Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 13 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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j Jüdisches VolkSblatt Letehrung.und rlnterhaNung auf jüdischem gekiete. Herausgegeben von _ Rabbiner Vr. Ludwig Phili-Pson in Magdeburg. . IN». 13. 1860.] «vo dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Rnmmcr. Preis de» Jiihrganz« 1 Tplr. Biertrljährig 7 'A Stgr. Alle «uchb^nriuugru, Poftönster und Aeitung-expeditiöneu nehme» Bestellungen au. [7. Jahrg. 1. Die vier Parschijoth. 521«) Lon Or. Tobias Cohn in Potsdam. Unter diesem Namen sind die vier Saddathe bekannt, deren erster 8 Tage vor dem Neumond de- AdarmonatS oder auf diesen selbst fallt, der zweite den Sabbath vor Purim bezeichnet, der dritte und vierte unmittelbar vor dem „großen Sabbath", dem inan na», liegen (es inda»). Zn dieser Reihenfolge heißen sie: 1) v'bpv, 2) 1127, 3) mo, 4) Din und die dazwischen liegenden dienipovn. Ihr Ursprung ist eben so zweifelhaft, wie ihre Gleichberechtigung. Am ältesten und sichersten ist die Einsetzung devDi, welche vom «pi in die Zeit vor ESra zurückverlegt wird, durch welchen für alle Sabbathe die Thoravorlesung bestimmt wurde, mit Ausnahme des 1127, dem sie schon früher zugeordnet war. Wie danach aber seine EntstehungSzeit am wahrscheinlichsten in die Vorgänge deS Purim hineinreicht, und der Zusammenhang seiner'außerordentlichen Thoravorlesung mit dem ihm unmittelbar folgenden geschichtlichen Feste ersichtlich ist: so entbehrt -die Anordnung der drei andern sabbathe zunächst jedes geschichtlichen .Inhalts, woraus dann gleichzeitig folgt, daß der besonders hervorgehobene Thoraabfchnitt in gar keinem erklärlichen Zusammenhänge mit dem Sabbath selbst steht. Es ist daher die Gleichberechtigung dieser Sabbath« mir dem n2T keineswegs entschieden, nicht einmal, wie Einige wollen, diejenige de« Tn», was «undeutlichsten die Stelle auSbrückt: 1127 'v j-i rrovip oi® (nein >2« ja»). Gleichwohl darf dieser Umstand nickt verhindern, jedem dieser „vier Sabbathe" eine hohe Bedeutung deizulegen, die in echt nationaler Weise den hohen Sinn und den erhabenen Gedanken deS jüdischen DolkeS zur Anschauung bringm. Aus dem Gefühl der. Frömmigkeit und der Religiosität heraus erhebt sich bei ihm jeder wissenschaftliche Antrieb, wie jeder Anreiz eine« sittlich guten Leb,nSz Herz und Geist, Glauben und Wissen durchdringen sich in mächtiger Wechselwirkung zu lebensvoller Einheit. Im jüdischen Volke wird daS Gute nicht allein gelehrt und nach den Gesetzen der Wissenschaft dem Leben alS Regel vorgezeichnet, sondern eS wird, gleichsam mit allen Kräften deS wirklichen Seins durchsättigt, zum Leben selbst erhoben, durch Form und Gestalt ein edler Theil de« sich erfüllenden Lebens. Diese« vvrauSgefchickt, lassen sich oie „vier Sabbathe" als die sichtbaren Träger der volkSthümlichen BildungSelemenle im Z'udenthume betrachten, und wie durch sie dir Tugendlehre überhaupt ln die Erscheinung tteren will, so" verhüten sie gleichzeitig/ daß die auS dem Studium her Philosophie gewonnenen Resultate wissenschaftlicher Erkenntniß einen Gegensatz zu den religiösen Uedungen bilden, oder auch nur überhaupt gesondert von ihnen erscheinen. Diese Gefahr war aber wirklich schon frühzeitig vorhanden, und später noch, um ihr zu steuern, wurde z. B. im 13. Jahrhundert daS Studium der griechischen Philosophie vor dem 23. Lebensjahre mit schwerer Bannstrafe belegt. War das aber denüoch ijut ein sehr schwache« Mittel dagegen, und hatte anderseits, da« jüdische Volk eine gewisse Uebexeinstimmung mir den religiösen Erscheinungen der christlichen Welt nicht ungern — insofern nur dadurch die Eigenart seines, religiösen! Lebens nicht getrübt wutzbe —, so war gerade die Vertiefung des wissenschaftlichen GehaltS in die anerkannte Heiligkeit einer religiösen Uebung die geeignetste Weise, Beide« in seiner vollen Währung zu erhalten, da« in lebendiger Durchdringung I sich wir Leib und Seele ergänzt, daS die Erkenntniß heiligt und weiht, den Glauben bildet und vereljelt. Es soll hier nicht erörtert werden, wie dieser Gedanke jede religiöse uebung im Jubenthum beherrscht, genug, -er Sabbath ersi^ien am geeignetsten zum Ausdruck jene« religiös-wissenschaftlichen Ziele« und zugleich jener Vereinbarung äußerer GlaubenSrichwngen, und hatte bereits etwa- Analoges dafür m. dem dinan na«, dem großen Sabbath, welcher Name'ursprünglich dje Bezeichnung .he« Sonnabend« vor Ostern im.Ritual der Kirchenväter ist und dann erst später in seiner gegenwärtigen Bedeutung bei den Juden Aufnahme fand. (S.'Zunz: RiluS.) Auf ähnliche Weise jnun, wie dieser Sabbath sich vielleicht auä dem Bedürfnis der Zeit heraus seine Existenz schuf, hat sich auch der Trieb zur Schöpfung entsprechender Symbole j im Jubenthum geltend. gemacht für die Zeit, welche di« Umwelt als eine heilige beging untf noch heute als solche'anerkennt. Schon da« rechtfertigt die Einsetzung der beregten Sabbathe während der Zeit Adar-Nissan. Dazu kommt, daß der 1127 na» durch die Geschichte seinen Platz angewiesm erhielt, um den sich füglich die andern nur zu gruppiren hatten. \ Fragen wir nun na«y der tiefer« Bedeutung der „vier Sabbathe" für da« Zudemhum im engem Sinne, nach deren Tragweite für jüdische« Denken und religiös-sittliche« Handeln nach jüdischer Auffassung; mit andern Wottm, fragen wir nach der Beschaffenheit und Verwirklichung der Idee, welche je durch den Namen der „vier Sabbathe"