Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 13 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Sphorna k.nnea und wurde dessen emsig«, lemdegieriger Schüler, wodurch er in der Kennmiß der hebräische« Sprache so gefördert wurde, daß er, der Erste in ^Deutschland, der f solchezu Stande brachte, eine hebräische Sprachlehre und ein hebräische- Lericon herausgad. Durch diese Arbeit eröffnete Reuchlin der christlichen Theologie die lang versiegelten Bücher de- Alten Bunde-, »nd errichtet, so, nach seinem eignen Au-drucke, „ein Denkmal dauernder al- Erz." Mit besonderem Erfer studirte er die Kabbala und schrieb ein Werk „de' arte Cabalistica.Er trieb diese Wissmschaft aber nicht wie Andere zu alchy«istisckea Zwecken, sondern aureinem, ethischem WissenStrieb. So glaubte er, daß der Mensch durch die Kabbala von Symbol zu Symbol und von einer Form zu andernaufsteigetz könne, dizur! letzten und reinsten aller Formen, zu ber,^ welche der Gottheit am nächsten steht. Während der gelehrte Mann sich diesen friedlichen und abstrakten Studien hingad, zwang ihn plötzlich da- Gebah-' ren der Männer der allen Schule in einen heftigen Streit einzugeben, der alle Gelehrten Deutschlandin zwei Lager, in Reuchlianer und Anti-Reuchli^ner cheilre. Au. Anfang de- Iti. Jahrhundertlebten «chulich in Köln der Inquisitor Hochstraren und der jübis^e Apostat Pfefferkorn, diese in Gemeinschaft mit den D o m i n i k a n e r rt erhielten auf ihr Gesuch von Kaiser Maximilian einen Befehl, kraft besten die Juden alle hed»aischen Büche r ans da- Rathhaude- Ort-, wo sie wohnten, dringen mußten. Diese Schriften sollten dort verbrannt werden. Al- Grund dafür wurde ihr gotteslästerlichev Inhalt gegen den christlichen Religion-stifter angeführt. —| Die Juden aber widersetzten sich gegen diesen Befehl, und gestanden Niemandem das Recht zu, sie ihrer Schriften du berauben. Die Dominikaner, sagt Merle d'Ludign«' in feiper Geschichte der Reformation, hatten andere Gründe aLi ihren Eifer für da« Evangelium, sie wollten von der Juden bedeutende Löhngelder erzwingen. Da trat Reuchlin mit dem ganzen Ansehen seiner Persönlichkeit, und wohlgerüstet auder Rüstkammer seiner Gelehrsamkeit für die jüdische Lileratu^ auf und sein an den Kaiser abgegebene- Gutachten rettete die jüdischen Schritten vom Scheiterhaufen. Nun stießen der Inquisitor Hochstraten und der Apostat Pfefferkom, gleich gierigen Raben, denen die Beute verloren gehr, ein Wuthgeschrei au-, beschuldigten Reuchlin einer geheimen Zuneigung zum Judenthume und drohten ihm mit dem Kettengerastel der Inquisition. In Mainz wurde ein eigne- Tribunal gegen Reuchlin errichtet und seine Schriften wurden in einem Aul« da Fe den Flammen übergeben. Leo X.. der damalige Pabst, war kein Freund der unwissenden, fanatischen Mönche, er übertrug die ganze Sache der Entscheidung de- Bischofvon Speirr, welcher Reuchlin für. unschuldig erklärte und die Mönche in die Prozeßkosten verurcheilte. Die Fanatiker gaben aber noch nicht Ruhe und wußten die Universitäten Pari-, Löwen, Erfurt und Mainz für sich zu gewinnen; aber für Reuchlin traten die aufgeklättesten Männer Europa» in die Schranken. Ulrich v. Hutten nahm den Fehdehandschuh auf. Er und fein Freund Rodianufaßten die „epistolae olwuronnn \intnim" Briefe der Dunkelmänner im Jahre 1515 ad. Diese Briefe geißeln in einer komischen Satyr,, in barbarischem Moach-latein, Hochstraten, Pfefferkom und die anderen Parteihäupler und deckm ihr unsittliche- Leben vor aller Welt auf. Franz v. Sickingen war sogar bereit, da» Schwert gegen die blinden Eiferer zu ziehen. Der edle Reuchlin starb am 30. Juni 1522 in Stuttgart, hochgeehrt und tief betrauert von allen Freunden de» guten Recht- und der Wissenschaft. » Allgemeine Zeitung de» Iukentbum« Ro. 12. ifißo. Leitende Artikel: Ein Protest. — Die Juden in der ruifiichen Literatur. — Die marokkanischen Juden. — Die israelitische BidelauftaU. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Magdeburg, auoHinlerpommern, Berlin. Lesterreichischer Üaiierstaat: Fünfkirchen, Magdeburg. Schweden: Ltockbolm. Stockholm. Holland: Amsterdam Italien: Florenz, Modena, aus Toskana. Afrika: Teruan. . Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich 'A Tbaler. Ja Baumgartners BuchhaAbluuq zu Leipzig ist so ebcu erichienea und durch alle Bucbbandlungen zu beziehen: lieber die Uesullale in der Weltgeschichte. . Sechs Vorlesungen , von lr. Ludwig Philippfo n. j .brock. Preis 22V* Ngr. Auf den sechs großen Gebieten dtr Menschheit, dem Hanbek und der Indp strie, der politischen Verbindung unter den Völkern, dem Verfassung Sieben jt« Staaten. der sittlich e n und foci allen Entwickelung, der Ikunst uud Wissen» ichait, der Pbilosopdi« und Rel«Mion wird die Frage: ob wesentliche und saclische Resultate aus dem bisherigen Welkgange der Menschheit sich Nachweise» lasse»? aufgeworfen uud in bestimmtester Weile beantwortet Mit Hülse eines ungedeuern Material«, da« mü Gewandtheit und Scharfblick in den engen Rabmen einer Vorlesung zusammengedrängt wird, weist der Brrfaffer überall die einsacden, großen Gedank-a und Seieve nach, welche in der Fülle der Tbatsachea sich verwirklicht baden, und südrt feinen Gegenstand di« io d,e Mine der Zsagesereignific und Tagesftagen der Politik, der Religion, Wifienschafl und Industrie. Die Hchnn wird jedem Gebildete» zu eiitm Naren Bewußneia über den Entwicklungsgang der Geschichte verdelsen, und dringt eine Menge neuer Anfichken zur Sprache. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. verl^« »m Va»»,S,«»e » v»a««»rl»,g t» raopg. - Lrua VS, <S. «r-yl'ig io «ewU*. „In dto lau begi«At eine größere 9tovelle wieder. Die -kedaetion."