Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 8 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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31 citun liefern Einblick in dal Leben und die Geschichtt der modernen Völker gewonnen zu haben, um die Sendung und Aufgabe der Deutschen von der der Franzosen, der Engländer und Russen sicher unterscheiden zu können. So geht auch mitten durch die Alle« nivellirenbe Allgemeinheit dal Recht und der Zweck der Besonderheit, und offenbart uns den Organismus, den die Hand Gottes zusammendaur. Neben dieser großen Erfahrung, die die Menschheit gemacht, stellte sich aber beschrankend eine andere heraus, die, daß nicht» Menschliches ganz den Zweck erfüllt, den Gott ihm.gefetzet. Denn was Gott allein in den Naturgesetzen, die er der Schöpfung eingelegt, anheim gegeben, das muß gänzlich diesen Nachkommen, und ist an sie untrennbar gebunden. Aber de» Menschen ist der freie Wille, die eigene seldstdestimmte Thar, und so ist eS ihm gelassen, die göttliche Mission zu erfüllen nach seinen Beschlüssen. Man verstehe wohl: die Bestimmung beS 2»' dioibuellen ist weder eine menschlich-willkürliche Auferlegung, noch.eine menschlich-willkürliche Erfüllung. Sie entspringt aus der eingebornen Anlage, und muß so erfüllt werden. Aber wirk und wieweiti Da bleibt alle» Menschliche hinter dem zurück, was Gon ihm als mögliche Grenze an Entwickelung und Kraft gestellt har. Die» heißt: daß nichts Menschliches den Zweck ganz erfüllt, den Gott ihm gesetzt. Aber hier drängt sich noch eine andere Beobachtung auf: wie in der Natur, so in der Menschenwelt hat Alles eine allmähllge Entwickelung, Alleentsprießt au» lang gehegten Keimen, au» einer ganzen Reihe von Ursachen,. deren Zusammenwirken oft eine scheinbar urplötzliche Erscheinung in das Dasein ruft. Auch in der Menschenweit giedt eS keinen Deus ex niachma, kein im Nu Entsprungenes und die Well sofort Beherrschende». Alleist vorbereitet; lang har sich der Zündstoff auS den fernsten Quellen zusammengehaufr: endlich kommt der Tag der Geburt — der zündende Funke sprüht. Nicht Luther har die Reformation, sondern die Reformation har Luther hervorgerufen. Hundert Jahre früher harre AugusiuS kein römische» Kaiserthum, fünf Jahre früher Napoleon keinen Thron zu gründen vermocht. Selbst Entdeckungen und Erfindungen, die dem Geiste de» Individuum» ganz anzugehören scheinen, haben ihre vielfachen langen Vorbereitungen, und entwickeln sich erst nach und nach zu dem, wa» sie werben und wirken. Auch EolumbuS hatte seine Vorgänger, hatte die Versuche, harre die Richtung seiner Zeit vor sich. Viele» ist da» Produkt drängenden Bedürfnisse», wie die Buchbruckerkunft zu einer Zeit, wo der Durst nach geistigem Leben gewaltig geworden. Vieleist Anknüpfung an längst vorher gerhane Schritte. Diele» findet erst in sehr spater Zeit seine früher nicht geahnte Wirksamkeit. — ©erat* hierin offenbart sich un» die Planmäßigkeit, die Gott gelegt har in den Gang seiner Menschenkinder. Gerade diese allmählige Entwickelung zeigt, daß nicht der Zufall, sondern eine höhere Vorsehung die Herrschaft führt, die Gebilde schafft. Freilich ist hier ebenfalls, wie in der Natur, Oberfläche und Tiefe, Sem und Schein zu unterscheiden. Liegt doch im Leben schon der Keim de» Tode», im Tode der Keim neuen Leben», in der Gesundheit wuchert der Wurm der Krankheit, und in der Krankheit reinigt sich der Luftkrei» de» Leben», baße« einen neuen Aufschwung an Kraft und Fülle erlangt. Und daran schließt sich wiederum, wa» un» die GeschicHg mit lauten Worten verkündet: wa» tobt ist,,abgestorben, scheidet die Mensch heit unabänderlich au» sich au», e» fällt dem Untergange unrettbar-zu. Alle»^ Individuelle hat ein Leben für sich, so sehr die» auch in da» Allgemeine aufgeyt. e» entsteht für sich, e» lebt für sich, e» stirbt für sich. Hat e» seine Mission vollbracht, seine Aufgabe gelöst, ist die Summe seine» Dasein», seiner Lebenskraft verzehrt, hat e» an JiAt Allgemeine, abgegeben, wa» au» feiner Eigenthümlichkeit der Allgemeinheit zuqehörr: so scheidet eab, unwird au-geschiede». Die Menge der Jahre macht hierbei nicht» au». Die Menschheit iß auf Jahrtausende, wie wir auf Tage, angelegt. Je größer, je bedeutender da» ist, wa» da» Besondere dem Allgemeinen zu übergeben hat, und je schwerer jene« seiner Narur nach in diesem sich Dahn macht: desto länger wird seine Lebensdauer sein. Allerdings ist aber auch da» Absterben allmählig, und nimmt oft größere Zeit ein, als da» jugendliche und kräftige Alter, al» seine eigentliche Wirksamkeit. Erst muß da» Neue dasein, daan die Stelle de» Alten treten soll, erst muß da» Neue Lebenskraft genug gewonnen haben, um an die Stelle de» Alten treten zu können. Darum ist ofr da« Neue längst neben dem Alten da. Dann enlfpinnt sich auch wohl ein langer Kampf zwischen beiden. Ätzer auch dieser Kampf ijlj unumgänglich nothwendig. Denn da» Alte schafft dadurch noch Alle», wa» in seiner Kraft liegt, und da» Neue dölber sich erst-durch den Kampf wahrhaft au». Hlerbei muß nur -da» nicht vergessen werben: ersten» daß dem Gegner öfter» todt scheint, wa» noch voll reichen Leben» blüht, »»eil jener diese» nicht begreifen kann; zweiten» baß auch oft! mir schon Veraltetem eine Regeneration, eine Wiedergeburt vorgehet, weil mehr siine Form, al» sein innerer Kern veraltet war. Gott läßt Über Nicht» unnützlich unrergehkn, tn der Menschheit, wie in der Natur. Denn da» ist ia am Enhe da» Herrliche, Göttliche: daß die Schöpfungen Gotteh, so sehr sie allesammt nach destimmken Gesetzen vor sich gehen, dennoch in engdegrenzte Formeln sich nicht zwistgen-lassen, und neue Erscheinungen, neue Erfahrungen darbten für da» kurzsichtige Auge de» menschlichen Beobachter». So aber nun wirtlich etwa« tobt ist, wird e« abgethan und begraben. Aber seine Wirksamkeit ist damit nicht abgeschlossen und beendet.^ E» giedt eine Unsterblichkeit in der Geschichte, wie in der Religion. Da« Individuum hat zu schaffen oufgehört, darukn ist e» im Staude gebettet; aber seine Schöpfungen lebest noch, und sind Erziehmittel ge, worden für die spatesten Geschlechter. So wirten noch Griechen und Römer ahf un», so lauschen wir noch den Sprüchen der Weisen und Sänger, die langst schlafen gegangen. . Beitrag zur Geschichte des Kurfürsten, August des starken von Sachscu. , Bon I. Stensprl, Lantor in Velgard. I jüiefet Monarch, welcher um die Krone Polen» sich auf» HauM zu setzen, katholisch wurde, bedurfte wegen der großen W^schwendung und Prachtliede, durch welche seine