Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 15 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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Und, indem er die Bettstelle dejungen Mädchens in 'Glücke zertrümmerte, vnd ein ziemlich spitzes. Dettdein derselben ergriff, versuchte er ein Loch in die Mauer von weichen ungebrannten Backsteinen zck machen. Maringrtte ihrerseits begann mit ihren Armen und Händen zu arbeiten. „Geb, mein Kind," sagte Kalman, <,bere wahrend ich arbeite." Und Marre fiel a»f ihre Knie und betete. Nach wenigen Minuten rief Kalman: „Wir sind gerettet:! Tonv wird mir mir zufrieden sein." Zn der That zeichnete sich daS Ltzch in der Mauer schwarz ab. ein Beweis, daß keine Spur' von Feuer in der Scheune war. Bald waren ste beide a»f dem Heuboden. Kalman'sprang, nachdem er mehre Bündel Heu und Sttoh in die Tenne geworfen hatte,- hinunter, nadm eine Leiter und rief Maringrere. Aber oaS junge Mädchen, das di^ dahin soviel Resignation und Kaltblütigkeit gezeigt hatt^, verlor das Bewußtsein, nachdem sie sich gerettet wußte. Es war Kalman unmöglich, sie von dem Heuboden heruntersteigen zu lassen. Ec sing an. um Hülfe zu fihreien, al» Tony ungeduldig, seinen Freund nicht zurückkommen zu sehen, in die Scheune trat, versehen mit einer Leites mit Seilen und einem Feuerhaken. Er hatte denselben ] Gedanken gehabt wie Kalman und wollte durch die Marter der Scheune in da» Zimmer feiner Geliebten dringen. ..Wo ist Maringrete?" rief er, al» tr Kalman erblickte. „Sie ist gerettet," erwiederte dieser. „Sie ist da oben; aber steige nicht hinauf, sie ist fast ga»H unbekleidet." Zn diesem Augenblicke ttar Kella ir» die Scheune, gefolgt von mehreren Frauen, die mit Brecheisen, .Kleidungsstücken und WirtbschafSgeräthen deladerS waren. Kalman und Tonv entfernten sich und Kella st»g auf ein Zeichen KalmanS auf den Heuboden zu ihrer Äeundin. , TLüt Dorfbewohner waren auf den Beinen und liefen in allen Richtungen um das HauS hemm.. ohne irgend ein Mittel zur Rettung zu finden. Nach Äerlauf einer Stunde lagen das HauS, die Schmiede und die Srellmacherei in Afckenhaufen verwandelt. Die Scheune und ihre beiden Schüppen allein waren vom Feuer vrkschonr geblieben, Dank küm Winde, der die Flamme nach der entgegengesetzten Seikt trieb. Während der FmerSbmnst hatte sich Niemand um die beiden alteren Töchter ZakelS getümmen, die sich übrigens in dem Stalle befanden, und die nur! mit einigen verbrannten Haaren davon gekommen warl n. Kella kaue ihre Freundin Maringqcre mehr lobt als lebendig mit sich genommen. irUr. > Folgen oes Aberglaubens nhb der Leichtgläubigkeit. Bon Albert Nose«ba V. Was aber der „Koppel" erlebt hat, haS überrriffl Alles. Der war mit in Spanien, als die Franzosen dieses Land eroberten, und wenn er von diesem Feldzug« und seiner Tapferkeit redete, so hätte man wahrhaftig glauben können, er allein, sage ganz mutterserlen allein, habe Eherona erobert und Granada bomdardirt. DaS glaubten ihm nun doch die Wenigsten; aber Augenzeugen versichern, daß Koppel immer ein furchtloser, tapferer Soldat gewesen sei, und aÜe Kameraden weit überlroffen habe. Eins seiner vielen Abenteuer bestätigen Alle. Ec hatte nänilich einmal freiwillig für ein Stück Brot den verlorenen Feldposten übernommen, welchen kein Soldat mehr üoernehmen wollte, "Neil es hieß, der Teufel spuke in dieser Gegend, und klopfe alle Nachr an da» Schilderhaus. Wie nun der Koppel so da stand, und die Mitternacht bereits hereingedrochen war, da klopfte es wie immer an daS Schilderhaus. Der Koppel zieht feinen Säbel, haut einige Mal hinter sich, und mußte wohl den Teufel gut getroffen haben, denn von diesem Augenblicke an klopfte er nie wieder und die Hexerei war zu Ende. Am andern Morgen erstaunte er nicht wenig darüber, daß brr zerhauene Teufet kein wirklicher Teufel, sondern eine große Distel war, welche vom Winde bewegt oft an das Schilderhaus getrommelt halte, und die nun in zwei Stücken am Boden lag. Und wie sonderbar! Derselbe Koppel, welcher in Spanien für ein Stück Brot den verlornen Feldposten übernahm, war in seinem Baterlande'eine wahre Fürchketatze. Denn als er einst eine, kleine Reife machte, und sich ein fürchterlicher Sturmwind erhoben hatte, kehrte ec bei einem bekannten Ckauff'-e - Erheber ein, und übernachtete da. An- : fangs schlief er gut. Aber daS HauS vom Sturm gefaßt, ' erzitterte einige Male heftig, und da wachte Koppel wieder auf. Kaum erwacht, horte er eine ächzende, klagende Stimme,; und ein Wesen in weißem Gewände streckte die Arme weil nach.ihm buS. Der täpfere französisch-hessische Krieger, an welchem höchst wahrscheinlich etwas andalusische Phantasie haften geblieben war, malte sich diese grausige Erscheinung so sehr aus, baß er von der Angst-überwältigt, den fürchterlichen Entschluß faßte, zum Fenster hinauSzuspcingen. Denn nicht vor wirklichen, sondern nur vor eingebildeten Gefahren hatte Koppel Furcht. Er riß bas Fenster auf, und stürzte sich hinaus, ein ganzes Stockwerk rief, auf die Straße. Oer Fall war noch glücklich. Aber nun rannten die beiden mächtigen Hunde des Chauss«e- ErhederS auf ihn ein, und fielen ihm in die Waben. Er schrie laut auf. Oer wachsame Chaussee- Erheber eilte ihm zu Hilfe, rief die Hunde an, und hi^lr sich über diese tragisch-komische Scene den Leib vor Lachen. Wie nun der Koppel Alles haarklein erzählt harre, da mußte fein Freund erst recht lachen, und die Sache wurde untersucht. Und wie hing Alles zusammen? Der Sturmwind hatte oft den am Chauss''ehause befestigten Schlaqbaum in Bewegung gesetzt, und dadurch jene stöhnenden Laute hervorgebracht, welche KoppcjS Phantasie für Geisterstimmen hielt. Ein Fensterflügel war vom Winde aufgestoßen, und jeder ein- I bringende Windstoß hatte bas an der Thür befindliche Handtuch hoch in die Höh getrieben und im Zimmer herumflattern lassen. Das war das weiße Gespenst. Uebec diese unschuldige, höchst natürliche Sache hatte der Koppel bald den Hals gebrochen, während er in Spanien, um ein Stück Brot dem Teufel zu Leibe ging, und sich den! unbarmherzigen Spaniern aussetzte. Wo ihn die Hunde , grbiffen Karten, da fühlte er den Schmerz noch lange