Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 12 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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48 ließ ein ungeheures Vermögen; er vermachte durch «in Testament die Gestlmmtsumm« seines Vermögens den Vorstehern der portugiesischen Gemeinde, mit dem Aufträge, dasselbe wahrend 150 Jahre nach seinem Ableben ln SraatSpapieren oder bei der ostindischen Compagnie aazulegen, waeine jährliche Revenue von 200.000 Gulden tragen, würde. Ein, Viertel dieser Eintünfte sollte für wohlthatige Zwecke verwendet werden, daS Uedrige aber stiner Wittwe, seinen Kin- > dern und Kindeskinbern bis zum Verfluß deS bestimmten! Zeitpunktes zukommrn; und alsdann hatten die Testaments-! Vollstrecker vor dem hohen holltindischen Gerichtshöfe zu! Amsterdam zu erscheinen, um dort Rechenschaft über ihr Verfahren abzulegen. Sodann solle man die angelegten Fonds realisiren und unter seine Nachkommen, welche die jüdische Religion bekennen, theilen, indem mczn zuvor eine runde Summe von 100,000 Gülden für die portugiesische Gemeinde davon entnehmen solle. Der bestimmte Zeitpunkt ist eiflgetreten: in Folge der in holländischen Blattern erlassenen Aufforderungen sind die; Nachkommen von Don Jacob Psreyra' aufgefordert an ÄerichtSstelle zu Amsterdam, am 7. Juni dieses Jahres um II Uhr Vormittags zu erscheinest, um allbort den Belauf ihre« Erbantheils zu erhalten. iFünf Generationen sind seitdem verschwunden unddie Liquidation dieser Erbschaft soll setzt beginnen; aber ach! wenn auch der Wille des Testarors auf's Strengste durch dir Testamentsvollstrecker refpecrirr worden ist, so haben dßch die Ereignisse etwas an der Ausführung geändert: im Beginn des achkzehnteniJahc- Hunderts war Amsterdam, auf dem Gipfel seines W^yisiandes, der Mittelpunkt des indischen Handels; ohnr allen Zweifel sah der Testator voraus/ daß das hinterlassene Kapital wahrend dieser anderthalb Jahrhunderte einen bedeutenden Zuwachs erlangen werde; aber von 1775 an mackte die indische Ecmrpagnie faillite und zog in ihren Ruin eine Menge reicher Portugiesischer Familien nach,sich; darauf kam die französische Revolution und! die französische Invasion von 1785; von da ab eine progressive Verarmung, so daß im Jahr« 181.3 bei der Reftaustttion des Haust« Oranien die Regierung eine Reducrion bei Staatsschuld veranstalten mußte, von der ein Drittel cpnsolibirt und die andern Drittel während 80 Jahre hinausgeschoben wurden. So daß. wenn die Erden des Jacob jPereyra aus allen Winkeln der 'Erde, wo sie jetzt stecken mögen, herbeieilen, pm ihren Erbtheil zu reclamiren, es sich Herausstellen wird,, daß alle jene Ursachen deS Ruins vereint^ihr Werk gethan, und daß kaum vön dem ursprünglichen Vermögen so viel übrig bleiben wird, um» die für wohlthatige Zwecke bewilligte Summe zu decken: dw Barmherzigkeit allein' überlebt alle Zeilenstürme; das Uebnge vergeht. -- -i ■ Die „Archives israelites" erzphlen: Es trug sich neulich in Paris ein kleines ganz eigknthümliches Drama voll Tugend und Romanrik zu, das chir nicht mit Stillschweigen übergehen können, weil ganz glaubwürdige Personen die Authenticität der Einzelnheiken, die wir hier darüber geben, verbürgen. Ein junges israelitisches Mädchen, eine Näherin von Profession, begab sich des Morg nS in der Stadt zu ihren Kunden, als auf.ihrem Weg« eine arme Frau durch einen Wagen niedergeworfen wurde; man bildete einen Kreis um die Unglückliche, man hebt sie auf; man bedarf eines Wagen«, um sie nach ihrer Wohnung zu schaffen; die armen Leute,.die am Morgen dort versammelt sind, sind nicht reichdaS junge Mädchen, die auch nicht mehr als jene besaß, leert ihre Börse, um einen Commissionäc zu bezahlen, in Ermangelung eines Wagens, den ihre Mittel zu bestreiten nicht im Stande sind: ein junger Mann, Zeuge dieses Abenteuer«, hatte Nichts gesagt, aber gerührt von der Handlung des jungen Mädchens, nähert er sich ihr, begrüßt sie, und fragt, wo sie wohne; sie verweigert die Antwort auf diese Frage, aber sie läßt sich herbei, die Wohnung ihrer Verwandten anzugeden. Er degiebt sich dorthin, erklärt seine Absichten und erhält zum Schlüsse die Hand des jungen Mädchens. Der junge Mann, sagt man, har 80,000 Livres Renten. Anekdote. Ein jüdischer Autor verfaßte einen Commentar “'Jiera über die Klagelieder Jeremiä rc-x und schickte sein Werk an einen ihm bekannten Gelehrten, es durchzugehen, ehe ec es zum Druck befördere. Dieser sendete aber das Werk wieder zurück an den Verfasser und schrieb ihm zurück: ' Sie schrieben einen TNa auf N2-re, man sollte aber eine ro-» schreiben auf' ihren -nwa. Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln haben die Höhe von 4078 Tbalern 22-j- Ngr. erreicht. 3n Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu bezicben: Nkder die Moltote in der Wellgeschichle. Sechs Vorlesungen, von Dr Ludwig Philippfon. 8 brech. Preis 22*4 Ngr. . Auf den sechs großen Gebieten der Menschheit, dem Handel und der Industrie, der politischen Verbindung unter den Völkern. dem Lerfassungsleben der Staaten, der sittlichen und socialen Entwickelung, der Kunst und wissen, schaft, der Philosophie und Religion wird die Frage: ob Wesentliche und facriiche Resultate ans dem bisherigen Welt gange der Menschheit sich uachwei'en lassen'? aufgeworfen und in : bestimmtester Weise beantwortet. Die Schrift wrrd jedem Gebil- : beten zu einem klaren Bewußtsein über den Entwicklungsgang j der Geschichte verbelfen, und bringt eine Menge neuer Ansichten I zur Sprache. Allgemeine Zeitung de« JudenthuniS. No. II. 1860. Leitende Artikel: Vom Institute zur Förderung der Israel. Literatür. — Die Rechte der Juden in Preußen l«chluß). — lieber die Gleichberechtigung der Juden, von H. Schmitt, aus dem Polnischen von ...ski. — Die israelitische Bibelanstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Büdingen Preußen: Berlin. S3F“ Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährlich 'A Thaler. Verantwortlicher Redacteur: &. Nabe. Sertag von Babmg ir tner'r Buckhandtiiug in Leipzig. — Druck von s. Srevsing in Leipzig.