Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 13 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 bezeichn«! wirb, so werden dadurch die höchsten Kraft» des Lebens, gleichsam die vier Cardinalrugenden ^>es JudenrhumS dargestrlll; mir v'bp® „Hochherzigkeit", r^it 7127 „Mäßigung'", mir rre „ Weisheit", mit «in „Tbarkraft". (Vergl. v'nsr N2-2- 1/Die Hochherzigkeit, jene schönste Blume im Kran;« der Lugenden, ist mir ursprünglicher Kraft im Garten deS JudenrhumS jnvachsen, desseü natürliche Anlagen allein die Zulle deS Her;enS;ur Reifej bringen konnten, dir nicht Jeder sich zu geben vermag. Jü der Philosophie de- Alttrthums und den spätem Schulen Erscheint bie -/Gerechtigkeit"" als hervorragende Tugend, theiilS als Ausdruck der Mitte zwischen Unrechtthun und Unr^chtleiden, theils alS Band und Einheit der übrigen Lugenden; immer aber wurzelt sie im Boden des Staate- und schöpft aus ihm ihre Lebenskraft und Bedeutung. Insofern nun das Judenthum den Begriff des „Staates" nicht kannte, mußte bei ihm nothwendig über dm Begriff der! „Gerechtigkeit"" in fein« Eigenart Zweifel entstehen; di« Bedingungen, welche -ihn bestimmten, und die Grenzen, welche ihn feststellten, mußten sich als zu gedrängt und zu eng »geben, und über diese hinaus schwang sich nun der Geist! des JudenrhumS zur Anschauung der „Hochherzigkeit", die; auf der breitesten Grundlage der Gerechtigkeit erhoben, sich ßnit der Kraft der Selbstverleugnung und der reinstm Hingabe an die Mitwelt ducchsättigte, ohne sich durch bas beschränkende Gesetz des Staates oder durch die Rücksicht auf die religiösen Bekenntnisse in ihrer erhabenen Uebung de indem zu lassen. Hochherzigkeit ist mehr, als Gerechtigkeit ■; diese schließt jene nicht ein, jene aber, dte Hochherzigkeit, Ii'etzk diese voraus uno erkennt vor Allem die Gleichberechtigung an, die sich zunächst in der gemeinsamen Angelegenheit eine« geordneten Ganzen Ausdmck verschaffen soll uni dann in weiterer Folg» die «sittliche Ergänzung lehrt, welche durch die. Einzelwesen der Ges.nnmtkeit uns bereitet wurde, und durch die wir. selbst erst in der vollen Ganzhe l unserer menschheitlichen Bedeutung erscheinen. : ' Diese Auffassung und Lehre von der fugend der „Hochherzigkeit"" nahm nun durch die Einsetzung de- O'bptu na® Form und Gestalt an. Die Sitte der! Tempelhebe mit Beginn des AdarmonatS <re v'bp®- lieferte offenbar einen Anknüpfungspunkt an den Thoraäbfchnitr von den Steuern und Beiträgen in Israel (2 B. M. 30> 11 ff.) und bestimmte somit als äußerliches Moment! dessen Vorlesung. Der Inhalt desselben veranschaulicht aber gleichzeitig mit Klarheit und Bestimmtheit oie tiefen Richtungenwelche da- Judenlhum frühzeitig und im Mitselaltek durchzogen und in welchen zu großem Theil die Mittel seiner Festigung und Größe lagen. Es warm eben je» Richtungen der Selbstverleutznung, Gleichberechtigung uns der sittlichen Ergänzung, welche zusammen den Tugmdöegriff der „Hochherzigkeit"" ausmachen. Ohne die Einzelkräfte gegen einander abzuwägen und zu bestimmen, wird Jedem der gleiche Antheil zu dem gemeinsamen Eigenrhum zu« Pflicht gemacht, damit der Hohe und der Niedrige sich neben einander als gleichberechtigt und neidlos betrachten lhrnen, nach den Worten des Piur. o-r-rrp o-äpi O'rnöbfner <crt natxp ü'Vip® 772 nrp D-*®-n. Aber eben fo bestimmt tritt in jener heiligen Satzung ferner der Moment der sittlichen Ergänzung hervor, ohne welche jeder persönliche Werth nur > ein ungenügender ist. Die Höhe d«S Beitrags kvurbe nur; auf ein unvollkommene- Werthstück festgesetzt; denn «S betrug nur rp«n n'xna, einen Halden Schekel, i-vb V3£5 rv >21' »b 112? «in '2 anDrr, um anzudeuten, daß für sich allein Niemand ein vollkommene- Ganzes wird, sondern daß nur durch Wechselbeziehung zu Andern und durch deren Mitwirkung der Mensch seinen Daseinszweck zu erreichen und seine Lebensaufgabe zum Heil der Gesammtheit zu erfüllen im Stande ist. 2) Die Mäßigung, die Beherrscherinder Leidenschaften und Triebe, ist diejenige Tugend, welch« auf dem Gebiete der sinnlichen Begehruogen liegt und diese auf ei« bestimmte- Maß zucückführen will. Sie liegt in der Mitte zwischen Unlust und Lust, steigert jene.zur Tapferkeit oder Mannheit, zur Anmurh und Schönheitdiese hingegen zur Seldsterkennmiß und Selbstüberwindung.' Wohl sinder diese Tugend schon ihre Stelle in der griechischen Philosophie; allein dem jüdischen Volte hatte da- Schicksal das L00S ihrer ununterbrochenen Uebung zuerkannt, daß sie jede- Blatt feiner Geschichte bezeichne mit den sichern Sck»riftzügen seiner sittlichen Kraft undiSracke gegenüber den gewaltigen Mäch-! ten, die von außen her auf uns einstürmtm. Solche Tugend, 1 deren Wesen autzgleichend ist und jeden Streit zum Aus- I trag bringt, bedarf einegewissen Hintergrundes, an welchen t sie anlehnr, wenn sie nicht zuletzt nur Gewöhnung, gedankenlose Uebung und Zeichen von Gleichgültigkeit werden soll. Dieser gedankliche Hintergrund aber, durch welchen die ] „Mäßigung" erst zur Tugend wird, zur selbstbewußten, lebendigen Kraft im Menschen: das ist die Erinnerung.! Sie ist eine geistige Thatigkeit, die daganze Spiel der! Kräfte durch volle Ausprägung zur Hohe des Bewußtseins - erhebend zu einem andauernd innern Vorgänge macht, der! sich immer von Neuem und in jedem Augenblicke immer; vollzieht. Zur Erinnerung bedarf eS des ganzen Ernste-! unserer geistigen Thatigkeit, der die schlummernde Dorstel- - lung unsere- Gedächtnisses wach ruft, daß sie belebt und belebend uns die ganze Reihe unserer Erlebnisse, die ganze Kette unserer Fügungen vor da- Bewußtsein bringe, daß wir an ihnen unfern DafeinSwerth erkennen, an ihm er»! kennen, was wir zu lhun haben und was uift noth thut. Dazu bot aber am narurgemäßesten der -1127 na® ober der Sabbath der Erinnerung selbst den geeigneten Ausdruck. Oie besondere Thoravorlefung an diesem Sabdath und seme unmittelbare Bezichung zum Pucimfeste geben ihm in Wahrheit jenen nationalen Charakter historischer Größe des Völkern feinem Reichrhum der Erinnerung, wie in seiner sittlichen Kraft der Ausdauer und Mäßigung. Er lehrt uns nicht sowohl die Pflicht deunvergänglichen Hasses gegen den persönlichen Träger feindlicher Jveen, als vielmehr die beständige Verachtung und Vernichtung alles „ Bösen und Unheiligen an sich"', so oft und in welcher Gestalt eS nur immer erscheinen sollte. Er lehtt, daß mit der lebendigen Erinnerung des bezüglichen Stücks Geschichte die bedeutsamsten Blätter der jüdischen Geschichte überhaupt vor uns aufgeschlagen sind. So war's denn vorzugsweise da- Mil- ' »kalter, das das Geber des „Gedenke" mit neuem Eifer er- : faßte und es durchgeistigend mit der Lehre von ber Mäßigung zu bleibendem Werth erhob. Israel har ein lange-! Gedächmiß, und Mäßigung ist nicht seine schwächste Tugend.! 3) Die Weisheit, als Tugend der Vemunft, er- I reicht in dem n-B ra®, dem_Sabbath von der rothen : Kuh, Ausdruck und Gestalt. „Was ist Weisheit? Siehe,