Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 17 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 ) - ihres Gatten mit einem Male verarmt, weil das kaiserliche R.gale auf eine Frau nicht übergehen konnte, mit srchS Waisen peinlicher Gegenwart und einer traurigen Zukunft preiSgegeden, hatte sie nichts als Erbtheil, als den guten ehrenhafte» . Namen ihress verstorbenen Gotten, den Ruf ihrer eigenen energischen,, frommen, edlen und üd^r Alles streng rechtlichen Persönlichkeit. Es waren schwere und dunkle Zeiten für die Familie gekommen. Der Einzige, der ihr vielleicht hülfreich Hane zur Seite stehen können, war ihr ältester, freilich erst fünfzehnjähriger Sohn Ludwig August. Sie kannte aber seinen Haag zu Studien und sie selbst besaß zu viel Ehrgeiz, unt ihn denselben zu entreißen. Ihre Briefe aus jener Zeit sind ein wahres Muster eines energischen DerlrauenS zu Gott, das den Gedanken nicht ausiommen läßt, als könnte er eine Mutter mit ihren Waisen verlassen! Darin lag daS Geheimniß, daß sie nicht zusammenbrach, das sie erfinderisch machte, um mit einem kleinen Ersparntß einen Kaufladen einzurichten, den eingeschränktesten HauShalt zu bestreiten. Ader es galt auch die Ehre des Hauses nach Außen hin. Kein Armer schieb, wie sonst in besseren Zeilen, ohne Almosen und er trug den langher von der Familie erworbenen Ruf außerordentlicher Wohlthärigkeit weiter. Kein Gast durfte ahnen, wie kärglich die Familie lebte. Die Kinder erschienen wie sonst, anständig und reinlich gekleidet, sie besuchten regelmäßig die Schule und eia durch Jahre bewahrter treuer Hauslehrer wurde trotz anstrengendster Opfer nicht entlassen. Die Gute, Fromme setzte es durch — „mit Gottes Hilfe!" Sie sah noch ihr« Kinder versorgt und garen Zielen entgegen gehen; sie ließ sich ihr jüngstes Kind, ihre einzige Tochter, im Brautschmucke an ihrem Sterbelager vorführen, da sie keine Hoffnung mehr fühlte, dieselbe unter den Trauhimmel zu begleiten. Sle starb betagt, unmittelbar vor den vechängnißvollrn Märztagen des Jahres 1848 und hm» terließ ein nicht unansehnliches Vermögen, vor Allem aber den Ruhm einer innerst frommen, geistig starken, wohlthätigen Frau, eines in sich fest geschlossenen mir sich und der Welt klaren Charakters, deren »Namen noch jetzt in weiten Kreisen gesegnet wird. Auf dem keinen Gottesacker des böhmischen Dorfes ZajeSdec ruht sie neben ihrem Gatten und von ihr verkündet der Grabstein, daß sie dem Pelikan glich, der daS Herzblut vergießt, um seine Jungen zu nähren. Die Gcoßmptter väterlicher SeitS, Marianne, die mit in der Familie lebte, eine durch Geist und noch im Alter durch Schönheit ausgezeichnete Frau, war eine geborene A Honig und die Schwester jene» Israel Hönig, der wegen seiner Verdienste um den Staat von Kaiser Joseph II. mit dem Titel und Range eines k. k. österreichischen RegierungSratheö ausgezeichnet, mit dem Prädikate von HönigSderg in den Adelstand erhoben und gegen den Willen der österreichischen Landstände Herr der Herrschaft Velm mit allen ParronatSrechlen in Nieder-Oesterreich worben ist. Da gab «s denn Erinnerungen aller Art, glänzende und pikante Scenen, die mit einem nicht ermüdenden Gedächtnisse, wohl auch mit mancher Ausschmückung immer wieder zum Stolze der Familie erzählt wurden und ihr in der sie umgebenden kleinen Welt ein besonderes Ansehen verschafften. Die kleine stavische Stadt endlich bot manches anregende und fördernde Element. Sie war der Sommersitz des Bischofs vs» Köaiggrätz, damals eines aus dem ältesten böhmische» AdelSgefchlechre stammenden Grafen voaKolowrar, der nebe» einem geistlichen auch einen weltlichen Hof um sich versammelte. Kirchlich pompöse Aufzüge wechselten mir fröhliche» Jagden, auf welch« schöne Damen zu Pferde mrtzogen. Ernsten GerichtSscenen und Verhandlungen in den Beamtenstuben des Schlosses folgtm heitere theattalifch« Darstellungen in dessen Sälen. Eine Bibliothek und Gemälde, ein Gactea mir erotischen Pflanzen regten die Neugierde und Phantasie mannigfach an. Mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten dieses Kreises, mir der Beamtrnwelr, stand die durch Bildung und Sitte ausgezeichnete Familie Frankl in mannigfachem freundlichen, häufig freundschaftlichem Verteyre. Die doppelt« Beschäftigung per Bürger endlich mit Ackerbau und Handwerk gewährte einen reichen Eisidlick in mannigfache Zustände und Verhältnisse. Diese Beziehungen und Umstände waren eS auch, welche i die nur eine, mitten in einer christlichen Bevölkerung wohnende jüdische Familie, svelche ihr eigenes Haubefaß, niemals den Druck und btn Hohn fühlen ließen, die damals noch vielfach geübt worben sind und gewährten eine freiere Entwickelung d«S Geistes, der nicht gedemülhigt wurde, - weil er einen anderen Glauben bekannt». David Bernhard, ein blondgelockter, schöner Knabe mit tief schwarzen, geistvollen Augen besuchte, wie seine Geschwister die czechische Schule in Chrast, in welcher «inst die Pikardilen, ober wie sie später hießen, die mährischen Brüder ihre Zusammenkünfte hielten, nicht ohne in der katholischen Stadt manche protestantische Regung und Entwicklung zurückzulassen. Während der Knabe zu Haus« sich in der deutschen Muttersprache auSdrückesi und die Bibel aus der Ursprache übersetzen lernte, war Ihm die czechische Sprache eben so geläufig. Unterricht in Klavierfpiel und Gesang vollendete den Kreis de» ländlichen Unterrichtes. Der Knabe zeichnet«! sich, wie lebhaft auch feine Geisteskräfte wirkten, durch eine für sein Alter auffallend« Ruhe und sanfte Nachgiebigkeit au». Niemals bereitete er seiner Mutier unwillkürlich durch Krankheit Sorg«, oder durch sein Betragen Verdruß. Wenn zuweilen irgend ein« überraschende Bemerkung wie ein Blitz aus ihm hervorbrach, pflegte sie dem Hauslehrer beglückt zu sagen: „AuS dem wird, geben Sie Acht, einmal tvvatz Großes werden. Seine Schönheit und Gemüthsart, sein iGeist sind ganz dazu geeignet, daß er ein Glücklicher werden wird." ( Der älteste Sohn der Familie Ludwig August war mittlerweile nach Wien gegangen, um sich den mediciaischen Stubsen zu widmen ostd hatte durch sein poetisches Erst» liagSprobukt Aufsehen erregt. Dadurch rasch in die vorzüglichsten geselligen Kreise der Residenz gezogen und mit Auszeichnung empfange», von der Kritik als Talent begrüßt, verhalf ihm die» doch Nicht dazu, seinen Studien ungestört obliegen zu können; er! mußte sich Subsistenzmittel mühsam und zum Rachtheile seine» Talentes durch Unrereichrgebea erringen. Nichtsdestoweniger jstellte er der Mutter dm Antrag, seinen jüngeren Bruder nach Wien zu fernerer Ausbildung zu dringen. Ihn dewogen bei allem Bewußtsein der Sorge und Verantwortlichkeit, die er sich aufdürdete, mehrere Gründe hierzu: