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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 17 (1860) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
17 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 jiz Grunde richten und »eine Papiere verbrennen i aber der Schlag ist fehlgeschlagen. Das Hcius ist versichert. Dennoch aber das Jnvenlarium .... AjpropoS, es scheint mir, daß dein GlaubenSbruoer Kalman bewunderungswürdig gehandelt hat."! „Ab! Du glaubst an Kalman? Efnfalt-pinsel Du! Er ist der intime Freund Tonv'S und n ehr noch, der bevorzugte Geliebte KeUa'S, die wiederum d e einzige Freundin Maringrer.'S, welche, das brauche ich Dir nicht zu lagen, die Geliebte Tonv'S ist. Das sind eine zanze Familie von Pilzen, guten und schlechten, aber mehr schlechten alS guten." „Was sprichst Du mir da vor. Zovrk? Meine Gedanken waren anderSwo. Ich vermutlsste .... Aber daist ein Gekeimniß, ich wage nicht, »S Dir zu sagen." „Nun, kann zwischen un» Beiden eM»ä ein Gehermniß bestehen? Bin.ich nicht Mitwisser aller Geheimnisses War ich e» nicht, der den Notar bezahlt hat, her das falsche Invenlarium gemacht, das man Dir unlängst entwendet hat? ES muß noch ein zweites Eremplar ich Concepk beS Notarius da sein. Ich glaube, meiner Hreue, daß ,S sich um etwas wie 30,000 Francs handelt, j Ich erinnere mich dessen. Eine Null weniger sirr side Deiner Töchter; anstatt 15,000 Francs har er 1500 gesetzt. Wie oft Jäkel habe ich Dir eine Null mehr verschafft?' „Nun ja, wir sind befreundet genüg, um uns Alles gu sagen. Ich habe meinen Galgenstrick Ivon ältester Tochter - in Verdacht. .Sie liebt jene lange Hopfenstange von Schulmeister, ein Bettler, ein schäbiger Kerl,! der den Eisenfresser^, macht. Oie zweite könnte sehr wohl um [all,$ wissen. Du weißt, baß si> die Heren von Oberes aufsucht. Man har mir versichert, baß diese durch den Kamin kommen und auf Brsenstielen'nach dem Gehölz von Richstebt reiten, wo sie : Kegel mir Todtenköpfen" spielen. M^in« Frau fürchtete! meine ältesten Töchter, sie liebte nur' Pkaringrete." „Du schweifst ab, mein Alter," erwsederte Zodek. „Ich kenne Deine Brandstifter, ich habe sie »gesehen." „Du hast sie gesehen!" rief Iake^, aufspringend auS seinem Winkel wie ein Tiger und ihn heim Kragen packend. „Bist Du bereit, dievor Gericht auözufagm?" .. Bor dem lieben Herrgott in Person." „Ab!" nef Jäkel, in einem halb possierlichen, halb ernstem Tone, „im Grund« bist Du doch rin rechsschaffener . Mann, Du hast zuweilen Gewissensbisse. Nun . . . j Es trat ein augenblickliches Schweigen ein. | „ Kalman ist es und Tony; ich habe sie gegen eilf Uhr um das Haus berrunschleichen sehen." „Du mußt Recht haben, Zodek. Dieser dettlige Tony j haßt mich eben so, wie ich ihn hasse. Et nennt mich Wucherer, Höllendralen; er har mir mit ssner Anklage gedroht wegen einer elenden Summe, die mir lsein Schwager schuldet. Er ist eS, der mir den Schlag verseht haben muß. Ec har eS wahrscheinlich auf meinen' Geldkasten und auf die Entführung Grete'S abgesehen. Wer weiße sie ist'vielleicht im Einverstänbaiß mit ihm, sie sist di, Freundin der Braut seines Mitschuldigen. Ja, ja^ ich halte sie dafür. ‘ Wohlan, Zodek, Du brauchst dies nur in meiner Gegenwart vor Gericht zu wiederholen; Du wirst eS mit keinem Undankbaren zu rhun haben." i „Za," erwirb,rte dieser, bitter lächelnd; „Du wirst mir j Deine Dankdarkit durch ein FünffraucSstück beweisen. I Geb dock, alter Pfennigftichser, wenn, ich sie anklage, wenn; ich sie förmlich denuncire, so . . ." Er hielt einen Augenblick inne, dann fuhr er fort-: „ES ist, weil ich sie gesehen habe, hauptsächlich Kalman, rin wahrer Scheinheiliger an Sanfrmuth und Frömmigkeit; übrigens ein dummer Esel wie keiner mehr. Tony macht auS ihm Alles waS er will. Man wird sie feiern als die Rehker Deiner Tochter und Deines Vermögens-, Tony, glaube ich, har Dir sogar das Leben gerettet. Das ist possierlich!" „Zodek," sagte Jäkel, indem er seine Lumpen abwarf und auS einem Verschlage einen alten Ueberrock hervorbolte, „wir haben binnen vierzehn Tagen eine Biehpachl um halbe Nutzung zu rbeilen." „Und dann nachher?" „Du wirst mich nach Straßburg begleiten. Ich gebe Dir die Pacht ganz allein. Sieh, wenn Du nicht Jude wärest, so würde ich Dir Maringrere zur Frau gehen." „Larifari! Maringrete spottet Deiner. Sie wird Tony heiralhen, wenn Du ihn nicht zu Schanden machst." „DaS wollen wir schon machen. Man muß die Sache nun zu Ende bringen. Ich habe schon genug an meinen beiden Schwiegersöhnen, die mich nicht leiden können. Mas Kalman betrifft,. so hielt ich ihn für einen rechtschaffenen Mann." „ Das wird oaS Gericht entscheiden," erwiederte Zodek. Dann fügte er mit leiser Stimme für sich hinzu: „Man wird Dir was Anderes geben als Deine Kella, Du armseliger Lumpensammler." David Bernhard Frankl in Prag. *) David Bernhard Frankl wurde in der Stadl Chrast in Böhmen am 8. Mai 1820 geboren. Er war der vierte Sohn seiner Eltern und dankte feine beiden Vornamen einem traurigen Familienereignisse. Das kam so: Kur; vor seiner Geburt starb der Vater und der Bruder seiner Mutter, ohne daß Einer um die Krankheit des Andern wußte, wiewol in einem und demselben Haus, in einer Stunde und so wurden dem Neugeborenen in frommem Andenken die Namen der Beiden, seines Großvaters und seine» OheimS zu Theil. Aber nicht die Namen allein, eS erdre auch der echt jüdische, sittlich ernste Geist, ein unverbrüchliches Gotlvertrauen des großelterlichen Hauses, durch die fromme Tochter Therese Herrmann fort, welche die Mutter unseres David Bernhard wurde. Sie war mit dem k. k. Tabak- und Siegelgefäll-Distrr'ctS- Verleger Leopold Frankl vermahlt und verwitwete frühzeitig; David Bernhard zählte damals fünf Jahre. Diese Mutter verdient es vor Allem hier mit einigen Zügen gezeichnet zu werden. AuS einer wohlhabenden Familie stammend, in gesicherten LebenSverhältnissen, kannte sie keine anderen Sorgen, als die für die physische und religiöse Erziehung ihrer Kinder. Durch den plötzlichen Tod *) Aus einer biographischen Lkizze von W.. die als „Ma. nuscripk für Freunde" gedruckt worden. R e d a c t.

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