn erkundigt; keine Behörde har ihn ge» prüft; diese» Männchen, welcheauf die Frage de- Vorsitzenden nach seinem Alter hie höhere Bildung sogleich durch dl« Antwort bekundete: ‘ ^,Nach- Deutsche bin 1ch-L5 Jahre alt, nach Mohelbuch von meinem Vater sill.ig aber siebenzig Jahr!^_ Habt Acht in Zukunft, Ihr Gemeindevorsteher und Rabbiner, solcher nicht»würdig«n Subjecte giebt e» mehr, al» Ihr denkt! Bern bürg am 28. Äpril 1860. , Der ReHt»-Anwalt David Calm. *.) Wir bekräftigen diese I„ Warnung" auf'» nachdrücklichste, Bor Kurzem wurde un» s!u» Rawicz von einem gewissen Wormser au» Michetstadl i^i Hessen geschrieben, der, wahrend er von der Mijstonsgesellschäft,in Berlin sich freihalten ließ an Kost und Logis in einem Gasthofe, ein Engagement al» Religion»- lehrer suchte und fand, aber wegen Betrüge» gefänglich eiugezogen

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