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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 19 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
19 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Sur „ , Refehrung uni) 2lnlerf)flftuiifl auf jübif^Hem Hebiele. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lNo. 19. 1860.] Bo» biqcr erschein« »SchenUich eine Nn»»rr. Preis des Äa-r- -anz» 1 Vierteljährig 1 y, Sigr. All« vnchd»nrlnngen. Postämter und geitnngservrdittoneu nehme» Peftellnngc» an. [7. Jahrg. 2. Quartal.] Kella. Eine elsasstkche Dorfgeschichte, nach dem FranzLsistben von Alexander Weil!. ) Ä»rtif|u»fl.' 1 VII. Da« Rösch»Haffanahfest nähere, diese feierlichste Zeit deS Jahres für jeden Israeliten, die ihren Ehrfurcht gebier lenden Schatten fast einen Monat schon vor sich herwirft. Alle Juden waren über die Verhaftung Tony'S und Kalman'« entrüstet. Man wußte, daß Zodek, eifersüchtig auf seinen glücklichen Nebenbuhler, sie denuncirt harre, und daß er einen falschen Eid leisten wolle. Niemand aber wagte eS, ihm Vorwürfe zu machen, denn Zobel galt für einen gefährlichen Menschen. Der Rabbi allein nahm sich vor, auf die Bitte Kella'«, seiner Großnichte, einen letzttn Versuch auf Zodek zu machen. Zwei Male schon hatte er ihn zu sich berufen-lasten, aber unter dem Vorwände wichtiger Geschäfte war er ausger blieben. Aber so lasterhaft, ebenso abergläukstch war Zodek. Auch er glaubte, die begangenen Sünden durch Kasten und Beten in der Bußzeir in dem großen Schuldbuche Gotte« auSlöschen zu können, mit dem Vorbehalt, am Morgen nach dem VersoßnungStag wieder anzufangen. Jedermann, der seine Mitmenschen täuscht, schmeichelt sich auch, Gott täuschen zu können. Der Rabbi bereitere sich vor, seine Büßpredigt vor dem Schofardlasen zur Rettung zweier Unschuldigen anzuwenden. Mil großer Berebrsamkeit, wie sie insonder« auf die Herzen einer ländlichen Bevölkerung zu wirken vermag, schilderte er die Sttafen, welche den unbußferrigen Sünder treffen und guf viele Geschlechter noch wirken. Dann ging er ÜMFf auf da« Verbrechen de« falschen Zeugniste« und de« Meirv \ eide«, die so selten unter den Juden sind. Alle Blicke wandten sich unwillkürlich auf Zodek, der da« Hauj/t gebeugt und den Hut bi« in die Augen gedrückt, in seinem Winkel faß. Nun versenkte sich der Rabbi in eine au«Hhrliche Schilderung der Höllenqualen, welche de« Meineidigen warten, die feinen Körper wie mit Schlangen zerschlagen, seine Seele wie mit Feuer verzehren. Tropfen kalten Schweiße« rieselten Zodek von der Stirn. Und indem der Redner so Furcht und Schrecken in die Herzen seiner Zuhörer geworfen, wandte er sich plötzlich an den Schofardläser: „Auf, verkünde dem Volke durch die Töne de« heiligm Instrument«, baß der himmlische Gerichtshof eröffnet ist, welchem Gott selbst, der Herr über Leben und Tod, vorfitzt." Die ganze Gemeinde war tief erschüttert; Seufzm und Stöhnen tönre durch da« janze Gotteshaus, al« bei dem ersten Tone de« Schofar« sich plötzlich die Pforte der Synagoge öffnete, und der Maire, mit seiner AmtSchärpe umgürtet, und von zwei Geaßdarmm gefolgt, eintrat. Er ging gerade auf Zodek gii und sprach zu ihm mir leiser Summe. Beim Anblick brr GmSdarmen hörte da« Geschrei auf und machte einem allgemeinen Schrecken Platz, und dis-Blicke »andren sich dem Maire und dem Ange» redeten zu. Man erfuhr bald, daß e« sich am Zodek handle, gegen welchen der Maire einm LerhastSdefehl hatte. Allgemeine« Gemurmel erhob sich in der Synagoge. „Er konnte wohl warten bi« nach dem Gottesdienste!" rief eine Stimme. Der Rabbi gebot, nachdem er einige Worte mit dem Maire gewechselt hatte, de« Widersetzlichen Stillschweigen, und sich gegen Zodek wendend, rief er au«: „Siehe, da« Gericht!Gotte« beginnt! Stirb lieber^ eh« Du ein falsche« Zeugnkß ablegst. Wir werden zu Gott für Dich beten." „Dank, Rabbi," enviederre-dieser, sich den GenSdarmen überlastend. „Ich werde die Wahrheit ttden." „Geh hin!" rief der Rabbi; „es giedt keinen Sünder, der sich nicht reinigen könnte durch wahrhaftige Reue, Du hast Böse« gerhan, thue da« Gute.' ».Ich werbe e« lhun!" rief Zodek schluchzend, indem er da« Gotteshaus verließ. Und da« Schreien, Seufzm und Heulen begann von Neuem. VIII. Zodtk war schon vor den Untersuchungsrichter vorgefordert worden, um über die Angelegenheit der beiden jungm Leute auszusagm. Er mißfiel dem Richter, und unverwerfliche Zeugen bewiese« vor Gericht, daß Kalman dk« Stadt Straßdurg in demselben Augmdlick verlassen habe, wo Zodek ihn um da« Hau« Jäkel« schleichm gesehen habm wollte. Und kaum hatte der Schulmeister Jäkel und seinen Makler angezeigt, al« der Richter einen DerhaftSdefehl gegen letzteren verhängte, al« tjnr« falschen Zeugnisse« verdächtig und ihm eine Vorladung zum schleunigen Erscheinen vor Gericht zuschickte. Zodek,- erschütttrt dusch die Drohungen des Rabbiner« und am Rosch - Haschahnuh - Tage selbst arrstirt, legte vyll»

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