Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 13 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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51 ©ottedfurdjt das ist Weisheit, das Böse meiden, das ist Ertenntniß" (Hiob 28, 20 ff.). Durch diese Erklärung tritt die Beziehung de- SabbathS zur Tugend klar hervor, der dei dem Dunkel jener geheimnißvollen Symbolik, mit welchem sich die betreffende Lehre von der rothen Kuh um» giebt, gleichwohl der Zweck der sittlichen Reinheit de- Lebens und der erhabenen Weihe desselben durch gottgefällige Werke keinen Augenblick verkennen läßt. (S. RafchizuMegilla28.) Dieser sühnende Charakter des Sadbaths erschien aber auch für die Einsetzung desselben zwischen Purim und Pessach bestimmend naicnn Tron mo «an© ",2 (npw nvpy) iv^ nb-ian omc nbirra t© da detd? Feste an Erlösung erinnem, deren wir immer wieder durch den gesühnten Lebenswandel, zu dem die Lehre von der rothen Kuh uns gemahnt, werth erscheinen mögen. Wie nun einerseits die jüdische Auffassung von der Weisheit und diejenige von dem Sabbath Parah sich wie innig verwandt durchdringen und daher keiner weitern Vermittelung bedürfen, so scheint doch andererseits diese Tugend in ihrer specifischen Bedeutung zu wenig im jüdischen Volke zur Zeit vorhanden gewesen und in ihrer Allgemeinheit zu sehr gepflegt worden zu sein, als oaß nicht eine außerordentliche Formel dafür, wie sie der Sabbath Parah bietet, nöthig geschienen hätte. Ohne weiter zu erörtem, wie Weisheit schon an sich verschieden ist von Klugheit, und ebenso diejenige Art der Tugendhaftigkeit ausschließt, die immer nur in den höchsten Regionen ihr Ziel sucht und die Erde dafür zu gering erachtet, steht doch so viel fest, daß schon früh, dann in der talmudischen Zeit und besonders da später die geistigen Bewegungen des Islam? ähnliche im Judenthum erzeugten, mit dem Begriff der Weisheit Bestrebungen und Uedungen sich verbanden, die der jüdischen Auffassung dieser Tugend iy hohem Grad fern lagen. Solcher Neigung gegenüber, religiöse Fragen mittelst philosophischer Erkenntniß zu entscheiden ober zu verflachen und in Angelegenheiten des Glaubens den Geist der wissenschaftlichen Forschung Recht sprechen zu lassen, galt es für nvthwendig, den Begriff der Weisheit, der in den philosophischen Schulen aufgestellt war, mit dem Geist des Jubenthums zu erfüllen und diese durch die Einsetzung des SabbathS Parah derart als Tugend gegenständlich zu machen, daß ihr Panier im kräftigen Luftzüge national-religiöser Anschauungen kühn flatternd und mitten in dem Windeswehen einstürmender und hemmender Ereignisse, wie mir eiserner Hand erfaßt, sich aufrecht erhalte und siegreich jederzeit. . 4) Die Thatkraft, als die letzte der Tugenden, feiert ihr« religiöse Weihe in dem ©nnn ns©, dem Frühlingssadbath, dessen besonderer Thoraabschnitt gleichsam den treibende» Freiheitsdrang heilig - spricht. Aber durch sich selbst schon ist der Sabbath geeignet, mir der treibenden Hoffnung besserer Tage die Seele zu erweiten und mitten in den Lebensruf einer erwachenden Natur die gekrästigten LebmSpulse eines hoffnungsreichen Menschenlebens hiaeintönen zu lassen, so daß Natur und Mensch in tief empfundener Verwandtschaft die Bedingungen ihrer gottgeheiligten Existenz in dem hohen Tugendbegriff der „Thatkraft" offenbaren. Die jüdische Anschauung weicht hierin von der nichrjüdischen ad, daß sie nicht die „Tapferkeit als Tugend bezeichnet, sondern vielmehr die „Thatkraft", die sich durch lebendige Formen und sittliche Hervordringungen äußert, aber gleichwohl eine innerliche Tugend ist. Das Judenthum erkennt di« höchsten Siege nur in den Errungenschaften des Geistes und der sittlichen Gewalten, die sich die Hand reichen von Geschlecht zu Geschlecht und immerföil zu erhabenen Daseinsäußerungen drängen. Jede neue sittliche Schöpfung, jeder edle geistige Aufschwung ist ihm eine Folge seiner heiligen Triebe, em Denkmal seiner Thatkraft und damit ein Beweis seiner Lebensfähigkeit, die durch keine entgegengesetzte Einwirkung ihm verkürzt werden kann und geraubt. Thatkraft bezeichnet im weitem Sinne die Einheit und. Bereinigung aller übrigen Tugmden, infofem sie alle nur durch thatsächliches Eingreifen im Leben und dadurch sich verwerthend ihr Dasein zu bekundm vermögen; Thatkraft iK zugleich diefxhabene Eigenrhümlichkeit des Frühlings, dessm sanfter Hauch das dunkle Gefirhl des Einklangs in der Natur uns erregt. Thatkrafr ist die unentbehrliche Tugend des Judenthums, die seine Dauer verbürgt und in der schaffmden Arbeit des Frühlings ihren ewig wiedertehrendrn Vorgang findet, der.im einleitend«» „Sabbath H^zhodesch" seinen religiösen Ausdruck darstellt. Sl gewähren die vier außerordentlichen Sabbathe in ihrex; .usammengehörtzkeit das lebensvolle Bild' religiöser Hoheit^ den Ausdmck reinster Erkennmiß, und in ihrer sichtbaren Ausprägung der Tugendlehre sammeln sie die erhabenen Züge des Empsindms und Handelns im jüdischen Volke. Es ist nicht entschieden, ob ursprünglich der außerordentliche Thoraabschnilt, der jedem der vier Sabbathe zugehört, nur alS Zugabe neben der fälligen Wochen-Perikope angesehen wurde, wi« dies ja eben bei uns noch der Fall ist, oder ob nach Analogie der Haphtorahs die Reihenfolge der Thoravorlesungen unterbrochen wurde und nur die außerordentliche Thoravorlesung allein stattfand ^nnn ninötn i« *mn um nr*©“iD ■noV"'piDDV (Äegilla 29; dazu Raschi). Allein weder dieser Umstand, noch die gehäufte Piutlimrgie dieser Sabbathe kann deren Werth für uns bestimmen; sie wekden durch ihr eigenes Wesen i»nd die mächtige Tragweite ihrer heiligm Beziehungen getragen. So erfülle» sie jederzeit mit der Weihe ihrer Bestimmung das Lebe» des jüdischen Voltes, das sie-zue. Stimmung einer religiösen Andacht befähigen'und erheben.! Ehrensaal I von Alexander Elsässer. Einem Manne gebührt die erste Stelle in unsrem Ehrensaale, der die jüdische Wissenschaft und daS jüdische Volk gegen dzn würhenden Fanatismus der Inquisition und gegen die giftige Vrrleumdubg ehrloser Apostaten geschützt und drohend« Gefahren von! ihnen abgewendet hat; der Name des Edlen ist: „Joham Re»chtt»." Derselbe war gebovm 1455 in Pforzheim, Sohn des dortigen Sradtboten. .Oer Markgraf von Baden wurde auf die liebliche Stimme des Knaben, der im Chor brr Stadtkieche 'mitfang, aufmerksam, wurde ihm sehr gewogm' und wählte ihn zum B«leit«r seines Eignen Sohne« Friedrich auf di« Universim, den er Nach Paris begleitete. 1481 wurde er von Herzog' Eberhard >im Bart als Professor a» die neugegründete Hochschule nach Tübingen de» rufen. Mit Herzog Eberhard reiste er mehrmals nach Italien. Hier, lernt« er den gelehrten Rabbiner» Abdias