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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 14 (1860) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
14 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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noch sollte ich ihm die fällige Summe von dreißig Francs fünfzig Centimes bezahlen. Nun, wegen zehn Francs, die mir fehlen, hat er mir mit dem Gerichtsdiener gedroht, abgesehen davon, daß er mich mit Schmähungen überhäuft. Ah! Wenn ich seine Tochter nicht liebte!" . . . „Armer Tony," erwiderte Kalman, „ich bitte Dich um Verzeihung, Dich nur einen Augenblick im Verdacht gehabt zu haben. Dennoch billige ich Dein Verfahren nicht; denn wenn Maringrete Dich liebt, so mußt Du hoffen, und vor Allem arbeiten. Wohin wolltest Du in dieser Stunde?" „Ich wollte zu meinem Onkel in Richstedt. Er will, daß ich bas Land verlasse und nach Parigehe." „Wirklich? daß ist auch Kella's Zdee. Alle Tage raunt sie mir das in die Ohren. Und ich, ich sage: Ein rollender Stein setzt kein Moos an. „Weshalb arbeitest Du nicht in Straßburg?" „Drei Meilen von Maringrere! Ach, ich würde meine ganze Zeit in dem Dorfe zubringen, um zu sehen, ob sie mich immer noch liebt. Und dann,?jed«S Mal wenn ihr Vater mich sähe, würde er seine Tochter mißhandeln. Wenn ich in Pariwäre, würde er sie vielleicht in Ruhe lassen. Wer weiß? er würde vielleicht gar seine Meinung über mich ändem." „Laß' uns in das Dorf zurückkehren; morgen werde ich mit Kella darüber sprechen." „Und warum will Kellc^, daß Du reisest?" „Daarme Kind! Sie, die die Wirtschaft für vierzehn Personen führt, die sieben Kinder ankleidet, reinigt und zum Schlafen bringt, die Kühe versorgt, die Wiesen mähet, die Kartoffeln hackt, die Erbsen stängelt! Wameinst Du, was sie des Jahrüber verdient? Acht und vierzig Francs und zwei Paar Schuhe! Und ihre Herrin ist ihre Stief-Cousine! Kella ist die best« jüdische Köchin im Departement; sie hat eine Tante in Pari-, die ihr nicht gleich kommt, und die sechs hundert Francjährlich verdient: sie träumt von nichts, als von Paris." „Und Du wirst hingehen?" „Früher oder später." „Nun wohl, Kalman, wir gehen zusammen. Maringrete liebt Kella wie eine Schwester. Wenn Kella fortgereift ist, wird Maringrere bald nach Paris kommen; wir werden uns, dort verheirathen, und reich werden." „Aber die Reisekosten?'" „Höre," sagte Tony, „Du wolltest mir Deine Börse fi»r Dein Leben geben; ich verlange Deine Börse und mein Leben. Denn mit dem Gelbe, welches Du mir leihen wirst, verdanke ich Dir da- Leben. Du wirst mit keinem Undankbaren zu thun haben." „Ich verweigere es nicht, Tony; wir wollen darüber reden, Du mit Maringrete, ich mit Kella." (Sorlieyung folgt.) Folgen des Aberglaubens und der Leichtgläubigkeit. Bon Albert Rosenbaum. III. Zn der „alten Zeit," von der unS unsere Eltem noch zu erzählen wissen, war'- mit dem Aberglauben noch ärger, als jetzt. Denü seitdem es keine „Baal. Schem" mehr giebt, seit dieser Zeit g'iebt'S auch keine Zauberei und Hexerei mehr. Was stoch heut in Galizien, Polen und Rußland in dieser Beziehung vorgeht, darf uns natürlich in unserer Behauptung Inicht irre machen. Denn wir sprechen hier von unserm deutschen Daterlande. In jener Zeit herrschte bei unS Juden dir böse, abergläubische Sitte, eine Wöchnerin zu „bekreisen" und ihr zu Kopfe ins Bett. ein Messer zu stecken. Da fehlte es natürlich auch nicht an, Placaren, welche an die Wände des Zimmers gehangen wurden und,grausenerregend« BeschwömngSformeln enthielten. Ja, wer kennt den Unfug all', welcher damals getrieben wurde! Da war nun in ein/m Orte in Bayern, wo wir nicht irren in Bayreuth, eine Frau niedergekommjen, welche in ihrem Wochenbette sehr krank geworden wap. Wie üblich wurde auch bei ihr da- „Bekreisen" vorgenymmen und daS Messer in'S Bett gesteckt. Als nun die >„Wartefrau" eine- Tages einen Augenblick bas Belt der Kranken verlassen hatte uüd wieder zurückkam, lag die Kranke auf dem Angesichte. : Welcher fürchterliche Schrecken Ergriff aber plötzlich die Wärterin, als sie einen Strom Bluteunter dem Bette Hervordringen sah. Sie eilte näher,! aber zu spat. Die arme Kranke hatte Milchfieber bekommen, in dieser Erregung das Messer i gkfaßt und sich entleibt. Aldie Aerzre kamen, war sie > längst eine Leiche. Diese Erzählung wird uns alwahr mitgetheilt, und ber freundliche Leser ersieht daraus adermal», wie oft der Aberglauben von gefährlichen Folgen begleitet ist. IV. Doch wir wollen^rstieder heiter werden, und dazu loll uns dies Mal der „9?ebde Schmul" behülflich sein. Der war nicht adergläubig/ aber leichtgläubig. Und-das ist auch «in böser Fehler. Wer! Alles blindlings glaubt, was ihm gesagt wirb, ohne zu prüfen, ob es auch wahr fei oder nicht, der schadet sich in der Regel selber. Da" sich unter den freundlichen Lesern >sich«r auch Orlhodore defindeg, so fügen wir zur Beruhigung ihres Gewissens auch noch die Bemerkung hinzu, daß wir von religiösen HlaadenSsachen hier nicht reden. - Der Redde Schmus war Lehrer, und seine Schüler, die größtenrheils schon erwachsene Leute waren,. hielten ihn für einen großen Gelehrten. Aber vertragen konnten sie sich nicht mit ihm, weil er während feine, Vorträge sehr heftig wurde- und dann den jungen Leuten manchebittere Wort sagte. Das sollte er denn endlich einmal büßen, und die Strafe, welche ihm von den jukgen Richtern zuerkannt war, war auf das Beste ersonnen. Es waren ihrer wohl ein ganzes Dutzend, welche ihren verabredeten Witz wohl kennend, schon dejs Abends an's Werk gingen, um den am Tage entwvrfenien Plan durchzuführen. Zwei von ihnen machten in der Dämmerung dem Rebbe Schmul einen Besuch. Kaum eingerrelen fing der Eine an: „Fehlt Euch vielleicht etwas, kskebbe?' Ihr sehr ja so angegriffen >ie kommst Du mir vor?"" lächelte m mir so vor," sagte der Schüler.!te, daß Rebbe Schmul etwas blaß bei ihm wie zu Hause waren, so blieben sie bei ihm, disj er zu Bette ging. .Wie schon so manchmal, halfen sie ihst, beim Auskleiden, und lasen ihm. aus?" „„Rein, nein! Schmul. „Nun, «S ko Auch der Andere dem«« aussähe. Da sie aber

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