Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 8 (1860) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
8 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026343--1566-4910097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

32 Regierung vor anbem deutschen Höfen jener Zeit sich de-, merkbar machte, aus leicht erklärbaren Gründe« eines Hof»' juben, der immer bereit war, zu den ehtaader drängenden Festen große Summm vorzufchießen. Za Dresden war damals den Bekeaaern des mosaischen Glaubens der Aufent- I halt noch nicht gestattet; allein die Guist des Monarchen schützte, seinen jüdischen Liebling vor tyt Drohungen der, Bürger, so daß er ungekränkt in der Rahe des Hofes! wohnen durfte. Allein bald stellte der Begünstigte seinem Fürsten vor. wie er, abgeschieden von allen seinen Glaubensgenossen, auf die Ausübung der meisten ReligionSvorschriften verzichten müsse. ES möge daher seine kurfürstlich« Gnaden die Herdtiziehlmg der ihm zur ungehinderten Ausübung feiner Religionsgesetz« unenrdekclichsten Personen gestatten; ■ unter diesen Unentbehrlichen nannte der Bittsteller außer dem Rabbi, bei dem er sich in zweifelhaften Fällen geistlichen Rath holen könnte-, noch den Cankor oder Dorsänger bei seinen häuslichen Anbauten, den Schächter, der nach mosaischem RiruS das Lieh zu schlachten verstände u. bergt. Personen mehr, dir nun sämmtlich mit Weidem und Kindern in Dresoen einwanderren und, > zum Herzeleid der Bürger, bald eine kleine Colonie bilderen. Ueder den Anwachs dieser Gemeinde besorgt, thar der Magistrat der Stadt die nötdigen Schritte bei dem Regenten, in den Dortrag der Beschwerde auch den gewichtigen.Punkt einfchaltenb, daß ein altes Recht der guten Stadt Dresden die Weigerung der Auftrabme von Familien jüdischer Eonfefsion unterstütze, und daß die Bürgerschaft dieses alte Recht in dem gegenwärtigen Falle in Anspruch nehme. AlS nun die Deputationen des Magistrats mir Kiefer Beschwerde dem Kurfürsten immer häufiger kamen und dieser weder sein dem Hofjuden gegebenes Wort zurücknehmen wollte, noch gegen da» bestehende Gesetz eigenmächtig zu handeln wagte, entschloß er sich zu einem seltsamen Mittel, um zwischen den beiden Klippen glücklich hindurchjuschiffen. Er sandte! seinen jüdischen Günstling mit einem angeblich, höchst wichtigen Schreiben, dessen Besorgung «f nur einem sehr zuverlässigen, treuen Diener anvertraue^ durfte und auch die größte Eile erheischte, an den Sradlcommandanten zu Warschau, wo der Kurfürst als König von Polen einen Theil des Jahres Hof hielt. AlS der jüdische Banquiec nur noch eine Tagereise vom Zielpunkte der Reife entfernt war, nahm er. in einer kleinen Stadl anlangend/ wo eine jüdische Gemeinde war, bei einem seiner Glaubensgenossen ein Mittagsmahl »in. Dieser bat den Gast, bei seinem Knäbchen am folgenden Morgen das Gesetz der Bsschneivung zu vollziehen, da mit dem Leben seinen Ungehorsam bezahlen werbe. Rach langem Kampfe zwischen Lebenslust und den Eingebungen seines Gewissens, entschloß er sich, dem König der Könige die Ehre zu geben, beorderte daher einen Officier beS Städtchens mir der Weiterbeförderung d,S kurfürstlichen Schreibens und traf Anstalten, erst nach verrichteter, kirchlicher Function die Reife nach Warschau forkzusetzen, um von dem Stadtcommandanten zu erfahren, ob dieser noch zur rechten Zeit das wichtige Papier erhalten habe? Als er am andem Tage Abends sich diesem vorstellte, hörte er zu seiner nicht geringen Verwunderung von dem Eommandanten. daß der Ueberbringer deS Briefes, dem königlichen Aufträge zufolge, sogleich die Ungnade seines Herrn mir dem Leben gebüßt habe, und daß er die Nachricht von der pünktlichen Vollziehung dieses Befehls sofort nach Dresden überbringen möge. Wie sehr freute sich der fromm, Israelit nun, auf so wunderbare Art einem sichern Tode entgangen zu sein, welcher ihm beschieden war, wenn die Gottesfurcht in ihm weniger mächtig gewesen wäre, als die Scheu vor der Ungnade seines irdischen Herrn! *) *) Woher bat Einsender diesen Beriwt. oder den Borsall, der ibm;u Grunde liegt, entnommen? Rcdaction Anekdote. Der Freund eines christlichen Predigers und ein Jude unterhielten sich über Kirchen- und Synagogenbesuch in der Jetztzeit. Jener beklagte bas Schicksal des Predigers N., seines Freundes, der stets vor leeren Bänken predigen mußte. „Ei." sagte der Jude, „da hat es der jüdische Prediger bester, er muß immer wenigstens zehn Zuhörer haben, da ohne solche bei unS kein öffentlicher Gottesdienst abgebalttn werben darf." — „Bei Leide nicht," antwortete der Andere, „bann hätte der Prediger N. noch in seinem Leben keine Predigt zu Stande gebracht." Die israelitische Bibclanstait. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln baden die Hohe von 3768 Thalern 24 Ngr. 9 Pf. erreicht. Heran», : St. Nabe. ■ — Dr»a vo» &. fftoMiig in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.