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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 12 (1860) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
12 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 Religionsaasichten, di« Frage: hat nun wirklich die Menschheit diese Fortschritte in der Religio« gethan? — aus« glänzendste bejaht hink Hon dem dumpfesten Fetischismus durch alle« grob« und feine Heidenthum hindurch sehen wie dl« zu «nsretzM^ di» Mmfchheit immerfort den Weg zu einer ret»ern ErMsttni- (Kotte« als vollkommenen Geist,« machen, zu einer Tklwrr» und lautern Anschauung unsre« Verhältnisse« zu Ihm, und zu einer vollständiger» Herrschaft dieser Anschauung über un«, deschreiren und zurücklegen, alle Redel, die au« den Niederungen de« Jrrlhum« und der Entsittlichung immer wieder heraufdringen, immer mehr verscheuchen, und die Wahrheit auch di« Massen der Menschheit immer mehr überwältigen. Allerdings ist die« ein schwerer und die Zei» trn überragender Kampf, aber ein Rückblick über die ganze Gestaltung der Mmfchheit dis heute auch in religiöser Beziehung lehrt e« uns, daß ein Tieg vorhanden ist, ein Sieg, der «eiterschreitend an Siegeskraften und Umfang gewinnt. Indem nämlich die Religion zu aller Zeit, um al« ein Bestimmt,« dazustehen, der Aufstellung ihrer kehren, und zur Einwirkung auf den Menschen, de« Eulru« bedurfte: wurde sie um so eher von dem Geist der verschiedenen Zeiten ergriffen, modificirr und veräußerlicht. So ward sie ein auch äußerlich destehmde« Institut, da« seine Träger in Individuen, Gütern und Rechten harre. Dieser Umstand war es, der die Religion zu einem Gegenstand, der P o l i t i t machte, ja erniedrigte, an den die Privat, und öffentlichen Interessen sich tnüpfrm, so daß die Religion in den Strudel und Kampf der ganz äußerlichen historischen Dinge hinein» gerissen ward. So bemächtigte sich ihrer der Jrrthum, die Falschheit, der Eigennutz, die Leidenschaft; so wurde sie, da« Heil, zum schrecklichsten Unheil, sie, der Frieden, zum furchtbarsten Unfrieden, sie, dt« Lieb«, zum empörendsten Haffe. Da« Auge de« wahren Religionsfteunde« kann nicht trocken werden, wenn er die furchtbaren Irrungen sieht, die au« diesem Conflirr für die Menschheit hervorgangm sind, und vor denen diese noch lange nicht sicher ist und sicher sein wird. Rechnen wir nun hierzu, daß Zeit nach Zeit nur wachsend die Wahrheit theilweise heraufschaffen und für sie reifen konnte, daß daher die Wahrheit immerfort mit großen Theilen JrrthuM« und Wahn« verwachsen auftrar, daß aber nicht« schwieriger ist, al« Wahrheit und Jrrthum, wenn sie einmal organisch verwoben aufgetrerea und geherrscht hadm, von einander zu scheidm, jene zur Gültigkeit, diesen zum Falle zu bringen — so wirb ev un« nichL mehr auffällig sein, wenn die Religion, wie sie historisch sich un« zeigt, nur langsamen und oft verzögerten Schritte« zum Ziele erscheint. Aber nicht zu verkennen ist e«, daß die Versinnlich ung und die Vermenschlichung im Begriff Gotte« au« der Menschheit schon zu den größten Theilen im Schwinden begriffen ist, baß die Anbetung Gotte« al« Getst im Geiste immer weiter sich ausdehnt und immer reiner sich gestaltet, daß daher der Spmdolwust und Eeremonienkram sich immer mehr lichtet und scheidet; nicht zu verkennen ist e«, baß die Erkenntniß eine« unmittelbaren Verhältnisse« de« Menschen zu Gott, ln welchem er unmittelbar Gotte sich nähern kann, und von Dieseln in Barmherzigkeit geläutert wird, immer mehr und reiner erfaßt wird, so daß alle die den Menschen von Gott trennenden und scheinbar wieder vermittelnde», an Aenßerlichem haften-1 den Lehren und Zeremonien veralten und absterben, mag es daher auch »nsre steberzeugung sein, vom allgemeinen Ga»g der Menschheit gehalten, wen« auch vom praktischen Leben «och nicht gemug gestützt, baß da« Leben der Menschen »o« dieser rriaeie Religiosität immer mehr durchdrungen und gottselig gemache und gottverkUrt werdE wird. Habe« wir dies« Uederzeugung gewönne«, so wird man uns, vom vdjective« StMdpnatke aus, nicht Abch dem Werthe der einzelne» Eonftssionen ftagen. Si, Alle haben zu brm allgemeine« Werke beigetragen, in ihnen Allen beruht da« allgemeine Werk, eine jede harre und hat da« allgemeine Werk der Religion in bestimmten Theilen der Menschheit zu zeitigen — -- da« Weitere über Werth und Ziel jeder derselben haben wir in die Hände de« leitenden Gottes zu legm. Siehet jeder einzelne Mensch in seiner Eon» fession da« allgemeine Wert der Religion am meisten verwirtlicht: nun, so erkennt er diese« mitten in der Individualität schon an, was wollen wir mehr? Die Menschheit hat »in große«, kampf- und erfolgreiche« Leben hinter sich — eia noch größere«, kampf- und erfolgreichere« Leben vor sich. Was ist es, was unsrer Zeit ekqenthümlich ist? Daß klarer wird, welch« die großen Fragen sind, die der Menschheit zur Lösung gestellt sind. Werter aber noch nicht« aber e« ist genug. Jede dieser- Fragen aber erscheint in ihrer Lösung und Entscheidung, noch von so unsäglichen Schwierigkeiten umgeben, daß wir dar-lu« ersehen: auf ihre Höhe ist die Menschheit noch lange nicht gekommen, doch erblicken wir ihre Umrisse a>z« weiter Ferne. Daß sie adtt diese Höhe erreichen wird, dafür ist un« Bürge, baß wir diese doch schon erblicken, denn schon dazu bedurfte'Ts ve« anstrengende« Wege« von Jahrtausenden! Und wie nun, meine Leser? Fühlen wir un« gedemürhigt vor dieser Anschauung de« Ganzen? Gedemü thigt, aber auch erhoben, geyiß nicht bedrückt. Und die« soll ja alle« Große in un« erwirken. Erhoben: denn wer fühlet stch nicht, und so er ein noch so klein,» Glied ist, tthoden al« Glied eine« großen Ganzen? erhobener, al« wenn er sich al« ein noch so große« Atom in einer Wüste von Atomen eichlickte? Gedemüthigt: indem er sich nur al« einen so kleinen Theil eine« so unendlich Großen erkennt, ln welchem er zwar seine Stell« einnimmt, seinen Theil wirkt, aber eben nur diese«. Beide« lhuet un« aber Roth, um ermuthigr und g.stärkt in unserm Schaffen zu sei«, aber bescheiden und demüthig für unser Vollbringen. Und dann: führet un« alle« Diese« doch"nur hinauf zu den ewigen Höhen der Alle« webenden Gottheit — Ihr überlaffen wir un« voll Vertrauen«, Ihr widmen wir unser Erdenwert voll Zuversicht: Dein Will, geschehe, und Dir sei Lod und Dank und Anbetung in Ewigkeit! Curiosa. Ein von Herrn Eaftello an da« Londoner Journal bewirk 'Ühronide gerichteter Brief dringt eine Sach« von höchster Wichtigkeit und romantischem Eharakrer. Eia reicher portugiesischer israelitischer Kaufmann, aut Namen Jacob Pereyra, starb im Jahre 1710 zu Amsterdam und hinter-

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