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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 11 (1860) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
11 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 Da rc sie diesmal schmachtend sah. „Esther — frug er — was ist Dein Begehr, „Und wär'S die Hälfte meiner Krone, „Ich gebe gern sie Dir zum Lohne? Sie bat ihn NUr um Haman'S Haupi Und schneller noch al« sie'» geglaubt, Sagt AhaSver: „Mein Lchätzchen, st, „Gern opfr' ich Haman dem Galgens cick „Für solches Weibes LiebeSblick!" Das hat ein fastendes Weib getha t — Nehmt Ihr Euch ein Erempel dran! Aber zweitens — ich bin noch nicht kill« —• Verkündet eine Lehre die Megille, j Don ungeheurer Wichtigkeit, Heilsam besonders unsrer Zeit. AhaSverus gehörte zu den geistreichen Fürsten, Die fortwährend nach Champagner dirsten, Die sich manchmal zeigen liberal. Meist aber machen Heulskandal. Als einstens <r beim Weine saß. Mit seinen Rathen Austern aß, Da fiel ihm ganz urplötzlich ein, DaS Eherecht müsse besser sein. Und gern er verbannen möchr' DaS alte persische La'ndrecht, Das DariuS der Große, fein Dorfs! r, geschaffen, Der frivole Kampfer mir irdischen D affen. Den baS Volk mir Geschrei preist y Und der nichts war als ein Freigeist. Und so sprach AhaSver: ' „ Um gleich zu erproben, „ Wie wenig das Landrecht zu loben „Ruft schnell mir Dasti her, „Mein Weib, eilt sie zu holen, „Ich habe sie zu mir befohlen, „ Sie soll vor meinen Gästen „Sich odne. Schleier zeigen, „Dann sehen All' am Besten, .Wie Schönheit ihr nur eigen." -- rief: nicht, cht, - Der König sprachs, der Diener lief Die Fürstin hörl'S, sann nach und „Na nu, da kann er lange harren „Ich komm' nicht zum bezechten starren, „ES paßt sich nicht und schickt sich „Sein HöflingSheer erblickt mich n „Ich bleib' hier im Seraile, „Komm' nicht zu ihm, auf Taille! „Verlangt er mein so innig, „Komm' er;u mir,.da bin ich, „ Doch nicht mit einem Schritte „Uederspring' ich persische Sitte.'' Der Diener bringt dem AhaSver Gar hurtig den Bescheid. Der König blicket ringSumher, Ruft mit verhaltner Freud'; „ Nun seht, daS kommt vom Land echt, „ DaS WeiberwiberstandSrechr. „Wir können ihnen in den Ehen „Im Kleinsten selbst nicht widerstehen, „Sie aber, sie, sie widerstreben „In Allem uns durchs ganze Ledm. „Ihr, meine Rath«, hört mich an, „DaS muß sich ändern nun-fortan. „Entwerfer ein Gesetz in Schnelle, „Und pudlirirt mir'S auf der Stelle: „„Daß fortan jede Frau dem Mann „„Zu Willen fei und unterthan. -„„Gegeben in Susa, fünfzehnten Adar „„Gezeichnet AhasveroS, König und Narr."" Ei, haben da die Weiber Gerungen ihre Leiber, Ei, war das ein Geweine, Zufrieden war nicht Eine! Doch hielten sie den Jammer Für sich in stiller Kammer, Und wurden — gewiß nicht lug' ich — Gegen die Männer weit mehr gefügig. Jeder Mann hieß da: mein Bester. Am Schönsten macht' e- Esther, Darum ward sie erhoben, Drum müssen wir sie loben. Heute — daß Gott erbanfi' — Heut' duckt der Männerschwarm Unter dem Pantoffel — sei er von Leder, Oder von Seide, eS fühlt ihn ein Jeder. Aber, Hochmutk kommt vor dem Fall'! Der Spruch bewährt sich überall. Und Haman, der Priemier-Bösewicht des Stücks Er starb infolge zu festen Stricks. Vergebens sein Bitten, vergebens sein Stammeln Er mußte mit seinen zehn Söhnen bammeln. Darum, Ihr holden lieben Frau'n, Wollt Euch in diesem Spiegel beschau'n-, Und inne werben, daß in der Megille Zu finden sei der Weisheit Fülle. Und hiermit schließ' ich meine Predigt: — Glücklich jeder Mann, der ledig- Düstern Sinn'S in seinem Arm Herzt ein Weibchen, lieb und warm, So wie hier die lieben Fraun Sind im Kreise rings zu schaun. Und Du, o alter Narrenkönig, AhaSver, der Du zu wenig Bist gepriesen noch bis heut. Sei für immer gebenedeit. Segen komm' auf Dich hernieder Und auf Deines Staates Glieder, Segen auf die Königin Esther mit dem schmachtenden Sinn, Segen auf Dein Königshaus, Auf Kind und Kegel und Mann und MauS. Segen auf die ganze Welt, Die Faschingslust in Ehren halt. Segen auf mich, Deinen Verkünder, Segen auf Alle, Greise und Kinder, Segen in Ahasveru»' Namen Auf diese ganz« Versammlung — Amen.

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