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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 15 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
15 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur Jüdisches Volkslilatt Lelehrung und Änterhatlung auf jüdischem HeKie'te. HerauSgegeven von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. [9to. 15. 1860.] «Ott birfn Arirl<bnN etttcint wochrttNich ritte Rvmmrr: Prei« dr« gang« l Thlr. Birriclj-chrig 7 V. Rgr. . Lllr Btt»d-ttdlttn-rtt. Po-auiler ttttd ZeiMttgsrrprditiottrtt ttrh»rr> Brstelluttgr» au. , [7. jahrg. 2. Quartal.] Kella. Sine «lsasfilche Dorfgeichichr«. oaä» dem Franjöfiscbeu von Alexander Weil!. II. Das Hau» Jäkel s und dessen Zugehörigkeiten waren an der Ecke der Hauptstraße, am äußersten Ende des Dorfes gelegen. Als Tony und Kalman auf eine Höhe gelangt waren, welche dir ganze Ebene beherrschte, hörten ste auf kur Kirchthurmglocke zwei Uhr schlagen und bemerkten mit Schrecken einen langen Streifen glühender Funkm, die gegen den Himmel zogen, beinah in der Richtung von Jakel'S Schmiede. „Laßt Jäkel um pvei Uhr des Rächt« arbeitend fragte Kalman. „Herrgott!" unterbrach Tony, „Maringrete schläft auf der Kornkammer. „Laß' uns eilen, Kalman, und sie retten!" „Höre," antwortete dieser, „höre auf mich und antworte nicht." „Was nützen Worte! Maringrete ist in Gefahr. Die] Dorfbewohner liegen im tiefsten Schlafe, ich höre nicht I einmal den Feuerruf! Da«. Hauist verloren!" „Das ist wahr," erwiederte der Jude. „Laß uns die! Schritte beschleunigen und wenigstens die Menschen reuen." | „ Und Maringrete?" ' „Bin ich nicht da?" ' Ader Du kennst da« HauS nicht. Und wenn Du} Dich täuschest? ihre Schwestern schlafen in einem Zimmer; dicht neben ihr." ' — „Ich werbe sie finden und retten. Du hast nicht«, von mir zu fürchten. Ich bin Jude, sie ist Katholikin; übrigens liebe ich Kella. Aber wenn Du da« Mädchen! heirakhen willst, mußt Du dem Baker da« Leben reuen. | Gott schickt Dir diese schöne Gelegenheit zu. Sei groß- müthig und alle Welt wird für Deine Sache sein.". „Du bist besser als ich, Kalman. Ich werde Deinem Rache folgen; und nun, schnell vorwärts!" ■ Al« sie bei dem Hause angekommen waren, schlugen hie | wüchrndea Flammen aus den Manfarbenfenstern. Feuer, Feuer tönte es von Weitem, aber in der Nähe der Feuersdrunst befand sich Niemand. Tony sprang, die Fensterläden de« Erdgeschosses einschlagend, in den Alkoven, wo sein alter Brotherr schlief, indem er Kalman zurief, Maringrete zu retten. Dieser stieg die Treppe immer vier Stufen zugleich hinauf und verlor sich in einen Zwischengang, aus allen Kräften schreiend: „ Maringrete, Feuer, Feuer! Wo bist Du?" Sein Rufen wurde .durch ein unaufhörliches Krachen unterbrochen; denn von allen Seiten lösten sich Balken, Sparren, Decken und Treppen mit fürchterlichem Geräusche los und versperrten alle]Zugänge. Einige Minuten lang kämpfte Jäkel mir Tony, denn der alte Geizhals wollte seinen Alkoven nicht verlassen, in dem sich sein Getdkasten befand. Tony mochte ihm immerfort wiederholen. daß jeder Verzug gefährlich sei, daß sie alle beide riskirten 'unter den brennenden Trümmern, begraben zu werden. . „Elender, Du' hast Feuer an mein Haus gelegt." tief Jäkel; „Du willst mich bestehlen. Lieber will ich sterben, als Dir meinen Geldkasten lassen!" „Zu Hülfe!" rief Tony, vef seinm Patron mir beiden Armen aufhob, näher» sich dem Fenster, wo er beim Scheine des Feuers einige mit Eimern und Leitern herbei, geeilte Bauern bemerkte. „Zu Hülfe! Feuer!." Jäkel seinerseits schcke ebenfalls; aber anstatt „Feuer" zu rufen, schrie er: „Äiede, Diebe!" Des Kampfes überdrüssig, warf Tony seine Last durch das Fenster auf den Düngerhaufen und stürz» der Treppe zu. Aber schon har» der Rauch da« ganze Haus erfüllt, und Tony war genothigt^ um fein Leben zu reuen, denselben Weg wie Jäkel zu nehmen und. burch bas Fenster auf den Hof zu springen. -» Indem er gegen de» Alkoven zurückkehtte, sah er einen Schatten aus demselben schlüpfen, der ein Packet an sich drückte und gegen die Küche zu eilte. — Kalman hatte in Folge' seines Rufen« und Laufens nach allen Richtungen hin Maringrete gefunden, der er nicht einmal die Zeit gelassen sich einen Rock überzuwerfen. Aber als sie beide ajif btn Gang, der zur Treppe führte, gekommen waren, zwar^g sie die Hitze und der Rauch den Weg wieder zurückzumaichen. - „Wir sind verloren, sag» da« junge Mädchen, indem sie sich an den Arm idxeS Retter« klamnwrte. „Kehren wir wieder in da« Zimmer zurück," sagte Kalman. „Das Feuer ist dort noch nicht. Wo geht es nach der anderen Seite hin««?" „In die Scheune," erwiederte Marie; „aber es giedt keinen Ausgang nach dort." „Wenn das Feuer nicht in der Scheune ist," stbrie Kalman, „so sind wir gerettet; wenn aber ja, so müssen wir unsre Seelen Gort empfehlen."

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