Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 1 V dessen Nase aber bereitdie Spuren deguten französischen Landweinetrug. Ich setzte voraus, daß Amalie'« Baker gegenwärtig auf seine Land-leute nicht sehr gut zu sprechen wäre, und verbarg daher Anfangmeine Qualität al- Deutscher, deren ich mich sonst freudig rühme. Auch hielt ich mich die ersten Tage ziemlich zurück, um keinen Verdacht einzuflößrn. Obgleich ich sonst auf meinen Reisen ziemlich sparsam lebe, zog ich die- Mal die Saiten etwaschlaffer auf, und die tüchtigen Rechnungen, die ich immer den zweiten Tag bezahlte, schlossen offenbar Meinem Wirth« da« Herz auf. Ich hatte mir einmal in den Kopf gesetzt, da- Schicksal meiner jungen Glaubensgenossen zur Entscheidung zu bringen, und wollte daher weder Aeit noch Geld sparen. Am vierten Tage ließ ich mich mir dem Wirrh« näher in« Gespräch ein, indem ich mich stellte alob ich zum ersten Male in Besan^on wäre, defrug ihn über die bedeutendsten Geschäftshäuser der Stabt und Umgegend und über verschiedene große Einkäufe, die ich zu machen harre. Egab die- Veranlassung zu weitläufigen Erörterungen und zu meinem Erstaunen sowie zu meiner Befriedigung fand ich, daß mein Wirth mit meinem Geschäftszweige und mit den Verhältnissen de- Platzeso sehr vertraut war, daß er mir wirklich einige-nicht unbedeutende Vortheile zu verschaffen vermochte, welche mir als Fremdem noch immer entgangen waren und vielleicht stetentgangen sein würden. Ich gebrauchte ihn daher in einigen Fällen al- Dermiktler, und konnte ihm dafür nicht unbeträchtliche Geldsummen überweisen. Was Wunder, daß er mir daher immer näher trat, mich zwang, oft sein Gast, namentlich bei einer guten Flasche Wein sein, wofür ich mich nicht minder erkenntlich zeigte, wodurch er in die beste Laune versetzt ward. Ich nahm ihn auf einigen kleinen Reisen in die Umgegend mir, wobei ich nur die Dorsicbt gebrauchte, nicht an solchen Platzen und in Geschäftshäusern vorzusprechen, wo ich bereits bekannt war. Der Himmel begünstigte mein Borhaben augenscheinlich, denn'wir machten auf diesen Reisen so günstige Ein- und Verkäufe, daß ich vor mir selbst und meinen Associe« zu Haufe wegen meines längeren Aufenthaltin Besan^on gerechtfertigt war, und mein Wirth immerfort einen guten Abfall vom Gewinn einstrich. Ich ließ ihm endlich Durchblicken, daß ich ihn als ständigen Agenten unsre- Hause« gedrauchen wollte, und gab ihm einen Einblick in den bedeulenVen Umfang desselben, den er in dieser Ausdehnung sich nicht gedacht hatte. Sein gutes, deutsches Her; schwamm darüber in Seligkeit, und er strengte alle seine fünf Sinne an, um meine Freundschaft zu gewinnen. ES versteht sich von selbst, daß bei diesen TStt-a-LSte'S nach und nach auch seine Familienverhälrnisse auf« Tapet kamen, und daß er mir endlich sein ganze« Her; erschloß, indem er mich auch zuletzt mit dem Schicksale Amelie'« bekannt machte. Thränen standen dabei dem alten Manne in den Augen, und daß mein junger Freund dabei mit den schlimmsten Eigenschaftswörtern, welche die französische und die deutsche Sprache besitzt, weqkam, versteht sich von selbst. Als einmal die Schleuse geöffnet war, kam er öfter hierauf zurück, und ich merkte bald, daß er selbst Sehnsucht nach seinem LiedlitzgSkinde habe. AlS ich ihm Vorwürfe über seine Harte machte, gab er mir leise zu verstehen, daß seine Frau die Hauptursach, derselben sei, da sie, bigott wie sie war, sich unversöhnlich zeigte. Je öfter er davon sprach, desto stärkere Einwendungen machte ich ihm, und so allgemein ich diese noch hielt, so lehnte er sie doch bald nicht mehr ab, sondern verstummte nach meinen Reden und versank in Nachdenken. Es war ein herrischer Sommerabend, al« ich mit meinem Wirthe in einem leichten offenen Wägelchen, mir feurigen Rossen bespann^ von einer Tour nach Besan^on zurückkehrte. Ein Gewitter haue de« Nachmittag« die Hitze obgekühlt, die ganzes Natur -erfrischt und die Luft duftig und belebend gemachf. Die Sonne lag hinter den adziehenden, blaugrauen Wolken, und umsäumte diese mit, Purpur und Gold. Unser Geschäft war trefflich abgeschlossen, und eine vorzügliche ißollalion hatte unsre gute Laune bi« zur Lust erhöht. Iehjt hielt ich die Zeit für meineHüuptattaque gekommen, um so xrehr, da ich, nach dreiwöchentlichem Aufenthalte in »eL alten französischen S>ck6r, ihn nicht länger mehr verzögern konnte. Ohne üaß er e« merkt«, brachte ich meinen Wirth wieder auf seine Tochter, und jetzt ergoß sich sein Herz in eine so lange und innige Klage, um so mehr, da die Briefe, nach jener letzten barschen Abweisung ausgeblieben, bag ich selbst tief gerührt ward. „Ach, mein Freund," schloß fr, „Sie hätten sie sehen und kennen sollen, da« schönste und lieblichste Mädchen der Stadt, dabei di» Unschuld und Tugend selbst, die Freundlichkeit und Zuvorkoinmenheit in eignier Person, da« Licht und die Freude meine« Hause«! Wie lirdevoll und dankbar war sie gegen mich; wie lauschte sie jede« meiner Bedürfnisse, jeden meiner Wünsche ab.-— Werde ich sie jemals Wiedersehen und wie? . . . Ach, ich fiirchtt, die Strafe Gotte« wird sie für ihren Fehltritt ereilen, der Elende, der sie mir geraubt, wird sie verlassen, sie lioirb verschmachten, umkommen . . . vielleicht wenn sie sich di« auf mein Grab geschleppt hat. . ." — Diese Stimmung ve« alten Manne« war mir sehr willkommen. Ich griff sie! sofort auf, stellte ihm seine Pflicht entgegen, da« einmal Geschehene zum Besten zu fuhren, sein Kind vor Reue ui d Fall zu bewahren, ihre flehende Stimme anzuhören, i^r Vergebung zu ,«heilen, wie wir Vergebung von unsrem himmlischen Daker erwarten, und ihre Verhälmisse möglichst zu sichern. Al« ich ihn erweicht und erschüttert fand, gab ich mich ihm offen al« den Sachwalter seiner Kinder zu erkennen, schildert» ihm lebhaft unser Zusammentreffen, die Gefühle de« jungen Paare«, ihren festen Entschluß, ohne seine, de« Baker« Zustimmung, getrennt zu bleiben, und wäre es durch da« ganze-Leben, aber auch ihre Trostlosigkeit hierüber und ihre Verzweiflung über seine hartnäckige B.rwerfüng. Endlich fügte ich hmzu, daß ich meine ganze Freundschaft für dieselben in die Waagschale lege, und baß ich allerdings anstehen müsse, da« Vertrauen meine« Hause« ln die Hände eine« Manne« zu legen, der so unerbittlich sein Herz seinem unglücklichen Kinde verschließe. Ich zeigte ihm, daß er da« Schicksal seine« Kinde« einem rechtschaffene«» Manne nicht anvertrauen könne, al« e« der junge Golbst^mied, sei, daß dieser nicht« verlange von ihm al« seine Versöhnung und schon jetzt auf jede« Erbtheil verzichten wolle. Mit den rührendsten Bitten^be» stücmte ich sein Herz, mir nach unserer Rückkehr nach Haufe in einem eigenhändigen ^Schreiben seine Vergebung und die Einwilligung zu ihrer Ehe für dw jungen Leute zu übergeben, wodurch er auch mich sehr glücklich mache, und außerordentlich verpflichten würde. Der altt Mann fiel mir um den Hal« und wein«, wie einst Jakob am Halse Joseph'« geweint. Ee wißigte ein. Eine Cenmerlast schim