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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 19 (1860) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
19 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 ständig« Geständnisse ad, und acht Tag« nach ihrer Fest- Gebete beigerragen zu haben. Ich habe Tag und Nacht nähme wurden Tony umd Kalman in Frrheit gesetzt. während Deiner Gefangenschaft Gott angefleht, das Herz Kella erwartete mit der Schwester Kal nan'S ihren Der- Zobels zu ändern und ihn zum Freunde umzuwandeln. lobten an der G<fängnißpforte. Nachden .sie Thränen der Ec har mich erhört. Er wird mich stelSerhören. Ich ver- Freude vergossen, forderte sie Kalman auf, sich neben sie! lange nicht viel von Ihm; aber er kennt meine Stimme!" auf eine Steinbank, die an dte Gefängnißmauer lehnte, zu Wenn ein Philosoph Kella ihre religiösen Grundsätze setzrn.! mit einem wahren Braminenernst vertragen gehört, hätte „Mein Freund," sagte sie, Kalman die Hand drückend, er vielleicht gelLchelt; aber sie aufmerksamer betrachtend, „ich bin nicht allein gekommen, um die Erste zu sein. Dich hätte er nicht umhin gekonnt, diese Einfalt im Glauben, zu beglückwünschen, sondern auch, um Dich zu veranlassen, ^ie sich in ihrer Znbrunst allein ein philosophisches System dem Herrn für Deine schleunige Befreiung zu danken, denn< schafft, zu bewundern, das, im gewöhnlichen Laufe der Dinge trotz Deiner Unschuld, die Niemandems zweifelhaft war, die Ursache guter Handlungen geworden, daS aber unter verdanken wir Alles Gott. Er allein hält in seiner Hand das Herz und den Willen der Menschem" \ „Du kennst mich zu gut," erwiderte »Uman, „um einen . Augenblick an meiner Gottesfurcht Zweifels zu können. Trotz! meiner Gefangenschaft habe ich nicht «in einziges unserer j heiligen Gebete unterlassen. Ich habe nicht eines unserer I Gesetze verletzt, und ich wäre lieber vor Entkräftung gestor-! den, als daß ich ein Stück trefeneS Flasch gegessen hätte. Auch kommst Du meinem Gedanken zuvyr. Laß uns gehen und deren." „Nein," antwortete Kella; „laß uns hier bleiben. Beten, das ist nichts. Was ist der Glaube! ohne das Werk/! Eine Heuchelei! Gott sieht Alles. Mtm muß das Gute; thun, man muß seinen Feinden verzeih,»." „Barmherzigkeit übkn!" rief Kalma», „ich will nichts > lieber mehr; aber ich habe Nichts mebrl Diese Haft hat mich vollständig ruinirr." > „Man muß die Mildrhätigkeir der Freundschaft an noch Elendem alS sich selbst üben. Höre, Kalman: Zodek, der da drinnen ist, war Dein Nebenbuhler! und Dein Feind. Er wollte Dir eine Gmde graben und! ist selbst hineingefallen. Ader er ist unglücklich und allein. Er har weder. gewissen Umständen Hrlbemhaten hervorgebracht hätte. Und als Kalman, in Nachdenken versunken, nichts erwiderte, fuhr Kella fort: „Uedrigens, Gefangene beköstigen und trösten, ist ein Gebot GotleS, und wenn Du Zodek nicht verzeihest ...." „Er liebt Dich," antwortete endlich Kalman. „Eine noch so tugendhafte Frau, ist. nicht unempfindlich ... „Lästere nicht!" rief das junge Mädchen, ihre Hand auf Kalman'S Mund legend, um ihn am Fortfahren zu verhindem. „Du bist es, der mich nicht liebt. Wer nicht zu verzeihen vermag, kann noch weniger lieben." „Nun gut," sagte Kalman, sich überwindend, „Du bist ein Engel. und ich nur Dein Diener." Sie traten wieder ein. Nach Verlauf einer Viertelstunde erhielten sie die Erlaubniß Zodek zu sprechen. Als der Unglückliche Kalman und Kella eintreten sah, brach er in Schluchzen aus. Soviel Großmuth beschämte ihn. Zum ersten Male in seinem Leben vermochte er, erhellt durch 0as Licht, welches die Tugend um sich verbreitet, einen Blick in die Nacht seiner Seele zu werfen, und er dedrr vor Schrecken und Abscheu zurück. „£, Kella!" rief er, „mir fehlte ein Weib wie Du! Daker noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, weder ■ Ich fühle, daß ich gewandelt wäre, wie Dein Verlobter, Freund, noch Braut, nicht ein« Seele, jbie mir ihm-leidet; er ist schuldig, aber er ist unser Bruder." ' „Wo willst Du damit hinaus/" „Wenn er Dir Böse» gethan, so dar er-doch deshalb nicht weniger zu Deiner schnellen Besteiung deiget^gen. E« scheint, als sei er inmitten deS Wehes zur Hölle umgekehrt. Bevor er daS Dorf verlassen, har er mir durch ein junges Mädchen sagen lassen, daß^ sollte er auch zu den Galeeren verurtheilt werden, er do h sein Möglichstes thun werde, um Dir Deine Frelbeir weder-zu geben." Kalman fchüttela mir dem Kopfe. „Dü schwankst!" sagte das junge Mädchen. ,^Ou verzeihest ihm nicht! Wie willst Du alsv. nn es wagen, von Gott zu verlangen, baß er Dir verzeih/ Was schuldet er Dir/ Wenn der Mensch nicht sucht Gott im Guten nachzuahmen, wird Gon einem MenftheN vor dem anderen keinen Vorzug geben. Ach stelle mir dsn lieben Gott wie einen König, umgeben "von einer Me»ge Bittender und Fordernder vor. Um Anspruch auf stin Ohr und »ein Herz erheben zu können, bedarf es ©Otf Allem, daß man sich Ihm durch eine bedeutende Handlung, oder durch eine beständig« Tugend bemerkbar gemacht hübe. Auch habe ich mir in meinen Gedanken gesagt, daß man, wenn man sich-»-trchkeiten für ihn begehe. den Weg deS Guten. Jetzt ist eS zu spät/ ,. Es ist niemals zu spät," erwiederke Kalman, indem er ibm die Hand reichte. „Du bist jung." „Za, aber gebrochen, entehrt. Ich werde als falscher Zeuge verurtheilt werden." „Sage immer die Wakrheir." nahm Kella das Wort; „bereue aufrichtig. Betrage Dich gut während Deiner Gefangenschaft, und vor Allem, vergiß nicht Gottes, des Richlers der Richter." „Ich werde mein Möglichstes thun, um Dir nützlich zu sein, da Kella es will." „Äej^ zu RariSdonne," sagte Zodek, „dem Wohlthater der Elsanischen Juden. Sage ihm die Wahrheit, damit er mit dem Präsidenten des Genchrshofes spreche. Sein Wort ist golden." „Ich werbe selbst hingehen," erwiederle Kella. „Du wirst verurtheilt werden, denn man muß büßen; aber man könnte Deine Strafe mildern. WaS die Bestechung des Notars betrifft, so warst du nur der Zwischenhändler von Zakel." ,£>, der Elende!" rief Zodek. „Er har den Vortheil, ich di« Schande. Vier Zabre sind e» nun, daß ich Schandüber die gewöhnlichen Handlungen de^ Mensche« erhebt, sich Gott nähert. Kalman, Du maast es glauben oder nicht, ich schmeichle mir, zu Deiner Biffreiung durch meine „Höre, Zodek," sagte Kella. „Don hier aus will ich zum Rabbiner und zum Vorsitzenden des Hülfs-Vereins gehen. Während Deiner Gefangenschaft wirst Du nicht

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