Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 17 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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( Jüdisches BolkMatt. Zur Belehrung und AnterhaNuug aus jüdischem flekiete. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig PhiliPpfou in Magdtbur^. sNo. 17. 1860.1 Bvo dicjrr'AnUchrift rrschein« w-deutlich eine Stummer. Preis M Ichr» gang» l Thtr. «ierreljährig l’A Rgr. Alle Buchhanrlungen, Pvftamrer und Zeilullgtexpeditione» nehmen Bestellungen an. j [7. Jahrg. 2. Quartal.]1 Kella. Eine elsasstsche Dorfgeschichte, nach bcnt Französischen von Alexander Weill. IV. Die Tugend befruchtet gleich der Sonne den guten Boden und verwandelt den schlechten in Wüsten; wiederum wie die Sonne, zieht sie durch ihre Warme alle Arten Insekten und Gewürm an ' Kella, bekannt durch ihre musterhafte Hingebung für ihre Eltern, hatte außer der Liebe/ welchesie Kalman eingeflößt, der dieselben Tugenden ausübte, auch die Leidenschaft eines gewissen Zodek erregt, der sie schon seit zwei Jahren verftlgte, indem er ihr Herz und Hand anbot. Zodek war der Geschäftemacher, im jüdischen Jargon der Balsasron Jakel'S. Im Elsaß werden alle Geschäfte der reichen Katholiken durch Vermittelung armer Juden gemacht, die gegen eine daare Eourtage die schwere Verantwortlichkeit deS Wuchers und Betrugs über sich nehmen- Die Juden, die ein gewisse- Vermögen haben, sind sehr vorsichtig, und ‘ setzen sich den Gefahren einer Anklage wegen Wuchers nicht auS; aber die armen Teufel, die nichtzu verlieren haben und die wie wahre Geschäfts;Lger ein Dutzend Dörfer täglich durchlaufen, kümmern sich weder um Gesetze, die sie Übrigens auch nicht kennen, noch um daS Gerede darüber. Vorausgeseben, daß sie ihr. spärliches Brot gewinnen, zuweilen ein Bierzigsousstück, fragen sie nichtdarnach, wenn ein Bauer beim Kaufe eines Pferdes oder einer -uh betrogen ist, oder daß dieser bei einem öffentlichen Verkaufe, bei einer Versteigerung von Wein und Liqueurs benebelt ein Stück Land, danur fünfzig Francs werth ist, mit hundert bezahlt. 's Jedoch sind größten TheilS diese Makler und Geschäftemacher nur die Abbilder von dem Charakter des reichen Patrons, den sie repräsentiren, und fiir den sie arbeiten im Angesicht und mit'Wissen der ganzen Welt. Wie der Herr, so der Knecht, wie der Makler, so der Patron. Zodek war das würdige Contrrfei Jäkels. Er war nicht allein wegen seiner cynischen, brutalen und marktschreierischen Sitten, sondern auch wegen seiner Hartherzigkeit gegen die armen Gläubiger seines Patrons, denen er oft die Ernte auf dem Halme wegnehmen ließ, bekannt. Zodek war von allen rechtschaffenen Juden de- Cantons verabscheut; denn er rief durch seine ärgerlichen Handel und Processe viel chilel haschem hervor. Mit anderen Worten, anstatt durch Tugend die jüdische Religion zu Ehren zu dringen, schändete er sie und setzte sie der Verachtung der Christen aus. Seine Gefährten cchs der Kindheit mieden seine Gesellschaft an Sadbarh uNd Festtagen; in der Synagoge hielt er sich isolirt neben dem Eingang der Thüre. Zodek hatte nur eint gute Eigenschaft. Obgleich er ein Bastard war und weder lesen noch schreiben konnte /chatte er seine Mutter Zeit ihres Lebens erhalten und sie nach ihrem Tode sehr beweinü Ader nur Kella erkannte diese Tugend. an. Zobbk war von großer Statur, seine Züge waren regelmäßig; aber sein" Haaq krau- und sein großer Backenbart gab ihm ein gekünsteltes, fades Aussehen; und da seine Backenknochen immer gieröther waren, hielt man ihn dem Aussehen nüch für einet, Trunkenbold. Zum Erstaunen alirr Dorfbewohner hatte Zodek fein Auge auf Kella geworftin. Einige Zeit hindurch versuchte er, aber vergebens, Geschäfte für Herrn Cohen, den Brotherrn seiner Angebeteten, zu machen. Vergebens auch wiederholte ihm Kella vor der ganzen Dorfjugend, daß ihre Wahl getroffen sei. Zodek machte sich, trotz feiner gewöhnlichen. Grobheit nichtau- Kella's Zurückweisungen. Er antwortete ihr nur, chdem er feine großen und klotzigen Augen starr auf sie richtete, als wolle er sie nach Art der Schlangen dadurch bezgubern: „Ich werde warten. Alles fällt dem zu, der zu warten versteht." Er wartet? schon beinah drei Jahre. Der Augenblick schien ihm gekommen. Die Handlungsweise Tony's und Kalman's erregte allgemeine Bewunderung,; und während das ganze Dorf von einem Feste, das man Ihnen zu Ehren feiern wollte, sprach, begab sich Zodek zu feinem Patron Jäkel, der sich nachdenklich und nachlässig gekleidet in einem Winkel der Scheune, der provisorisch zu einer Art Stube umgewandelt war, aufhielt. „Nun, Jäkel," sagte Zodek einrretend, „hast Du Deine Obligationen und Panier« gerettet?" „Es fehlen mir," erwlederte dieser, „3000 Francs in Gold, dann das Jnveutarium und das Testament meiner Frau; Du weißt, dieses Jrwentarium, dader mir von Dir empfohlene Notar aufgesetzt hat. Das beunruhigt mich, und ich habe schon gedacht „Wer wohl das Feuer angelegt hat?" unterbrach Zodek; „denn diese Feuersdrunst ist nicht zufällig." „Du hältst mich Iwohl für.«inen Einfaltspinsel?" erwiederte Jäkel bitter lächelnd. „Wer spricht Die vonZufall? Das ist eine schone und gute Rache. Man wollte mich