Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 18 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 „ Schlangenzunge!" schrie Jäkel, roth vor Aom sich erhebend; „geh von dannen, oder ich jage Dich wie «ine... Er blickte in dablaue Auge Maringrete'-, in dem eine Lhräne glänzte, und hielt inne. Diese, fast zusammm brechend, und sich ihre schonung-lose Kühnheit vorwerfend, sagte mit halb erstickter Stimme: „Mein Vater, ich geh«. Wenn Ihr im Unglück sein werdet, denkt daran, daß Ihr eine Tochter habt!" In diesem Augenblick begab sich der Schulmeister, der zukünftige Mann der ältesten Tochter Jäkel'- zum Notar, der da- Jnventarium der verstorbenen Mutter seiner Braut aufgesetzt hatte. Der Notar war verstorben seit sech- Monaten und sein Amt an einen rechtschaffenen jungen Mann | auder Umgegend verkauft worden. Aldieser, nach langem Rachsuchen, die Copie devom Schulmeister verlangten Jnventariumgestruden hatte, loer am Rande die von dem verstorbenen Notar eigenhändig geschriebene Note, die also lautere: „ Bei meinem Seelenheil und auf mein Gewissen sage ich au-, daß diese- Jnventarium falsch ist. Anstatt fünfzehn Hundert Franckommt jeder der Erbinnen fünfzehn Taufend Franczu. Da- Geld, welcheich durch Uebermittlung eine- Juden angenommen habe, sowie alle- Uebrige, wamir nicht rechtmäßiger Weise gehörte, ist in die Kasse de- Spitalzu Hagenau geflossen. Möge Gott mir gnädig sein!" Der Schulmeister hatte diese Note über die Schulter de- Notar» hinweg gelefm. Ewurde ein Act über diese- GestLndniß ausgenommen. Er begab sich sofort nach Straßdurg zu einem Advocaten, zu dem Endzweck, «in neue- Dermögm-inventarium seiner verstorbenen Schwiegermutter zu verlangen; aber er trug Sorge, Niemandem vor der^ Feier seiner Hochzeit etwadavon verlauten zu lassen, bst in der Thal vierzehn Tage nach dieser Entdeckung, ohne Pfeiffen und Trompeten, wie ein deutsche- Sprichwort sagt, stattfand. solq,.) David Bernhard Frankl j in Prag. , (ftcrtfeQusg an» No. 17.) J Unter der Leitung und Anhörung degenialen Obercantor- S. Sulzer übte er zwei Jahre die Functionen eine- Chorsänger-. Nicht nur daß feine musikalische Befähigung au-gebildet, ewurde auch durch den neu eingefiihrten würdigen Gottesdienst, wie durch den Religionsunterricht devon seinen Schülern unvergessenen geistvollen Vr. Salschütz eine Stimmung in seiner Seele wachgerufen, die mit den frommen Eindrücken demütterlichen Hauses gepaart, ihn sein ganze- Leben hindurch alleise Melodie de- Herzenbegleitete. Eine ganz entgegengesetzte Sphäre wieder war e-, wo der Knabe sich Bildung fi!r daäußere Leben spielend und in angenehmster Weise aneignete. Durch seinen Bruder lern» er namentlich literarische Persönlichkeiten, mit denen jener bereitim freundlichsten Verkehre stand, kennen; zuweilen wohl auch al- Bote, um irgend ein Buch oder eia Manuscript zu überbringen. Der Knabe, schön und geistig wie er war, erregte Wohlgefallen > und wurde herzlich ausgenommen und wohl auch von Celebritätm wie Grillparzer, Bauernfeld, Graf Mailich, Erzbischof Pyrker u. f. w. zu ^wohlwollendem Gespräche festgehalten. Bildender noch für ihn war e-, daß er in der Familie der berühmten, in Oesterreich noch nicht übertroffenen Romandichterin Carolin« Pichler, im Haufe Hammer-Purgstall'-, der Schmerling, hek. k. Obersten von Gunz, der geistvollen englischen Familie Egan ü. s. w. ausgenommen wurde und die ihm im Alter ebenbürtigen Knaben in denselben zu Spielgenoffen hatte. Hier kam ihm der frühzeitig beobachtete maßvolle Umgang seiner Eltern mit den Personen de» bischöflichen Hofeseiner Vaterstadt zu Statten, während er jetzt noch medr Gelegenheit hatte, feine Weltsitte, .anstandvolle- Betragen und Thun zu lernen. So vergingen drei Jahre. Die arbeitvollen, medicintschen Studien, die literarischen Arbeiten und die der Selbste erhaltung gewidmete Zeit I seine- Bruderwar wohl rÜckfichtlich der letzteren etwamilder geworden, dafür aber murine die Stimme de» Knaben und machte ihn unfähig länger im Chore de- Tempelmitzuwirken. So wurde da- Einkommen wieder geschmälert, während der Bedarf «her ein größerer geworden was. Jugendliche Freiheiten, wie sie bei geistig beweglichen Knaben, die keiner strengen Aufsicht unterworfen so natürlich Isiad, — wenn »in Schüler durch den Frühling gelockt mit fröhlichen Genossen lieber die Berge besteigt und singend durch Wälder zieht, statt auf der dürren Schulbank zu sitzen, kämen mitunter vor. Nicht immer aber waren elustige FrÜhling-fchwärmereien, und so rierh der ältere Bruder, da David Bernhard eine ziemlich kaufmännisch theoretische Vorbildung sich bereitangeeignet hatte, ihn einem Oheime in Prag, dem geachteten Handlung-- hause Josef I. Pollak zu praktischer Ausbildung zu übergeben. i Im Jahre 1835 gelangte er, von seiner besorgten Mutter geleitet, an seinen nrüen Bestimmungsort. Ewar zu seinem Wöhle eine tüchtige und Grenze Schule, in welcher er hier ausgenommen und die durch die verwandtschaftliche Beziehung wenig gemildert wurde. Da- Hanblung-hau-, in den. mannigfachsten Geschäft-sphärrn thätig, bereicherte den ksäftigen Jüngling mit vielfältiger Einsicht und Erfahrung. Der geistige Zag und Sinn aber und die Jugend forderten ihr Recht. Wenn-die Arbeit de- Tage», bi« nicht selrm auch Srunden der P^cht in Anspruch nahm, vollendet war. widmete er die spiftlich übrige Zeit meist poettfcher Lectüre, wenn möglich dem Theater, da-!iho mit den Schriftstellern Prags, an deren Berührung er von Wien her gewöhnt war, wenigstenin eine äußere Verbindung sttzte. Unter ihnen fand der alternde, gewiegte Schriftsteller W. A. Gerle, der sich gerne mit frischer Jugend umgab, an dem jungen Manne seiner witzigen Einfälle^nad geistigen Lebhaftigkeit wegen den meisten Gefallen. Wie früher mit Uffo Hom und Dr. I. Lederer schrieb Gerte jetzt mit D. B. Frankl eia Lustspiel „Mademoiselle Colomb", .zu dem er selbst dadramatische Gerüste, Frankl den witzig sich einfügenben Dialog lieferte. Da- Stück wurde auf den Bübnen von Sruttgart, Prag und Wien unter Beifall aufgeführt. Ebehandelt eine einfache Begebenheit audem Leben deftauzö--