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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 11 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
11 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. i' i — Zur •V j Nelehrung und Unterhallunq ZeKiete. lRo. 11. 1860.^ HerauSgegrbcn von Rabbiner vr. Ludwig Philippson iü Magdeburg. Bo» titfct äritfArift eichet»! »Sch««Uich eine ttvmncr. Prri» fc«l3a!-f gang« l IHIr. PionrtjShds 1 U Rgr. Alle BiUdbanklungca, Pochamicr und Ztim»g«ekvrdttio»e» nehmen Bestellungen an. . | [7. AaKrg. 1. Quartal.] Eine Purimpredigt. Bon L. in D. Ihr Andachtslosen Kleinen und Großen, Ihr GlaudenSschwachlichen Und Frommsinngedrechlichen, Ihr Männer, stolz auf Wissen, Zhr Frauen, schön zum Küssen, Ihr Greise, Ihr Kinder,. - ' Ihr sämmtlichen Sünder, Ihr Docioren und andre Thoren, Eröffnet Eure Ohren. Daß hlneinströme meine Rede, Belehrend Jeden und Jede; Denn die Zeit ist gekommen. Die unS ward verkündigt. Verschwunden sind die Frommeri, Allort wirb gesündigt! Selbst hier beim Gelehrten. Mit Recht sonst Verehrten, Sieht man strahlende Lichter prunken. Wird im Uedermaß getrunken. Herrscht Freudenjubel Und TaozeStrubel, Wird geschnitten die Kour ihm, Dem Allvater Purim. Aber — so muß ich fragen — Ist'S Recht, so im Tanze zu jagen, Jst'S wohl erlaubt, so lustig zu sein, Sich zu erquicken an Braten und Wein? Nein, nein, und hunderttausendmal nein. Dar Weltgebaude ist jetzt ein arges, Drum gedeiht nicht mehr Kugel, noch BarcheS. Die Frömmigkeit ist heut nur noch Frazze, Drum schmeckt auch Keinem mehr di« Mazze. Wer ehrt heur noch, die alten Bräuche, Ißt Knidel von Pflaummuß mit frischem Teige? Wer hat jetzt noch den rüstigen Magen, Mohnkränzchen von Gänsefett zu vertragen? Woher das kommt? — Das liegt auf der Hand, Weil die Frömmigkeit und der Glaube schwand. AU' diese fetten Speisen paßten Für Magen, ausgehungert vom Fasten. Was sie sich gestern erspart burch'S Fasten, Dran konnten sie deute sich weiblich masten. TaniS Esther harre! der. Magen geklopft. Und Purim ward ^r vollgestopft. TaniS Esther gab fS schmale Wangen, Und Purim-Essen, daß die Knopfe sprangen. TaniS Esther war man hungrig und stille, Und Purim umtobte man die Megille; TaniS Esther schuf man sich Qual und Pein, ,! Um Purim auSgel^n zu fein. Man aß sich dick Und immer dicker. Man trank mit Schick, ward immer schicker, Bis man endlich vjergaßwie sich die beiden Haman und Mardechai unterscheiden, Bis man endlich verwechselt die Etiquerre so^ Daß man Essig tr^nk für »uro Aliquot. So war e» damals. Wie ist es heute?' Wer hat gestern gefastet von Euch, Ihr Leute? Ihr schweigt. — )jch aber darf nicht schweigen, i, Ich muß Euch me nen Zorn darob zeigen. s Ader — was soll ich mir den Männern toben? / Kommt doch daS Äergerniß von oben, Don oben, das hezßt von den Frauen, In deren Händen das Scepter zu schauen, DaS Scepter über Ider Männer Herzen und Magen; Wie können die fasten wagen, Wenn ihnen die Frauen so liebliche Speism Kochen, vorsetz,n ujid schmeichelnd anpreifea? Ja, ja, es ist kein, Zweifel, In den Frauen, bä steckt der Ketzerkeufel. / Die Esther war doch auch eine Frau, Und schön dazu! Die Megille beschreibt genau Ihren schlanken Wuchs und zierlichen Bau. Aber wo'steht denn! geschrieben zu lesen. Daß sie so begierig aüfS. Essen gewesen? Im Gegentheil! Drei volle Tage Hielt sie aus die Fastraptage, Nahm zu sich wedei! Speise noch Trank, Und warb doch dav^n nicht krank. Vortrefflich bekam ivr'S; gesund wie rin Asch Mit rvthrn Wangen, heiter und frisch Trat sie nach den dfei Tagen Mit dem ausgehungerten Magen Vor Ge. Majestät,Iden König AhaSver, Der war verllebt uip ward'» noch mehr. 92486^

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