Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 17 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Knabe hatte das, waS in der! Schule seiner Vaterstadc zu erlernen war, erschöpft; die? Mutter, dre.bereits «inen Sohn, Eduard, nach Reichendes zur Erlemung der Kaufmannschaft, einen zweiten, Wilhemi, dem Gymnasium und später dem Studium der Chemiej. in Prag nicht ohne schwere Opfer gesendet halte, war nicht im Stande, ein gleichefür David Bemhard zu lhun. So wurde dieser von der Mutterem Jahre. 1832 nach Wien gebracht, wo er die vierte Haujttfchlulclasse des k. k. Waisenhauses in der Währingergaffe besuchte und nach Vollendung derselben in den Realschulen dft t polytechnischen Institutes ausgenommen wurde. i Während dieser Zeit theilte sein »ruber mir ihm das Lager. da- Brot, nicht selten die Nöth. Diese durch die schöne Diskantstimme, die dem Knaben eigen war, und durch musikalische Ke^irmß deS Klavierspiels unterstützt, wurde für ihn wenigstenin etwas gemildert. Der altere Bruder verwendete sich bst einem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Wien, dem munmehr geschiedenen Ehrenmann« M. H. Becr, dessen Minder er unterrichtete, und David^Bernhard wurde alS Chor-rabe beim israelitischen Tempel ausgenommen. ' > jsvnicyuog felgt.) | . J Notizen des Tages. Das preußisch« Sraarsministßrtum hat durch einen Beschluß erklärt, daß in Gemäßheit ^eS Art. 109 der Der» fassung, alle Bestimmungen des Jndengesetzes von 1.847, welche der staatsbürgerlichen- Gleichstellung der Juden entgegenstehen,-aufgehoben seien. Die! Verwirklichung dieses Beschlusses ist aber jedem Minister ja seinem Ressort überlassen, und der Justizminister hat! erklärt, daß er .keine Juden als Richter, und der UnterricÜtsminister, daß er keine Juden als Lehrer an christlichen Anstalten anstellen werbe! — Die Juden des österreichischen Kaisers!« at es haben für die Aufhebung der sie druckenden Beschränkungen feierlichen Gottesdienst in den Synagogen gehalten, und durch Deputationen ihren Dank vo^ dem Throne ausgesprochen. — . Die „Herren" in Preußen Sonnen sich immer noch nicht über die Zulassung jüdischer Rittergutsbesitzer zu den Kreistagen beruhigen. DaS „Herrenhaus" hat deshalb ein Ta.delnSvomm dem Ministerium dekretirt. — Durch kaiserlichen Ukas ist den jüdischen Kaufleuren aller drei Gilben der Besuch der »andelsmesse in Kiew gestaltet und die Juden im dortigen Handelsverkehr anderen russischen Unterrhanen gleichgestellt. „ disten ihren Vorgesetzten, ihre christlichen Cameraden während der Festtage mir dem Dienste auf den Wachen und alS Patrouillen in der Nacht zu verschonen und sie denselben übernehmen zu lassen. Der Obrist willigte ein, und um den jüdischen Wehcmännem eine Ehre für die Gesinnung zu erweisen, untersagte er dem Lieutnant, in dieser Nacht die Runde zu machen, um so sein Vertrauen auf die Wachsamkeit der jüdischen-Nationalgardisten zu beweisen. — So haben also die furchtbarsten Gesetze der Absonderung, welche fast ein halbes Jahrhundert (seit 1816) hier wieder mir Strenge aufrecht erhallen worden. Nichtbewirkt, als eine desto innigere Annäherung unter den verschiedenen Confessionen hervorzubringen. Die „A. Zeit. d. Judenth." berichtet aus Madrid, der Hauptstadt Spanien'-: Es waren nur noch wenige Tage zu Jom Kippur. Mehrere sich als Juden erkannt habende Bewohner der Stadt Madrid hatten sich gegenseitig verabredet, jenen hohen jüdischen Buß- und Betrag gemeinschaftlich mir Fasten und Gebet zuzubringen. Aber zu Aller Leidwesen fehlte nur noch ein Mann zur Vervollständigung de» Minsim. Da war guter Rath lheuer, und man beschloß, an allen öffentlichen Plätzen und Anstalten mir größter Sorgfalt aufzupaflen, um einen Glaubensgenossen zu erspähen. — So stand der Eifrigste der Gesellschaft am Brief-Posthalter, denkend: vielleicht daß mir das Glück lächelt, und Jemand, den ich suche, einen Posie resianle-Stiff adholt, als auch wirklich Jemand ans Schalter trat, und einen Brief an Herrn Meyer p,»ste restante nachfragte. Da trat der Erster« einige Schrille zurück, und als Herr Meyer an ihm vorüberkam und die Gesicheszüge ihn noch in Zweifel ließen, ob Spanier oder Jude, rief er demselben zu: Scholem alechem! Beim Hören dieser Worte drehte sich Herr Meyer schnell um und rief vergnügt ein über da-andere Mal: Scholem! Scholem! Als derselbe nun gehört hatte, um was eS sich handle, daß man ihn zur Vervollständigung eines MinjanS brauche, da war dieser hochvergnügt, baß sein eigener sehnlicher Wunsch nunmehr erfüllt sei, den Jom Kippur im Kreise seiner Glaubensgenossen feiern zu können. — Wahrlich, Gott verläßt die Seinen nicht, und wer ihn sucht, der sinder ihn. Louis Lehmann. Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebrai, scher und hebräisch-deutscher Bibeln haben die Höhe von 4376 Thalern Ngr. erreicht. Curivsa.z In Ferrara, einer.Stadt, die hoc Kurzem noch unter dem päpstlichen Zepter stand, Halts der Odrist der Rationalgard« die Juden am verflossenes Rosch-Haschanah- und Jom-Kippurfeste vom Dienst, dispensirt. Als das Weihnachtsfest heraanahele, ersuchten dft jüdischen Nationalgar¬ Allgemeine Zeitung des JudentbumS. No. 16. 1860. Leitende Artikel: Aus Litthauen. — Dien. — Ritter v. PawlrkowSky. — Eine Christen - Antwort, Gras Berenvi Geschichte des Volkes Israel. — Die israelitiscbe Bidelanstalt. Zeitungsnachrichten: Preußen: Königsberg, Berlin, aus Schlesien. Lesterreichischer Kaiserstaal: Aue Bödmen, Wien, ans Galizien- Die -Schweiz: Endingcn, 3t Gallen. S? Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vieneljäbrlick Tbaler. - -- -—---—- - Berantworrlicher Redacteur: K. Nabe. Bertas »o, Sau girtBcr’* Vuchhaovluug is -ripjig. — Druck von &. Srevsiug in rripzig.